Unsere Nominierten 2026/2027
Auf dieser Seite stellen wir Ihnen unsere Nominierten für den Bürgerschafts- und Engagementpreis 2026/27 vor und laden Sie ein, in der Kategorie "Umweltheld*in des Jahres" mit abzustimmen: Wer ist Ihr*e Favorit*in und sollte für das herausragende zivilgesellschaftliche Engagement das Preisgeld von 50.000 Euro erhalten?
Aus über 500 spannenden und mutmachenden Einreichungen hat unsere Vor-Jury Menschen ausfindig gemacht, die besonders DRUCK MACHEN! Menschen, die sich in herausragender Weise für die Natur, das Klima und eine lebendige Zivilgesellschaft einsetzen. Und die durch ihr Vorbild auch anderen Mut machen und ganz konkret aufzeigen, wie David gegen Goliath doch gewinnen kann. Wir wünschen viel Spaß auf dieser spannenden Reise durch die vielen Facetten des Engagements in Deutschland.
In der Kategorie „Umweltheld*in des Jahres“ entscheidet das Publikum mit. Die Auszeichnung in den beiden weiteren Kategorien erfolgt ausschließlich per Juryentscheid.
- Umweltheld*innen per Publikumsvoting
- Umweltjurist*innen per Juryentscheid
- Umweltschützer*innen im Staatsdienst per Juryentscheid
Weitere Infos zum diesjährigen Engagementpreis? Hier entlang!
Kategorie: Umweltheld*in des Jahres
Dr. Heike Fischer
„Der Preis würde mich persönlich freuen, aber wichtig ist vor allem, dass wir durch ihn unsere weitere Arbeit sichern und vorantreiben könnten.”
Mit ihrem Einsatz als stellvertretene Vorsitzende der Baum-Allianz Augsburg setzt sich Dr. Heike Fischer für den Erhalt von Bäumen, Grünflächen und lebenswerten Stadträumen in Augsburg ein. Vor Ort erlebt sie unmittelbar, wie Entscheidungen der Stadt den Natur- und Klimaschutz sowie die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger beeinflussen und legt mit ihrem Engagement den Finger buchstäblich in die Umweltwunde.
Ihr Engagement reicht dabei weit über das bloße Beobachten hinaus: Sie recherchiert, hakt bei Behörden nach, prüft die Einhaltung von Bebauungsplänen und gesetzlichen Vorgaben und unterstützt Bürgerinnen und Bürger, wenn Bäume oder Grünflächen gefährdet sind. Wo nötig, begleitet sie auch rechtliche Schritte. Ihr Ziel ist es, Fehlentwicklungen aufzudecken und nachhaltige Lösungen für eine klimaangepasste und grüne Stadt anzustoßen. Der interaktive Baumstumpfmelder ermöglicht Bürgerinnen und Bürgern die aktive Teilhabe, indem sie ganz einfach Geodaten von nicht nachgepflanzten Bäumen dokumentieren können. Weitere digitale Partizipations-Plattformen sind bereits in Planung.
Besonders sichtbar wurde ihr Einsatz durch die von ihr konzipierte Freiflächengestaltungssatzung für die Stadt Augsburg und den interaktiven Baumstumpfmelder. Letzterer macht nicht nachgepflanzte Bäume sichtbar und ermöglicht es Bürgerinnen und Bürgern, sich direkt an der Dokumentation zu beteiligen. Dass sich immer mehr Menschen mit ihren Baum-Anliegen an Heike wenden – inzwischen mindestens einmal pro Woche – zeigt, wie sehr ihr Engagement wahrgenommen wird. Mit ihrem unermüdlichen Einsatz möchte Heike konkrete Veränderungen bewirken.
Das Preisgeld würde Heike gezielt für ihr weiteres Engagement einsetzen: Ein Teil würde in das Projekt „Augsburger Baum-Senioren“, ein digitales, öffentlich zugängliches Baum-Archiv fließen. Den Rest des Geldes würde der Verein für Rechtsberatungen und künftige Rechtsstreitigkeiten zurücklegen, um sich auch weiterhin wirksam für den Schutz von Bäumen und Grünflächen in Augsburg einsetzen zu können.
Andy Gheorghiu
„Mit jedem Molekül Fracking-Gas importieren wir menschliches Leid und totales Klimachaos und begeben wir uns in fatale geopolitische Abhängigkeiten, die eine unmittelbare Bedrohung für unsere Demokratien sind. Wenn wir den abgefrackten LNG-Wahn, die fossilen Lobbyisten, Autokraten und Faschisten nicht stoppen, wird es für uns, unserer Kinder und deren Kinder keine liebens- und lebenswürdige Welt mehr geben. Es ist unsere Pflicht Widerstand zu leisten.“
Seit mehr als 14 Jahren stellt sich Andy Gheorghiu der fossilen Gasindustrie entgegen – lange bevor Gas und LNG zu zentralen Themen der Klimabewegung wurden. Er arbeitete unmittelbar an Fracking-Verboten in Deutschland mit, half beim Aufbau des deutschen Klimabündnisses gegen LNG und koordiniert heute ein transatlantisches Bündnis entlang konkreter Lieferketten. Was in Nordhessen aus der Sorge um Natur und die Zukunft seiner kleinen Tochter begann, ist zu einem beharrlichen, internationalen Einsatz für Klima, Menschenrechte und Verantwortung geworden.
