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Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist das Rückgrat des Klimaschutzes. Windenergie an Land (Onshore) und auf See (Offshore) sind neben Photovoltaik die Schlüsseltechnologien der Energiewende. Der Anteil der erneuerbaren Energien im deutschen Strommix beträgt seit 2024 rund 55,9 % - Windkraft ist dabei bereits heute der stärkste Nettostromerzeuger1. Um den deutschen Stromsektor bis 2035 vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen, muss der Ausbau jedoch weiter beschleunigt und verstetigt werden.

Windenergie auf See – zuverlässig, mit Rücksicht auf ökologische Grenzen

Die stetigen Windverhältnisse auf See ermöglichen eine hohe Zahl an Volllaststunden von Windenergie-Anlagen und garantieren dadurch verlässlich große Strommengen, die für die deutsche Energiewende notwendig sind. Klimaschutz und Naturschutz müssen dabei Hand in Hand gehen: der Ausbau von Wind auf See darf – so wie bei allen anderen erneuerbaren Energien auch – nur umweltverträglich erfolgen, mit Rücksicht auf die Belastungsgrenzen des betroffenen Ökosystems. Der Offshore-Windenergie muss daher Vorrang vor allen anderen Arten der wirtschaftlichen Nutzung der Meere eingeräumt werden, mit einer parallelen Reduktion anderer kumulativer Belastungsquellen (Fischerei, Schifffahrt, Rohstoffabbau, Militärnutzung). Die Exploration und Förderung fossiler Energieträger muss sofort und vollständig eingestellt werden.

Die nationalen Offshore-Ausbauziele sind für eine vollständige Energiewende alternativlos – eine Realisierung allein in deutschen Gewässern birgt jedoch das Risiko erheblicher ökologischer Belastungen und abschattungsbedingter Ertragsverluste durch eine zu hohe Dichte von Windenergie-Anlagen auf zu engem Raum (auch bekannt als wake effect). Eine meeresbeckenbasierte Realisierung des Offshore-Ausbaus durch grenzübergreifende Kooperationsprojekte kann hingegen Belastungen reduzieren und Erträge optimieren. Naturschutzgebiete müssen dabei konsequent von sämtlicher Infrastruktur freigehalten werden. Aufgrund der starken Belastung von Nord- und Ostsee sollte die Planung von Offshore-Windparks und deren Netzanbindungen außerdem im Kontext einer übergeordneten, ökosystembasierten und grenzübergreifenden marinen Raumplanung erfolgen. 

Ein naturverträglicher Ausbau kann darüber hinaus nur gelingen, wenn alle geeigneten Meeresflächen vor dem Gebotsverfahren auf Umweltzustand und physikalische Beschaffenheit geprüft werden. Aktuell findet diese zentrale Voruntersuchung nur für einen Teil der ausgeschriebenen Flächen statt. Das kritisiert die DUH und verlangt darüber hinaus auch eine garantierte Beteiligung von Umweltverbänden an den besagten Voruntersuchungen. Nur so lassen sich Neutralität und fachliche Qualität von Umweltstudien sicherstellen. Darüber hinaus können Offshore-Projekte durch eine vorausschauende Ermittlung von potenziellen Umweltauswirkungen umweltverträglicher ausgestaltet werden. Daher spricht sich die DUH gemeinsam mit Verbänden und progressiven Branchenbetreibern für eine sofortige und konsequente Wiedereinführung der Umweltverträglichkeitsprüfung bei allen geplanten Offshore-Windparks aus.  

Windenergie an Land – schnell, mit Rücksicht auf Mensch und Natur

Auch Onshore-Wind ist ein Grundpfeiler der Energiewende: die Technologie ermöglicht eine kostengünstige, effektive Form der erneuerbaren Energieerzeugung, die schnell ausgebaut werden kann und einen geringen Flächenbedarf aufweist. Für einen erfolgreichen Ausbau von Onshore-Wind im Einklang mit den Klimazielen braucht es eine umweltsensible Standortplanung, effiziente Genehmigungsverfahren und effektive Konfliktvermeidungsstrategien vor Ort – insbesondere hinsichtlich des Artenschutzes und der lokalen Bevölkerung. Statt pauschalen Regelungen ist es bei der Standortwahl entscheidend, das naturschutzfachlich fundierte Kriterien in einem transparenten Bewertungsprozess Anwendung finden, der lokales Wissen systematisch einbezieht. Die kommunale Planungshoheit darf dabei nicht umgangen werden, wobei die Realisierung des 2-Prozent-Flächenziels für Wind an Land in einem gesamtgesellschaftlichen Dialog auf Landesebene ausgehandelt werden muss. Die Befähigung von Genehmigungsbehörden durch ausreichend Ressourcen ist zentral, um den Übergang zu vollständig digitalisierten Verfahren sicherzustellen. Dadurch lässt sich das Zusammenführen und Überprüfen von Daten erleichtern und Kommunikation vereinfachen, was qualitativ hochwertige Entscheidungen in kurzer Zeit ermöglicht. Wesentlich ist auch, dass die lokale Bevölkerung von vornherein umfassend und ganzheitlich in die Planung einbezogen wird und verschiedene Konzepte zur Teilhabe erhält, die eine Wertschöpfung vor Ort ermöglichen. Darüber hinaus sollte das flächeneffiziente Repowering von etablierten Onshore-Windstandorten besonders gefördert werden, um die zusätzliche Flächeninanspruchnahme auf ein Mindestmaß zu begrenzen.

