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Dorothee Saar
Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung
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Häufig gestellte Fragen

Zum Jahreswechsel werden durch Feuerwerkskörper innerhalb weniger Stunden knapp 5.000* Tonnen Feinstaub freigesetzt. Dies entspricht etwa 16 Prozent der jährlich im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge. Feinstaub ist ein Luftschadstoff mit massivsten Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Es gibt keine Unbedenklichkeitsgrenze, darum muss jede Maßnahme ergriffen werden, um die Belastung zu senken. Besonders betroffen sind Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen wie Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen, sowie Schwangere und Kinder.

Je nach Wetterlage ist die Feinstaubkonzentration über viele Stunden hinweg so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht. Dazu sind toxische Substanzen aus den Feuerwerkskörpern eine zusätzliche Belastung. Der erste Tag im Jahr ist somit vielerorts mit Stundenwerten von über 1000µg PM10/m3 belastet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, zum Schutz der Gesundheit einen Tagesmittelgrenzwert von 50 µg PM10/m3 an höchstens drei Tagen im Jahr zu überschreiten sowie einen Jahresgrenzwert von 20 µg/m3. In Deutschland wird der WHO-Grenzwert in zahlreichen Kommunen überschritten. Darüber hinaus betont die WHO, dass selbst unterhalb des von ihr empfohlenen Jahresmittelgrenzwertes von 20 µg PM10/m3 negative gesundheitliche Wirkungen nachgewiesen werden können. Die Air Quality Guideline der WHO, in welcher Empfehlungen zur Grenzwertbestimmung enthalten sind, wird voraussichtlich 2021 veröffentlicht und der empfohlene Grenzwert für PM10 weiter herabgesetzt.

*Diese Zahl ergibt sich aus den Angaben des Umweltbundesamts, die 2019 von 4.200 Tonnen Feinstaub (PM10) berichten. Plus eine zusätzlich geschätzte Summe, die sich durch die im Ausland gekauften Feuerwerkskörper ergibt.

Egal ob Haus-, Wild- oder Nutztier - für sie kommen das laute, krachende Knallen und die hellen Blitze völlig aus dem Nichts und bedeuten puren Stress. Hunde und Katzen, wie auch viele andere Tiere, haben ein besonders empfindliches Gehör. Für sie ist die Silvesternacht zum Teil sogar traumatisch! Haustierbesitzer bangen jedes Jahr um ihre treuen Begleiter, teilweise müssen Beruhigungsmittel eingesetzt werden. Fluchttiere wie Kühe und Pferde rennen vor lauter Panik durch Zäune – das ist eine extreme Gefahr auf den Straßen für Tier und Mensch. Auch in Ställen kommt es zu Verletzungen. Wildtiere werden durch den Lärm aus ihrer Winterruhe gerissen und flüchten. Der dadurch entstehende Energieverlust kann für sie zur Lebensbedrohung werden. Vögel sind besonders betroffen, durch den Schreck fliehen sie in die Luft und fliegen teilweise bis zu 1.000 Meter hoch – eine Höhe, die sie normalerweise nicht erreichen.

Die Notaufnahmen sind jedes Jahr zu Silvester voll. Der falsche Umgang mit Böllern und Raketen führt zu teils schweren Verletzungen, oft sind Kinder die Opfer. Aus Angst vor Böller und Raketen, verlassen unzählige Menschen das Haus nicht mehr oder flüchten aus der Stadt.