Andy Gheorghiu Engagement verbindet lokale Kämpfe mit europäischer und internationaler Politik. Er initiierte Prozesse, die zur europäischen Methanverordnung beitrugen, setzte sich dafür ein, dass auch Energieimporte erfasst werden, und erreichte mit, dass LNG in Deutschland als Handelsgut mit möglichen Menschenrechtsrisiken betrachtet wird. Besonders wichtig ist ihm, Betroffene selbst hörbar zu machen: Er organisiert europaweite Vortragsreisen mit Menschen aus US-LNG-Exportregionen und konfrontiert Politik, Banken und Unternehmen mit den Folgen ihrer Entscheidungen. Zugleich vernetzt er Aktivist*innen und Expert*innen über Ländergrenzen hinweg und stärkt so eine vielfältige Anti-Gas-Bewegung.
Jens Hausner
„Ich habe selbst erfahren, was die rücksichtslose Ausbeutung des fossilen Kapitalismus bedeuten kann. Und ich durfte erleben, welche Stärke vereintes zivilgesellschaftliches Engagement haben kann. Aus diesen beiden Erfahrungen erwächst der Wunsch und der Mut, sich gemeinschaftlich für gerechte und regenerative Alternativen einzusetzen. Pödelwitz bleibt - ein Ort der Hoffnung!“
Zwölf Jahre lang kämpfte Jens Hausner als Landwirt dafür, dass sein Heimatdorf Pödelwitz nicht dem Braunkohletagebau weichen muss. Aus einem scheinbar aussichtslosen „David gegen Goliath“-Kampf wurde eine bundesweit bekannte Bewegung: Er arbeitete sich in Recht und Politik ein, wurde Sachverständiger in der Kohlekommission und brachte gemeinsam mit starken Bündnispartnern bis zu 1.500 Menschen nach Pödelwitz. 2021 kam der Durchbruch: Das Dorf bleibt und rund 70 Hektar Braunkohle bleiben im Boden. Aus Widerstand wurde Hoffnung und aus einem bedrohten Dorf ein Symbol dafür, dass sich langer Atem lohnt.
Nach diesem Erfolg hörte Jens Hausners Engagement nicht auf: Mit „Pödelwitz hat Zukunft e.V.“ arbeitet er heute daran, das zu 80 Prozent leergezogene Dorf als Modell für sozial und ökologisch gerechtes Leben wiederzubeleben. Gemeinschaftshaus, Reparatur-Café, Kräutergarten, Komposttoilette und Solidarische Landwirtschaft zeigen schon heute, wie Wandel praktisch aussehen kann. Als Ortschafts- und Stadtrat setzt er sich zudem für Klimaanpassung, Bürgerbeteiligung und einen gerechten Strukturwandel ein. Besonders ist seine Fähigkeit, Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen zusammenzubringen. Das Preisgeld möchte er in den „Vielseithof“ investieren, einen inklusiven Wohn- und Arbeitsort mit gemeinschaftlicher Infrastruktur und klimaschonendem Bauen.
Dr. Tim Laußmann
„Schmetterlinge stehen sinnbildlich für die Schönheit der Natur. Gleichzeitig sind sie empfindlich und zerbrechlich. Wenn es diesen sensiblen Geschöpfen schlecht geht, haben wir versagt. Darum setze ich mich für den Schutz des Mosel-Apollofalters vor langlebigen Pestiziden ein, die im Weinbau per Hubschrauber verteilt werden. Wenn ich den Preis gewinne, möchte ich ihn für die Pflege von Flächen an der Mosel zur Verfügung stellen, um sie als Lebensraum zu erhalten.“
Seit Jahrzehnten widmet Tim Laußmann sein Wissen und seine Freizeit dem Schutz von Schmetterlingen und ihren Lebensräumen. Als Vorsitzender von Melanargia e.V. dokumentiert er Arten, macht Forschung öffentlich zugänglich und begeistert mit dem YouTube-Kanal „MothHunters“ neue Menschen für die oft übersehene Welt der Nachtfalter. Besonders entschlossen kämpft er für den bedrohten Mosel-Apollofalter: Mit wissenschaftlicher Expertise, Beharrlichkeit und trotz massiver Anfeindungen setzt er sich gegen Pestizidspritzungen aus der Luft ein. Sein Engagement zeigt, was möglich ist, wenn Fachwissen und Zivilcourage zusammenkommen.
Tim Laußmann verbindet außergewöhnlich viel Fachwissen: Schmetterlingskunde, Chemie und Erfahrung mit behördlichen Abläufen. Als er erkannte, dass selbst eine streng geschützte Art bei Pestizidentscheidungen kaum berücksichtigt wurde, ließ er nicht locker. Seine Initiative führte zu einer Stellungnahme des Umweltbundesamtes; inzwischen geht er auch juristisch gegen Hubschrauberspritzungen an der Mosel vor. Trotz öffentlicher Diffamierungen, Drohungen und großen politischen Widerstands setzte er seine Arbeit fort. Erste Erfolge werden sichtbar: Teilflächen werden inzwischen präziser per Drohne behandelt. Ein Preisgeld würde er für den Ankauf und die Sicherung von Lebensräumen des Apollofalters an der Mosel einsetzen.
Gudrun Lemle
„Es ist nicht unsere Schuld, dass unsere Heimat mit PFAS verunreinigt ist. Aber es wäre unsere Schuld, wenn wir nichts dagegen täten. Das treibt mich an, denn das Jahrhundertgift darf kein Jahrhundertproblem bleiben! Der Preis böte mir die Chance für ein Aufklärungs- und Vernetzungsprojekt, um eine entschlossene Allianz gegen PFAS mit echter Schlagkraft aufzubauen."
Seit mehr als acht Jahren kämpft Gudrun Lemle dafür, dass die PFAS-Belastung ihrer Heimat nicht einfach hingenommen wird. Aus persönlicher Betroffenheit wurde ein außergewöhnlich beharrliches Engagement: Sie gründete die „IG NO PFAS Manching“, eignete sich umfassendes Wissen über Analytik, Umweltrecht und Sanierungsverfahren an und machte über Jahre hinweg Druck, damit konkrete Lösungen nicht nur diskutiert, sondern umgesetzt werden. Sie trug wesentlich dazu bei, dass am Flugplatz Manching eine Abstromsicherung umgesetzt wird. Seit 2025 wird dort belastetes Grundwasser gefördert, von PFAS gereinigt und zurückgeführt. Ihr Engagement zeigt, dass Beharrlichkeit, Fachwissen und zivilgesellschaftlicher Druck Veränderung anstoßen können.
