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Trassenpflege im Wald

Verlaufen Hochspannungsfreileitungen durch Waldgebiete, müssen sie von hineinwachsenden Gehölzen freigehalten werden. Die Gehölze müssen beseitigt oder niedrig gehalten werden und hohe Bäume können nur in ausreichendem Abstand zur Leitung stehen bleiben. In der Pflegepraxis kommen verschiedene Vorgehensweisen zur Anwendung – diese reichen von konventioneller Trassenpflege bis hin zu ökologischem Pflegemanagement.

Konventionelle Trassenpflege

Bei der konventionellen Pflege werden auf größeren Trassenabschnitten die aufwachsenden Gehölze vollständig zurückgeschnitten, gehäckselt und als Mulch zurückgelassen. Dies geschieht etwa alle 10 bis 15 Jahre, wenn die Gehölze im Sicherheitsbereich eine kritische Höhe erreicht haben. Nach dem Pflegeeinsatz bleibt eine völlig freigeräumte Fläche zurück. Tiere und Pflanzen verlieren von heute auf morgen ihren Lebensraum. Für manche Waldarten sind die kahlen Schneisen ein unüberwindbares Hindernis. Diese Art der Trassenpflege ist mit weithin sichtbaren Eingriffen in die Natur verbunden.

Ökologisches Trassenmanagement: Eine Chance für die Artenvielfalt

Statt alle Gehölze auf einmal zu beseitigen, werden nur einzelne Bäume oder kleinere Baum- und Strauchgruppen entfernt. Häufigere, dafür wohl dosierte Pflegemaßnahmen verringern den Eingriff. So entstehen unterschiedlich hohe und niedrige Gebüsche, die sich mit offenen Flächen wie Brachen, Wiesen, Heiden oder Magerrasen abwechseln. Der Mix unterschiedlicher Biotope begünstigt die Artenvielfalt und die Nahrungsgrundlage für Vögel oder Fledermäuse, die in den angrenzenden Wäldern leben.

Mit dem ökologischen Trassenmanagement können auf den Stromtrassen vielfältige Totholz-Habitate geschaffen werden. Das bei der Pflege regelmäßig anfallende Holz kann zu Holzstapeln aufgeschichtet werden. Und mit genügend Abstand zum Leiterseil kann auch stehendes Totholz belassen werden. 

Leben im toten Holz – Spezialisten für besondere Wohnlagen

Über 8.000 Pflanzen, Tiere und Pilze sind auf Totholz angewiesen; viele von ihnen sind gefährdet. Doch was genau ist Totholz?

© Doreen Volsdorf/DUH

Als Totholz bezeichnet man abgestorbene Bäume oder Teile davon. Je nachdem, ob die abgestorbenen Bäume noch stehen oder bereits umgestürzt sind, spricht man von stehendem oder liegendem Totholz. Es dient als Nahrung, Unterschlupf, Brutplatz oder zum Überwintern. In durchfeuchteten Stammteilen finden Salamander, Kröten, Käfer und Schnecken Unterschlupf. Im und am liegenden Totholz sind viele Insekten, Spinnen, Moose und Flechten beheimatet. Auch bei Bestäubern wie Wildbienen ist Totholz sehr begehrt. In Höhlen und Rindentaschen leben beispielsweise Baummarder, Siebenschläfer, Spechte, Eulen und Fledermäuse. 

Zum Trassenrand hin gehen die Gebüsche in einen allmählich ansteigenden Waldrand über. Strukturreiche Waldränder mit einem Wechsel aus besonnten und beschatteten Bereichen sind für den Naturschutz meist sehr wertvoll. Sie bieten Nahrungs-, Brut- und Versteckmöglichkeiten und werden von Arten des Waldes und des Offenlandes genutzt. Strukturreiche Flächen werden in unserer heutigen Kulturlandschaft umso wichtiger, je mehr die umliegende Landschaft „verödet“. Doch auch beim ökologischen Trassenmanagement gilt: Der sichere Stromtransport hat stets Vorrang. 

Copyright Navigationsbild: Thorsten Schier - Fotolia
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