Verantwortung entlang der Lieferkette: Windindustrie in Europa stärken

Für eine umwelt- und sozialgerechte Energiewende ist es außerdem unerlässlich, dass die Herstellung von Technologien und Komponenten sowie die Beschaffung von dafür benötigten Rohstoffen unter menschenwürdigen und umweltverträglichen Bedingungen stattfindet. Um das sicherzustellen, bedarf es – neben vertrauenswürdigen, internationalen Partnerschaften – auch des Aufbaus einer kritischen Menge an europäischen Lieferketten, vom Rohstoff bis zum Produkt. In den gemeinsamen Handlungsempfehlungen zur nachhaltigen Windenergieproduktion in Europa setzt sich die DUH daher mit einem gesamtgesellschaftlichen Bündnis dafür ein, die Produktionskapazität für Windenergie in Europa bis 2030 auf mindestens 50 GW auszubauen – über den gesamten Lebenszyklus hinweg, unter Einhaltung von Umweltstandards und Menschenrechten.  

Für einen effizienten und nachhaltigen Ausbau der Windenergie bedarf es darüber hinaus einer synchronisierten und strategisch-koordinierten Netzanbindung sowie vorausschauender Konzepte für den Rückbau oder das Repowering von ausgedienten Windparks - an Land und auf See. 

Natur- und sozialverträgliches Ausschreibungsdesign

Auch das Auswahlverfahren zur Entscheidung, welche Windenergie-Gebote eine Förderung erhalten sollen, ist zentral für die Natur- und Sozialverträglichkeit von Wind an Land sowie auf See. Die DUH dringt deshalb auf eine Anpassung der entsprechenden Ausschreibungen: in Zukunft sollte der Mehrwert eines Projekts für Natur und Gesellschaft dafür ausschlaggebend sein, welches Gebot eine Förderung durch den Staat erhält. Dazu bedarf es der Einführung EU-weit harmonisierter und standardisierter ökologischer als auch sozialer Ausschreibungskriterien, die eine differenzierte Bewertung von Geboten anhand ihrer öko-sozialen Qualität ermöglichen. Solche nicht-preisbezogenen Kriterien können Mindeststandards für eine Teilnahme an Wind-Ausschreibungen definieren sowie einen Wettbewerb, um die nachhaltigste Lösung anreizen – zu Gunsten von Natur- und Klimaschutz, fairen Arbeitsbedingungen und verantwortungsvollen Lieferketten. Bei Gebotsverfahren für Wind auf See sollte zudem die Zweckbindung der finanziellen Ausschreibungserlöse für Meeresschutz und nachhaltige Fischerei unbedingt erhalten bleiben, da nur mit ausreichend Ressourcen anhaltend wirksame Maßnahmen zum Schutz der natürlichen Umwelt durchgeführt werden können.

Unsere Arbeit

Wir gestalten den Windenergieausbau als klimapolitisch notwendige Infrastruktur – mit klaren Leitplanken für Natur, Klima und Menschen: 

  • Dialog & Facharbeit: Austausch mit Windbetreibern, Übertragungsnetzbetreibern, Lieferkette, Wissenschaft, Politik und Behörden, NGOs und Gewerkschaften – für einen naturverträglichen Ausbau und robuste Standards. 
  • Bündnisse für höhere Umweltstandards: Zusammenarbeit mit progressiven Akteuren der Offshore-Industrie, um Umweltanforderungen in Planung, Ausschreibungen und Umsetzung zu verankern. 
  • Europäische Vernetzung: Aufbau starker Allianzen mit europäischen NGOs, um Nachhaltigkeitskriterien, Lieferkettenstandards und naturverträgliche Planung auf EU- und Nordsee-Ebene voranzutreiben.
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