Gudrun Lemle behält ihr Wissen nicht für sich: Sie unterstützt Betroffene in anderen PFAS-Regionen, hilft beim Aufbau neuer Initiativen und ist längst zu einer wichtigen Anlaufstelle für Menschen geworden, die sich gegen die „Ewigkeitschemikalien“ wehren. Mit „PFAS News Manching“, Informationsaktionen, Petitionen und einem von ihr selbst geschriebenen Protestsong macht sie das unsichtbare Umweltgift verständlich und öffentlich. 2026 vertrat sie die Perspektive deutscher PFAS-Betroffener beim „Stop PFAS Forum“ in Brüssel. Auch eine Delegation aus Japan kam nach Westenhausen, um sich über ihre Erfahrungen vor Ort zu informieren. Mit dem Preisgeld möchte sie verständliche Informationen, den Austausch mit Fachleuten und ein starkes Netzwerk von Initiativen aufbauen – damit aus vielen einzelnen Stimmen eine starke Allianz gegen PFAS entsteht.
Siv-Ann Lippert
„Mich motiviert, dass wir noch in einer Welt mit unglaublicher Vielfalt leben. Für eine lebenswerte Zukunft ist es wichtig Demokratiebewusstsein stärker mit Nachhaltigkeit zu verbinden. In dieser Kombination bin ich überzeugt davon, dass es uns gelingen wird, die Welt im Kleinen groß zu verändern und zu einem ökologisch und sozial nachhaltigerem Lebensort für alle zu machen.“
Siv-Ann Lippert macht Nachhaltigkeit und Selbstwirksamkeit im ländlichen Raum von Sachsen und in Dresden für Menschen jeden Alters konkret erfahrbar. In Schulen, Volkshochschulen, Workshops, Exkursionen und Veranstaltungen erreicht sie Kinder, Jugendliche und Erwachsene und zeigt ihnen, dass Veränderung möglich ist und wie sie selbst Teil davon sein können. Mit dem 'Dear Future'- Nachhaltigkeitsfestival schafft sie einen Ort, der seit zehn Jahren Menschen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammenbringt. Rund 10.000 Menschen kamen so bereits aktiv mit Nachhaltigkeitsthemen in Berührung.
Besonders wichtig ist Siv-Ann Lippert, jungen Menschen Selbstwirksamkeit zu vermitteln. Viele Gespräche mit Jugendlichen über Studium, Beruf und Lebensweg haben dazu beigetragen, dass sie ihre Zukunft bewusster und nachhaltiger gestalten. Gleichzeitig schafft sie mit dem Dear Future Festival immer wieder neue Räume für Austausch, Vernetzung und positive Zukunftsbilder – gerade dann, wenn gesellschaftliche Entwicklungen Mut kosten und politischer Gegenwind weht. Trotz schwieriger finanzieller Bedingungen hält sie an dieser Arbeit fest. Mit dem Preisgeld möchte sie Bildungsangebote an Schulen ausbauen, Demokratiebildung stärker integrieren und zusätzliche Strukturen schaffen, um ihre Nachhaltigkeitsarbeit langfristig unabhängiger zu machen.
Gesa Maschkowski
„Der gute Wille und die Kreativität der Menschen ist unser größter Schatz. Das konnte ich mit Bonn4Future-Wir fürs Klima zeigen. Bürger:innen von 14 bis über 80 entwickeln sehr gute Ideen für eine klimaneutrale Stadt, wenn sie die Chance dazu bekommen. Das hat Bonn verändert. Genau das möchte ich vervielfältigen. Der Weg in eine lebenswerte Zukunft braucht Alle und gelingt nur Miteinander.“
Seit 15 Jahren macht Gesa Maschkowski Bonn zum Transformationslabor. Sie ist Mitgründerin von „Bonn im Wandel“ und der SoLaWi Bonn, hat das Netzwerk Essbare Stadt gestartet, Bonner Blühbotschafter*innen ausgebildet und koordiniert die Stadtwandel-Plattform bonn4future.de mit hunderten von Artikeln, Filmen, Terminen und Initiativen.
Mit „Bonn4Future – Wir fürs Klima“ brachte sie das größte Beteiligungsverfahren der Stadt auf den Weg. Dabei verbindet sie wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischem Handeln. Sie ist überzeugt, dass der Wandel am besten gelingt, wenn Menschen die Chance bekommen, ihn gemeinsam zu gestalten. So hat sie tausende Menschen aktiviert und konkrete politische Veränderungen angestoßen.
Gesa Maschkowski ist Wissenschaftlerin und Praktikerin zugleich: Schon im Studium baute sie die Arbeitsgruppe Ernährungsökologie mit auf, später forschte sie zu Verhaltensänderung und Transformation. Dieses Wissen überträgt sie konsequent in die Praxis. Bei Bonn4Future arbeiteten über 200 geloste Bürger*innen sowie gut 100 Personen aus Verwaltung und Interessensgruppen an Lösungen für ein klimaneutrales Bonn. Daraus gingen vier Klimaviertel, ein Klimadaten-Dashboard und andere kommunale Maßnahmen hervor. Besonders ist ihr Ansatz, Menschen nicht mit Krisenbotschaften zu überfordern, sondern sie einzuladen, Teil der Lösung zu werden. So entstehen Gemeinschaft, Mut und Selbstwirksamkeit. Mit dem Preisgeld möchte sie Transformationslots*innen für Bonner Nachbarschaften ausbilden.
