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Der Macho unter den Käfern

Mittwoch, 24.07.2019

Aufgrund seines imposanten Aussehens kennt ihn fast jede*r. Mit seinem geweihartigen Oberkiefer ist der Hirschkäfer ein unverwechselbarer Bewohner unserer Wälder und zudem Mitteleuropas größte Käferart.

© Petr Šimon / Fotolia

Der Artikel erschien in der DUHwelt 2/19.

Nur wenige Menschen können von sich behaupten, jemals einen Hirschkäfer in natura gesehen zu haben. Das liegt überwiegend daran, dass er maximal acht Wochen in Gestalt des ausgewachsenen Insekts existiert. Den Großteil seines Lebens verbringt er als Larve und später als Puppe unter der Erde. Den erwachsenen Hirschkäfer bekommt man – wenn überhaupt – nur von Ende Mai bis etwa Anfang August zu Gesicht. In diesen wenigen, hektischen Wochen dreht sich alles um Nahrung, Paarung und Eiablage.

Mit Glück kann man ihn während der Sommermonate zum Anbruch der Dunkelheit in lichten Wäldern oder Parks beobachten. In seiner Flugzeit im Juni macht der Hirschkäfer vor allem mit lautem Brummen auf sich aufmerksam. Ein kleiner Tipp: Hirschkäfer brauchen Baumsäfte für ihr Zellwachstum. Man kann die Käfer deshalb an „Leckstellen“, das sind Wundstellen an Bäumen oder Baumstümpfen, antreffen. Insbesondere die Weibchen beißen diese immer wieder mit ihrem verkürzten, aber dennoch starken Oberkiefer auf. Die austretenden Baumsäfte halten das Weibchen oft tagelang im Bann, bis das paarungswillige Männchen es findet.

Geweih als Multi-Werkzeug

Das imposante „Geweih“ gibt dem männlichen Käfer ein respekteinflößendes Aussehen. Die bis zu drei Zentimeter große Oberkiefervergrößerung nutzt er jedoch nicht als Beißwerkzeug, sondern für Rivalenkämpfe und zum Festhalten des Weibchens während der Paarung. Beim „Geweihringen“ kämpfen die Machos darum, den anderen vom Ast zu stoßen, um dann als erster die Damenwelt an den Leckstellen aufzusuchen. Ab dann gibt es kein Entkommen: Das Männchen schiebt sich auf das Weibchen und hindert es mit seiner „Geweihzange“ am Weglaufen. Teilweise verharrt das Paar tagelang an derselben Stelle. Nach der Paarung gräbt sich das Weibchen dann bis zu 50 Zentimeter tief in den Boden ein, um dort bis zu 100 Eier zu legen. Wenn die Larven nach zirka zwei Wochen schlüpfen, ist die Elterngeneration bereits tot.

Unterirdisches Leben

Die Larven des Hirschkäfers entwickeln sich über viele Jahre tief im Boden und ernähren sich ausnahmslos von altem Wurzelsubstrat, das sie immer wieder ausscheiden und wiederholt verzehren. Im Zusammenspiel mit Mikroorganismen verarbeiten sie auf diese Weise Holzreste zu Humus. Die Hirschkäferlarven gelten als nützlich, weil sie die Humusbildung beschleunigen – im Gegensatz zum Maikäfer, dessen Larven gesunde Wurzeln fressen.

Die Dauer des Larvenstadiums variiert, beträgt aber mindestens drei Jahre. In dieser Zeit wächst und häutet sich die Larve mindestens zweimal und kann bis zu 16 Gramm schwer werden. Ab dem dritten Entwicklungsjahr darf sie sich jedes Jahr im Mai oder Juni entscheiden, ob sie für die Verwandlung zum Käfer bereit ist. Je nach Einflussfaktoren wie Nahrungsangebot, Stress oder der Dynamik innerhalb der Nachkommenschaft können bis zu sechs Jahre vergehen. Die unterschiedlichen Entwicklungszeiten sind Grund für die sehr verschiedenen Körpergrößen der ausgewachsenen Käfer. Leitet die Larve im Frühsommer die Verwandlung ein, verlässt sie das Wurzelsubstrat und gräbt sich eine kleine Erdhöhle, in der sie sich verpuppt. Die Metamorphose ist dann im Frühherbst abgeschlossen; trotzdem bleibt die Puppe den Winter über in ihrer Hülle und verlässt diese erst im April oder Mai. Sie gräbt sich durch die Erdschicht und wartet unter der Erdoberfläche auf einen geeigneten Schlupftermin. Erst dann beginnt das kurze Leben in Käfergestalt.

Sensibler Waldbewohner


Die Larven wie auch die ausgewachsenen Käfer sind von Bäumen und ihren Säften abhängig. Daher sind die intensive Forstwirtschaft und der damit einhergehende Lebensraumverlust die größte Gefährdung für die Art. Die Entnahme von Totholz und das Beseitigen von Baumstümpfen können die Larven in ihrer langen Entwicklungszeit gravierend stören. Die Deutsche Umwelthilfe unterstützt die nachhaltige Forstwirtschaft und engagiert sich für strukturreiche Wälder, den Schutz von Alt- und Totholz, die Ausweitung von Schutzgebieten sowie für ein Anwendungsverbot von Pestiziden in diesen. Ob Naturschutzmaßnahmen Früchte tragen, lässt der Hirschkäfer durch die lange Entwicklungszeit jedoch erst nach mehreren Jahren erkennen.

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