In einer Studie der Augenfachzeitschrift „Der Ophthalmologe“ werden alarmierende Zahlen einer Umfrage unter Augenfachkliniken bekannt. Danach betreffen 25 Prozent der gemeldeten Fälle Schwerverletzte, davon ist bei 40 Prozent mit dauerhaften Beeinträchtigungen des Sehvermögens zu rechnen. 38 Prozent der Verletzten sind unter 18 Jahre alt. Etwa die Hälfte der Verletzten sind Zuschauer und Passanten. 60 Prozent der verletzten Kinder sind Unbeteiligte. Über die Gesamtzahl der jährlichen Augen- und Handverletzungen ist in Deutschland auch deswegen kaum etwas bekannt, weil – im Gegensatz zu Holland oder Finnland – in Deutschland kein Melderegister für Augenverletzungen existiert. Alarmierend hoch ist auch die Zahl von jährlich 8.000 Menschen mit Verletzungen des Innenohrs durch Feuerwerkskörper, die häufig bleibende Schäden hinterlassen, nicht zuletzt, weil lärmverursachte Innenohrschwerhörigkeit bisher nicht geheilt werden kann.

Vor allem das Brandrisiko erhöht sich an Silvester schlagartig. Es kommt zu tausend Feuerwehrweinsätzen wegen Haus- und Wohnungsbränden. Der Tagesspiegel berichtet, dass es in der Neujahrsnacht 2019 allein 400 Bränden in Berlin gab. Doch nicht nur das innerstädtische Risiko ist groß. Durch die zunehmende Trockenheit steigt auch die Waldbrandgefahr.

Im Jahr 2019 hat die Deutsche Umwelthilfe an 98 Kommunen Anträge auf „Saubere Luft“ gestellt. Im ersten Schritt hat die Deutsche Umwelthilfe bei 31 Städten mit einer durchschnittlichen Feinstaubbelastung von 20 µg/m3 und mehr im Jahr 2018 ein Verbot privater Silvesterfeuerwerke in Innenstädten beantragt. Die formalen Anträge richteten sich zunächst an jene Städte, in denen bereits Rechtsverfahren zur „Sauberen Luft“ anhängig sind.

Im zweiten Schritt hat die Deutsche Umwelthilfe einen formalen Antrag auf das Verbot von privaten Silvesterfeuerwerken bei allen weiteren deutschen Kommunen gestellt, die den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwert von 20 µg/m3 für Feinstaub (PM10) im Jahr 2018 nicht eingehalten haben. Diesen Wert hat die WHO bereits 2005 als Grenzwert empfohlen, um die gesundheitsschädigende Wirkung durch Feinstaub zu verringern.

Eine deutliche Mehrheit in Deutschland hat sich für ein Verbot privater Silvesterfeuerwerke ausgesprochen. Laut einer repräsentativen Umfrage sind knapp 60 Prozent für ein Verbot privater Silvesterfeuerwerke in deutschen Innenstädten. Dies ergab eine Onlineerhebung von YouGov mit 1273 befragten Personen.

Auch immer mehr Städte folgen den Empfehlungen der DUH und veranstalten zentrale Licht- und Lasershows als umweltfreundliche Alternative zu archaischer Schwarzpulver-Böllerei. Im Juli und Oktober 2019 hatte die DUH insgesamt 98 Städte mit einer innerstädtischen Feinstaubbelastung oberhalb der Empfehlung der WHO von 20 µg/m³ Feinstaub (PM10) im Jahresmittel mit formalen Anträgen kontaktiert. Die DUH hat Rückmeldung zu 92 dieser Städte bekommen. 39 Prozent der besonders unter schlechter Luftqualität leidenden Städten haben erklärt, die umwelt- und gesundheitsbelastende Böllerei in ihrer Stadt einzuschränken bzw. zu verbieten. Dabei haben 36 von den 92 der sich rückgemeldeten Städten Verbotszonen ausgewiesen, einen entsprechenden Beschluss gefasst, sind in der Umsetzung oder begrüßen entsprechende Verbote bzw. fordern von der Bundesregierung entsprechende rechtliche Vereinfachungen für kommunale Regelungen. Davon sind in 23 Kommunen Verbote bereits umgesetzt, in 5 weiteren Kommunen wird derzeit ein Verbot geprüft und 8 weitere Städte begrüßen ein Verbot, wenn die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen auf Bundesebene geschaffen werden.