Dietmar Mieth
„Oft tut auch der Unrecht, der nichts tut; wer das Unrecht nicht verbietet, wenn er kann, befiehlt es“ Marc Aurel
Dietmar Mieth schaut seit Jahrzehnten dorthin, wo andere lieber wegsehen. Wenn Böden, Wasser oder Natur gefährdet sind, recherchiert er Akten, organisiert Probenahmen, sichert Beweise und macht Missstände öffentlich, auch wenn ihm dabei persönlicher Gegenwind entgegenschlägt. Beim Fall Biotec half sein beharrlicher Einsatz dabei, einen der größten Giftmüllskandale Deutschlands aufzudecken. Die Abfallanlage, die giftige Abfälle in ungefährliches Deponiematerial umwandeln sollte, was jedoch nicht funktionierte, wurde schließlich geschlossen. Mieth zeigt, wie viel Zivilcourage bewirken kann, wenn jemand nicht akzeptiert, dass Umweltzerstörung einfach hingenommen wird.
Sein Engagement ist oft mühsam, konfliktgeladen und mit persönlichem Risiko verbunden. Dietmar Mieth recherchiert belastete Deponien, problematische Abfallanlagen und naturzerstörende Großprojekte, unterstützt Bürgerinitiativen und drängt Behörden mit Daten, Gutachten und juristischen Mitteln zum Handeln. Rückschläge und Anfeindungen haben ihn nicht zum Aufgeben gebracht – im Gegenteil: Sie haben seinen Anspruch verstärkt, Umweltverstöße nachvollziehbar zu dokumentieren und Verantwortliche in die Pflicht zu nehmen. Mit dem Preisgeld möchte er weitere Probenahmen, juristische Unterstützung und Recherchen finanzieren sowie eine Baumpflanzaktion auf mindestens 3.000 Quadratmetern ermöglichen.
Gülcan Nitsch
„Bei dem, was ich tue, geht es nicht um mich, sondern um die zukünftigen Generationen und unsere vielfältige Gesellschaft. Ich zeige den Menschen, wie sie mit vielen kleinen Schritten die Welt ein bisschen besser machen können. Die Angebote von Yesil Çember sind nah am Alltag, kultursensibel, leicht zugänglich und aktivieren direkt. Denn wenn Umweltschutz für die Menschen erst einmal eine Herzensangelegenheit wird, haben wir unser Zeil erreicht."
Gülcan Nitsch hat Umweltschutz dorthin gebracht, wo die klassische Umweltbewegung viele Menschen lange kaum erreichte. Mit „Yesil Çember“ („Grüner Kreis“) gründete sie 2006 die erste türkischsprachige Umweltgruppe Deutschlands und entwickelte daraus ein bundesweites Netzwerk, das Menschen mehrsprachig und niedrigschwellig für nachhaltiges Handeln begeistert. In Vereinen, Schulen, auf Märkten und bei interkulturellen Umwelttagen verbindet sie Umwelt- und Naturschutz mit Teilhabe und Integration. Ihr Engagement zeigt: Ökologischer Wandel gelingt nur, wenn wirklich alle Teile der Gesellschaft daran mitwirken können.
Als Biologin erkannte Gülcan Nitsch früh, dass Umweltwissen allein nicht genügt: Menschen müssen in ihrer Sprache, ihrem Alltag und ihren eigenen Netzwerken erreicht werden. Deshalb entwickelte sie kultursensible Schulungen und Bildungsangebote, bildete Multiplikator*innen aus und machte nachhaltige Lebensweisen in migrantischen Communities sichtbar. Aus einer Berliner Initiative entstand so ein Netzwerk mit Aktivitäten in zahlreichen deutschen Städten; inzwischen richtet sich die Arbeit auch an weitere migrantische Gruppen wie z. B. arabische oder ukrainische Communities. Gleichzeitig öffnet Nitsch etablierte Umweltorganisationen für neue Zielgruppen und Perspektiven. Gerade diese Brückenarbeit macht ihr Engagement besonders: Sie verbindet ökologische Veränderung mit gesellschaftlicher Teilhabe.
Tamara & Toni W.
Toni: „Überall sind Krisen, die Insekten sterben und soziale Ungleichheit wächst. Das hat mich beschäftigt und ich wollte so gerne etwas tun, was Menschen nützt. Dann sah ich im Fernsehen den Wettbewerb ‚Tegelwippen‘ und wusste sofort: das ist einfach, da können alle mitmachen, das will ich auch!"
Tamara: „Mich hat mein Sohn Toni motiviert. Jugend pflastert ab ist ein Gemeinschaftsprojekt von Erwachsenen und Jugendlichen. Es ist ihre eigene Zukunft, die wir mit ihnen gemeinsam gestalten."
Mit gerade einmal elf Jahren hatte Toni eine große Idee: Er wollte einen Wettbewerb nach Deutschland holen, bei dem Kinder und Jugendliche gemeinsam Flächen entsiegeln und der Natur zurückgeben. Zwei Jahre lang stieß er mit seiner Mutter auf Skepsis – doch Toni ließ sich nicht entmutigen. 2025 starteten sie „Jugend pflastert ab“ schließlich selbst als bundesweiten Wettbewerb. Heute treten Schulen, Kitas und Vereine im Wettbewerb gegeneinander an, starke Partner unterstützen die Initiative und Luisa Neubauer ist Schirmherrin. Toni zeigt, wie viel Veränderung entstehen kann, wenn junge Menschen nicht nur über ihre Zukunft sprechen, sondern sie aktiv selbst gestalten.
