Medikamente und ihre Nebenwirkungen in Natur und Gewässern

Altmedikamente verantwortungsbewusst entsorgen!

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Arzneimittel sind unverzichtbar für einen hohen Lebensstandard und letztlich eine hohe Lebenserwartung. Falsch entsorgt gefährden sie jedoch zunehmend die Umwelt. Das belegen schon seit den frühen 1990er Jahren zahlreiche Forschungsergebnisse. Deshalb fordert die Deutsche Umwelthilfe in diesem neuen Projekt die Einführung eines bundesweit einheitlichen Medikamenten-Sammelsystems in Apotheken. Ein solches ist dringend nötig, denn noch immer werden Altmedikamente über Waschbecken oder Toilette entsorgt – was zu einer vermeidbaren Belastung von Gewässern führt.

Arzneiwirkstoffe belasten die Gewässer

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Immer mehr Daten belegen, dass bestimmte Stoffe negative Effekte bei aquatischen Lebewesen auslösen können. Zum Beispiel der in vielen Schmerzmitteln enthaltene Wirkstoff Diclofenac kann zu Zellveränderungen in Leber, Nieren und Kiemen der Regenbogenforelle führen. Als negative Folgen der Gewässerbelastungen auf den Menschen sind bislang die zum Teil dramatischen Auswirkungen von Antibiotikaresistenzen nachgewiesen. Besonders besorgniserregend ist die Zunahme multiresistenter Bakterienstämme, gegen die viele Antibiotika nicht mehr wirksam sind.

In einer Literaturstudie im Auftrag des Umweltbundesamts wurden 2011 mehr als 150 verschiedene Arzneistoffe in der Umwelt, insbesondere auch in Gewässern, identifiziert und zwei Dutzend von ihnen als gefährlich für Umweltorganismen eingestuft.

Was also tun?

So nicht! Altmedikamente gehören nicht in die Toilette. © Holzmann / DUH
So nicht! Altmedikamente gehören nicht in die Toilette. © Holzmann / DUH

Der Umgang mit nicht mehr benötigten oder abgelaufenen Medikamenten spielt bei der Belastung von Gewässern mit Arzneimittelwirkstoffen eine große Rolle. Jeder siebte Bürger entsorgt seine ungenutzten Tabletten zumindest gelegentlich in der Toilette. Flüssiger Medikamentenreste entledigt sich fast jeder Zweite auf diesem Weg – und belastet damit unwissentlich aber auch unvermeidlich die Umwelt. Dieser Entsorgungsweg sollte in jedem Fall vermieden werden.

Bleibt die Kanalisation verschont, dann nutzen immerhin 43 Prozent der Bürger zumindest gelegentlich den Hausmüll zur Entsorgung ihrer Altmedikamente. Dieser Abfall wird, genau wie die in Apotheken gesammelten Altmedikamente, verbrannt – dennoch besteht ein Gesundheits- und Umweltrisiko. In der Restmülltonne lagernde Medikamente können beispielsweise von Kindern gefunden werden oder durch Auswaschungen in der Abfallvorbehandlung ins Abwasser gelangen. Sicherer ist in jedem Fall die getrennte Sammlung über die Apotheken. Wenn Sie alte oder unbenutzte Medikamente entsorgen wollen, fragen Sie in Ihrer Apotheke nach einer Rückgabemöglichkeit.

Genau hier setzt das Projekt der DUH an. Denn wir fordern, dass Verbraucherinnen und Verbraucher in ganz Deutschland ihre alten oder nicht verbrauchten Medikamente kostenlos in Apotheken zurückgeben können. Klare Informationen über die umweltfreundliche Rücknahme von Altmedikamenten in der Apotheke sollten sie bereits bei deren Kauf erhalten. Die Kosten für das Sammel- und Entsorgungssystem sollen die Arzneimittelhersteller tragen. Dieses sogenannte Prinzip der Produktverantwortung wird in verschiedenen Bereichen der Umweltpolitik seit vielen Jahren angewandt. So müssen zum Beispiel Hersteller elektrischer und elektronischer Geräte die Entsorgung der Altgeräte finanzieren; das Gleiche gilt für Batterien. Weitere Details zum geforderten Rücknahmesystem erfahren Sie in unserem Hintergrundpapier.

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Altmedikamente_Hintergrundpapier_12S_220413.pdf

Hintergrundpapier zum umweltschonenden Umgang mit abgelaufenen Medikamenten.

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