Tonis ursprünglicher Traum war so einfach wie groß: „Ein Entsiegelungswettbewerb „Deutschland gegen Niederlande“. Inzwischen ist daraus ein bundesweites Netzwerk geworden. Gemeinsam mit seinem Freund Jakob, hält Toni jetzt Vorträge, unter anderem bei Greenpeace Jugend. Weitere Termine führten die beiden zum FC St. Pauli. Mit dessen Rabauken wurde bereits vor dem Stadion entsiegelt: ein besonderer Moment für den fußballbegeisterten Toni. Die Initiative kooperiert zudem mit Hochschulen, Umweltgruppen und Entsiegelungsprojekten in mehreren Ländern. Besonders wichtig ist Toni, dass Kinder nicht nur Zielgruppe sind, sondern selbst mitentscheiden und handeln. Das Preisgeld soll helfen, Homepage, Social Media, Filme und Beratung zu professionalisieren und so noch mehr Menschen für das Abpflastern zu begeistern.
Kategorie Umweltjurist*in des Jahres
Philipp Heinz
„Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, der Umwelt und des Klimas ist kein verzichtbarer Luxus, sondern notwendiger denn je. Selbst die besten Umweltgesetze bringen nichts, wenn sie nicht durchsetzt werden. Ich bin froh, hierzu etwas beitragen zu dürfen. Es geht auch darum, das Vertrauen in den demokratischen Rechtsstaat zu stärken und einem gesellschaftlichen Verzagen entgegenzuwirken."
Seit über 20 Jahren setzt sich Philipp Heinz mit großer Beharrlichkeit dafür ein, Natur, Klima und die Rechte der Zivilgesellschaft zu schützen. Er vertritt Umweltverbände, Bürgerinitiativen und Kommunen gegenüber Behörden und Vorhabenträgern – vom Schutz einzelner wertvoller Bäume bis zu Verfahren gegen Müllverbrennungsanlagen, Massentierhaltungsanlagen, Straßen oder Energietrassen. Besonders prägend ist sein langjähriger Einsatz gegen neue Kohlekraftwerke. Im Fall Datteln 4 führte eine von ihm geführte Klage 2009 zur Aufhebung des Bebauungsplans und zu einem jahrelangen Baustopp. Gemeinsam mit einem breiten Netzwerk aus Verbänden, Initiativen und Fachleuten war er zudem an der Verhinderung zahlreicher weiterer Kohlekraftwerke beteiligt.
Neben dem Wunsch nach Erfolgen im Sinne des Umwelt-, Natur- und Klimaschutzes ist es Philipp Heinz ein besonderes Anliegen, dass die von ihm unterstützten engagierten Menschen Vertrauen in den Rechtsstaat (zurück)erlangen und motiviert bleiben, sich einzusetzen. Seine Arbeit versteht er dabei ausdrücklich als Teamarbeit. Juristische Präzision verbindet er mit einem tiefen Verständnis technischer und naturwissenschaftlicher Zusammenhänge – und mit dem Anspruch, Betroffene und Ehrenamtliche auf Augenhöhe einzubeziehen.
Sein Engagement begann bereits als Schüler: Mit Umwelt-AGs organisierte er erfolgreiche Aktionen für Mehrweg und gegen Getränkedosen. Was ihn bis heute antreibt, ist die Überzeugung, dass konsequenter Einsatz etwas verändern kann – vor Ort ebenso wie weit darüber hinaus.
Dr. Franziska Heß
„Recht ist das schärfste Werkzeug, das Natur und kommende Generationen haben – aber nur, wenn es jemand für sie in die Hand nimmt. Umweltrecht ist gelebter Rechtsstaat: Es gibt denen eine Stimme, die keine Lobby haben. Mich motiviert jeder Fall, in dem juristische Arbeit scheinbar Unabänderliches doch noch ändert – gerade jetzt, wo ökologische Krisen drängen und das Recht selbst unter Druck gerät.“
Für Dr. Franziska Heß war schon im Studium klar: Nicht Geld und Reichtum treiben sie an, sondern der Wunsch, mit ihrer juristischen Arbeit etwas Gutes für Mensch und Gesellschaft zu bewirken. Seit 19 Jahren kämpft sie als Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Umwelt- und Planungsrecht für Natur-, Arten- und Klimaschutz sowie die Gesundheit der Menschen.
Mit ihrer erfolgreichen Klimaverfassungsbeschwerde, über die das Bundesverfassungsgericht am 24. März 2021 gemeinsam mit weiteren Beschwerden entschied, erreichte sie einen wichtigen Meilenstein für den Klimaschutz. Der Beschluss stärkte die Verpflichtung zu wirksamem Klimaschutz und machte deutlich: Auch Freiheit und Lebensgrundlagen künftiger Generationen müssen heute mitgedacht und geschützt werden.
Als stellvertretende Vorsitzende des BUND Sachsen e.V. und stellvertretende Sprecherin des Arbeitskreises Recht des BUND e.V., aber auch in ihrer anwaltlichen Arbeit kommt Dr. Franziska Heß regelmäßig in Austausch mit Menschen, die sich engagieren wollen und sich bei ihr Rat und Unterstützung holen. Diese befähigt sie durch Vorträge, Workshops und Gespräche, selbst z. B. Stellungnahmen zu Vorhaben zu verfassen oder Behörden auf Augenhöhe begegnen zu können.
Besonders wichtig ist ihr in ihrem Wirken, die Kraft und die Möglichkeiten unserer Demokratie zu zeigen und den Menschen die Botschaft zu senden, dass sie etwas verändern können, wenn sie sich mit demokratischen Mitteln und gemeinsam mit anderen Menschen für etwas engagieren.
Peter Kremer
„Die Rücksichtslosigkeit der Industriestaaten gegenüber den Ländern des sog. globalen Südens, die Kurzsichtigkeit nur an Wachstum orientierter Scheuklappenwirtschaft, die Herabstufung von „Nutztieren“ auf ihre Fleischmasse, die Ignoranz gegenüber der Leistung intakter Natur, und auf der anderen Seite die Schönheit des Richtungswechsels eines Rotmilans am Himmel – das treibt mich auch nach 30 Jahren noch an.“
Seit seiner Zulassung als Rechtsanwalt 1996 stellt Peter Kremer seine juristische Expertise nahezu vollständig in den Dienst von Natur, Umwelt und Klima. Er vertritt Umweltverbände wie DUH, NABU, BUND, Greenpeace und WWF gegen Massentierhaltungsanlagen, Kohlekraftwerke, Autobahnbauten und andere Vorhaben, die rechtswidrig in Natur und Landschaft eingreifen sollten. Dabei tritt er häufig finanzstarken Investoren und großen Kanzleien gegenüber.
Anfang der 2000er begleitete er Verfahren gegen eine Reihe geplanter Kohlekraftwerke, unter anderem in Lubmin, Brunsbüttel, Krefeld und Staudinger. Keines davon wurde gebaut.
Peter Kremer ist Initiator und Mitgründer der Lawyers for Future sowie Sprecher des Bundesfachausschusses Umweltrecht des NABU.
Besonders im Gedächtnis geblieben ist Peter Kremer sein Verfahren gegen den Bau der „Waldschlößchenbrücke“ in Dresden. Ein Gericht hatte vier Tage vor dem geplanten Baubeginn in einem Eilverfahren verfügt, dass mit dem Bau der Brücke unter anderem wegen einer Fledermausart, der Kleinen Hufeisennase, nicht begonnen werden durfte. Am Abend des Tages, an dem dieser Eilbeschluss erging, erhielt Peter Kremer in seinem Schlafzimmer Besuch von drei Fledermäusen, die drei Runden drehten und dann wieder in die Berliner Nacht flogen.
Die Brücke wurde trotzdem gebaut – entgegen von mehreren Instanzen festgestellter Rechtswidrigkeit. Doch auch trotz solcher Rückschläge macht sich Peter Kremer nach über 30 Jahren noch immer mit vollem juristischem Einsatz für Klima, Umwelt und Natur stark.
Dirk Teßmer
„Wir müssen die Welt vor uns selbst retten. Gemeinsam können wir das schaffen. While there is life, there is hope! (Steven Hawkins)"
Seit mehr als 25 Jahren setzt sich Dirk Teßmer als Rechtsanwalt für den Schutz von Natur, Umwelt und Klima ein. Seine fachlichen Schwerpunkte liegen dabei im Naturschutz-, Berg- und Immissionsschutzrecht. Besonders eng verbunden ist er mit dem Hambacher Wald. Schon in den 1990er-Jahren beschäftigte ihn der Konflikt um den Braunkohletagebau, für den der „Hambi“ gerodet werden sollte. 2018 vertrat Dirk Teßmer den BUND NRW vor Gericht, als das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen entschied, dass RWE den verbliebenen Wald vorerst nicht roden durfte. Ein entscheidender Moment für die vielen Menschen, die jahrelang für den „Hambi“ gekämpft hatten – und ein Beispiel dafür, was Umweltrecht bewirken kann.
Dirk Teßmer versteht Recht nicht als abstrakte Materie, sondern als Werkzeug für Menschen, die sich einmischen. Er unterstützt Umweltverbände, teilt sein Wissen mit Ehrenamtlichen und bringt seine Erfahrung in politische und gesetzgeberische Debatten ein. Als Vorstandsmitglied des Informationsdienstes Umweltrecht und Sprecher des Arbeitskreises Recht des BUND Hessen engagiert er sich ehrenamtlich über seine berufliche Tätigkeit als Rechtsanwalt hinaus.
Dr. Michael Zschiesche
„Im Gegensatz zur DDR kann man in der Bundesrepublik konkrete Verbesserungen im Umwelt-, Natur- und Klimaschutz bewirken. Das treibt mich an. Ich kann in dieser Gesellschaft wirksam sein. Doch es ist mühevoll. Deshalb müssen wir auch kleine Erfolge würdigen und feiern. Noch haben wir außer unserer Überzeugung kein Mittel gegen unbegrenztes Profitstreben gefunden. Daran gilt es zu arbeiten.“
Dr. Michael Zschiesche erkannte schon Mitte der 1980er, wie existenziell unsere Umwelt bedroht ist, und entschied sich früh für ein lebenslanges Engagement im Umweltschutz. Zunächst war er in der Umweltbewegung der DDR aktiv. Nach der Wiedervereinigung baute er ab 1991 am Unabhängigen Institut für Umweltfragen (UfU) den Fachbereich Umweltrecht auf. Seit 35 Jahren setzt er sich haupt- und ehrenamtlich dafür ein, das Recht als wirksames Instrument für den Umweltschutz weiterzuentwickeln und Bürger*innen sowie Umweltorganisationen in seiner Anwendung zu stärken. Zugleich versachlicht er Debatten über die Zivilgesellschaft: Behauptungen über eine angebliche „Klageindustrie“ der Umweltverbände widerlegt er mit belastbaren Zahlen.
Dr. Michael Zschiesche setzt sich unter anderem im Rahmen der Aarhus-Konvention, deren Entwicklung in Deutschland er eng begleitet hat, für einen besseren Zugang zu Umweltinformationen, Beteiligung und Rechtsschutz ein. Als Mitglied des weltweiten Netzwerks Environmental Law Alliance Worldwide (ELAW) fördert er zudem den internationalen Austausch engagierter Umweltjurist*innen.
2019 gründete er gemeinsam mit sechs weiteren Jurist*innen Green Legal Impact. Die Organisation stärkt das Umweltrecht national und international und unterstützt zivilgesellschaftliche Akteure dabei, Umweltrecht zu verstehen, anzuwenden und weiterzuentwickeln. Mit dem „Green Legal Lab“ schuf Dr. Zschiesche außerdem ein praxisnahes Format für junge Umweltjuristinnen.
Kategorie Umweltschützer*in im Staatsdienst / Harald-Kächele-Preis
Bettina Dech-Pschorn
„Umwelt- und Klimaschutz brauchen Interessenvertretungen auf allen Ebenen. Ich setze mich kommunal dafür ein, diese Belange in Stadt- und Objektplanung zu integrieren und lebenswerte, resiliente Städte zu schaffen. Mit Sorge sehe ich die Diskrepanz zwischen unseren Zielen und der „Not in my backyard“-Mentalität. Umso wichtiger ist es, Zusammenhänge verständlich zu erklären. Jeder Schritt zählt!“
Bettina Dech-Pschorn prägt als Leiterin des Referates Umweltschutz der Stadt Kaiserslautern seit vielen Jahren die kommunale Umwelt- und Klimapolitik. Ihr Ansatz: Themen wie Klimaschutz, Klimaanpassung, Wasser, Natur- und Bodenschutz nicht getrennt zu betrachten, sondern gemeinsam mit Verwaltung, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Stadtgesellschaft Lösungen zu entwickeln, die dann auch breit mitgetragen werden.
Ein Beispiel für dieses Vorgehen ist die Steuerungsgruppe Wasser, in der Bettina Dech-Pschorn maßgebend mitwirkt. Hier arbeiten Umweltverwaltung, Stadtentwässerung, Wasserversorger, Wissenschaft und Verbände gemeinsam an einem ressourcenschonenden Umgang mit Wasser.
Ein weiteres herausragendes Beispiel der Arbeit von Bettina Dech-Pschorn ist das Forschungsprojekt EnStadt:Pfaff, dessen Gesamtprojektleitung sie auf kommunaler Seite übernahm. Auf dem ehemaligen Pfaff-Industriegelände wurde erprobt, wie ein bestehendes Stadtquartier durch integrierte Planung klimaneutral entwickelt werden kann – mit neuen Ansätzen bei Energie, Gebäuden, Mobilität und öffentlichem Raum. Aus dem Projekt gingen konkrete Bausteine hervor, darunter eine Energiezentrale für das Quartier, die 2026 eingeweiht wurde.
Auch darüber hinaus verbindet sie strategische Planung mit praktischer Umsetzung. Sie verantwortete unter anderem Projekte und Konzepte wie den Masterplan 100 % Klimaschutz 2050 und das Klimaschutzkonzept der Stadt Kaiserslautern.
Sandra Franke
„Mich treibt die Begeisterung für die Natur, besonders auf unserer Insel und in der Nordsee, an. Die Nordseeinseln und das Wattenmeer zeigen, wie eng Artenvielfalt, Lebensräume und natürliche Prozesse verknüpft sind und dass dieses sensible Gleichgewicht geschützt werden muss. Ich möchte Menschen jeden Alters für den Schutz unserer Lebensgrundlagen begeistern und zum Mitwirken bewegen.“
Sandra Franke ist Umweltbeauftragte der Stadt Borkum – und über die Arbeitszeit hinaus engagiert für die Natur auf und um die Insel, für Klimaschutz und Umweltbildung.
Mit Umweltverbänden, Bürger*innen und weiteren Unterstützer*innen stellen sich die Stadt Borkum und Sandra Franke gegen Erdgasbohrungen, die die sensiblen Ökosysteme der Inselküste bedrohen. Sie bringt Expert*innen und Engagierte zusammen, erarbeitet Stellungnahmen, hält Vorträge, beteiligt sich an der Organisation von Demonstrationen & Protestaktionen, gibt Interviews und wirkt an Klagen mit. So hat sie dazu beigetragen, das Thema weit über den Nordseeraum bekannt zu machen. Die politische und juristische Auseinandersetzung dauert an – und Sandra Franke ist weiter mittendrin.
Mit großer Leidenschaft verbindet Sandra Franke auf Borkum praktischen Naturschutz, Umweltbildung, zivilgesellschaftliches Engagement und politische sowie juristische Arbeit. Ob Müllsammel- oder Pflanzaktionen, kreative Mitmachformate wie Eisblock-Challenge oder Klima Taler, ob Demonstrationen oder Klimacamp mit Fridays for Future: Ihr Ziel ist es, Einheimische und Besucher*innen der Insel gleichermaßen für Natur- und Klimaschutz zu begeistern und zu vernetzen.
Zusätzlich beteiligt und initiiert sich Sandra Franke an Umwelt- und zivilgesellschaftlichen Projekten innerhalb des Netzwerkes „Borkumer Inselfrauen“ und ist aktives Mitglied in einer Bürgerinitiative und Gründungsmitglied einer Lebensmittelrettung auf Borkum.
Matthias Klaubert
„Mich motiviert die Überzeugung, dass Bildung einer der stärksten Hebel für gesellschaftliche Veränderung ist. Ich möchte dazu beitragen, dass junge Menschen verstehen, vor welchen Herausforderungen wir stehen, und gleichzeitig erfahren: Wir können selbst etwas verändern. Genau diese Verbindung aus Wissen, Verantwortung und Selbstwirksamkeit treibt mein Engagement seit vielen Jahren an.“
Eine einzelne Person im Staatsdienst kann viel bewegen, wenn sie Gestaltungsspielräume erkennt und mit Ausdauer nutzt. Matthias Klaubert begann als Lehrer am Hildegardis-Gymnasium Kempten 2016 damit, Klimaschutz nicht nur als Unterrichtsthema, sondern als Aufgabe der gesamten Schulgemeinschaft zu denken. Aus dieser Initiative entwickelte er ein Projekt mit Strahlkraft weit über die eigene Schule hinaus: das staatliche Zertifizierungsprogramm „Klimaschule Bayern“.
Der Erfolg des Projekts, dem sich inzwischen über 300 Schulen angeschlossen haben, zeigt: Veränderung muss nicht immer von oben angeordnet werden. Sie kann dort beginnen, wo Menschen Verantwortung übernehmen, andere begeistern und aus einer guten Idee gemeinsam Größeres machen.
Der Ansatz von Matthias Klaubert verbindet Klimabildung mit ganz praktischem Handeln. Schulen ermitteln ihren CO2-Fußabdruck, entwickeln eigene Klimaschutzpläne und beziehen Schüler*innen aktiv in die Umsetzung ein. So werden junge Menschen nicht nur über die Klimakrise informiert, sondern erfahren ganz konkret, dass sie selbst Veränderungen anstoßen können.
Viele Jahre entwickelte Matthias Klaubert sein Konzept zusätzlich zu seiner Arbeit als Lehrer weiter, gewann Mitstreiter*innen aus Schulen, Kommunen, Wissenschaft und Politik und brachte seine Idee schließlich in die staatlichen Strukturen ein. Heute koordiniert er „Klimaschule Bayern“ am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung und hat damit Strukturen geschaffen, in denen andere selbst Verantwortung übernehmen und Klimaschutz weitertragen können.
Claudia Patzwahl
„Für mich ist es die größte Motivation, dass ich mit meiner Arbeit einen spürbaren Beitrag für eine saubere und lebenswerte Stadt leiste. Die Menschen in und außerhalb von Tübingen für dieses Projekt zu begeistern, liebe ich am meisten. Denn gemeinsam können wir etwas bewegen!"
Claudia Patzwahl zeigt, wie wirkungsvoll Umweltschutz aus der Verwaltung heraus sein kann. Als Projektleiterin der Tübinger Verpackungssteuer hat sie maßgeblich dazu beigetragen, das bundesweit beachtete Instrument gegen Einwegmüll erfolgreich in die Praxis zu bringen. Tübingen war die erste Stadt Deutschlands, die eine solche Steuer einführte – und schrieb auch Rechtsgeschichte: Nachdem die Franchisenehmerin einer örtlichen McDonald’s Filiale gegen die Steuer geklagt hatte, bestätigten sowohl das Bundesverwaltungsgericht als auch das Bundesverfassungsgericht ihre Rechtmäßigkeit.
Das Projekt wirkt weit über Tübingen hinaus: Kommunen wie Konstanz und Freiburg folgten dem Beispiel und wurden bei der Einführung von Claudia Patzwahl begleitet.
Besonders prägend für den Erfolg war ihr Ansatz, Verwaltung nicht als reine Kontrollinstanz, sondern als Dienstleisterin zu verstehen. Von Beginn an setzte sie auf offene, freundliche und persönliche Kommunikation mit den betroffenen Betrieben, beriet vor Ort und warb für Mehrweglösungen. So gelang es, eine völlig neue Steuer vergleichsweise geräuschlos einzuführen und gleichzeitig die Akzeptanz für Mehrweg deutlich zu erhöhen.
Seit fast 25 Jahren arbeitet sie für die Stadt Tübingen, seit mehr als 40 Jahren engagiert sie sich auch persönlich für Umwelt- und Klimaschutz. Mit viel Überzeugung, Beharrlichkeit und Kommunikationsstärke zeigt sie, dass Verwaltung nicht nur Regeln umsetzen, sondern gesellschaftlichen Wandel aktiv mitgestalten kann.
R. Sonntag
„Mich motivieren die Kinder, meine eigenen und meine Schüler – sie sind die Zukunft! Wann, wenn nicht jetzt, wo, wenn nicht hier und wer, wenn nicht wir! Wenn Schüler mit dem Bewusstsein aufwachsen, dass JEDER von uns etwas für die Umwelt und damit für den Klimaschutz tun kann, dann gibt es eine Chance für den Planeten.“
Schule kann ein Ort gelebten Umwelt- und Klimaschutzes sein – Ramona Sonntag zeigt, wie. Gemeinsam mit engagierten Kolleg*innen der Pestalozzi-Oberschule Limbach-Oberfrohna setzt sie zahlreiche Projekte um, die Schüler*innen nicht nur informieren, sondern zum eigenen Handeln befähigen: von Handyrecycling über die Aufarbeitung alter Fahrräder bis hin zur „AG Energiedetektive“.
Das Herzstück ihres Engagements ist der rund zehn Hektar große Schulwald. Mehr als 850 Bäume wurden dort bereits von Schüler*innen, Lehrkräften, Eltern und weiteren Unterstützenden gepflanzt. Doch das Projekt geht weit über Pflanzaktionen hinaus: Die Bäume werden langfristig und regelmäßig gepflegt, außerdem wurde ein grünes Klassenzimmer für Projekttage geschaffen.
Mit Ihrem Engagement vermittelt Ramona Sonntag – gemeinsam mit dem Kollegium und den Unterstützern der „Pesta“-Schule“ – jungen Menschen etwas, das weit über klassischen Unterricht hinausgeht: Verantwortung, Ausdauer und die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können. Der Schulwald ist zugleich ein Lernort für die gesamte Stadt und soll künftig auch anderen Schulen offenstehen.
Ramona Sonntags Antrieb sind die Kinder und Jugendlichen selbst: Sie möchte ihnen zeigen, dass Umwelt- und Klimaschutz nicht abstrakt bleiben müssen. Ihr Motto bringt diese Haltung auf den Punkt: „Wann, wenn nicht jetzt, wo, wenn nicht hier und wer, wenn nicht wir!“