Unser Ziel ist es, Städten und Ländern, die ohnehin unter einer hohen Luftbelastung leiden, Möglichkeiten aufzeigen, wie sie den Feinstaubausstoß an Silvester verringern können. Ein neu überarbeitetes Rechtsgutachten im Auftrag der DUH belegt, dass juristische Möglichkeiten für Städte und Länder gegeben sind, um in belasteten bzw. gefährdeten Innenstadtbereichen die private Silvester-Böllerei zu verbieten. Das Gutachten mit neuen Beispielen aus Städten, die bereits Verbote eingeführt haben, können Sie hier einsehen.

Zu den bereits gegeben rechtlichen Möglichkeiten fordert die DUH eine Änderung des Bundesimmissionsschutzrechts beziehungsweise Änderungen in der 1. Sprengstoffverordnung, die es den zuständigen Behörden ermöglichen, allgemeine und großräumige Verbote für Knall- und Feuerwerkskörper (pyrotechnische Gegenstände der Kategorie F2) nach deren Ermessen zu verhängen.

Nein. Denn es gibt tolle Alternativen: Immer mehr Städte gehen zu feinstaubfreien Techniken über - wie etwa Turin, Paris, Graz oder Brüssel. Ohne Lärm und gesundheitsschädlichen Feinstaub werden Lichter an den Himmel gezaubert, die die Menschen begeistern und die richtige Stimmung für eine tier- und menschenfreundliche Silvesternacht bereiten.

Auch in deutschen Städten finden Licht- und Lasershows immer größeren Anklang, wie etwa in Landshut. 2018 wurden jegliche Feuerwerke in der Innenstadt verboten, stattdessen wurde eine Laser- und Lichtshow geboten. Dies ermöglicht auch Menschen, die aus Angst vor Raketen und Böllern die Innenstadt in den Jahren zuvor nicht mehr betreten haben, gemeinsam mit anderen das neue Jahr zu feiern und das Laser- und Lichtspektakel zu bestaunen. Auch weitere Städte, wie beispielsweise München, überlegen zukünftig eine Licht- und Lasershow anzubieten.

Eine weitere innovative Alternative zum klassischen Feuerwerk sind Drohnenshows. Dabei führen Drohnen eine Lichtchoreographie auf und zeichnen Bilder am Himmel. Vor allem in asiatischen Ländern sind die Drohnenshows auf dem Vormarsch. Doch auch in Deutschland gab es bereits erste Aufführungen. So zum Beispiel 2018 in Frankfurt am Main zur Wieder-Einweihung der Altstadt.

Mach jetzt mit für einen Jahreswechsel ohne sinnlose Böllerei!

Besonders in diesem Jahr machen wir uns große Sorgen um die Folgen der Silvesterböllerei: Jährlich werden in Deutschland zu Silvester innerhalb weniger Stunden bis zu 5000 Tonnen an Feinstaub durch Feuerwerkskörper freigesetzt. Wenn wir uns die verheerenden Covid-19 Zahlen ansehen, muss klar sein, dass wir unsere Atemwege nicht mit zusätzlichem Feinstaub belasten dürfen. Laut einer neuen Studie, u.a. aus dem Max-Planck-Institut in Mainz, ist in Deutschland bei 26 Prozent der Covid-19-Todesfälle die Luftverschmutzung ein wahrscheinlicher Co-Faktor!

Doch nicht nur die erhöhten Feinstaubwerte machen diese laute und schmutzige Tradition zu einem No-Go. Die Knallerei verletzt zahlreiche Menschen, lässt Tiere leiden und verursacht riesige Abfallmengen. Wir alle kennen die Schreckensszenarien von Raketen, die in Menschenmengen geschossen werden oder von Böllern, die in Kinderhänden explodieren.  

Für unsere Tiere ist es ebenfalls eine grausame Tradition: Sie kriegen durch den ohrenbetäubenden Lärm und die hellen Blitze Panik und müssen teilweise ruhiggestellt werden, um durch den Neujahrswechsel zu kommen. Fluchttiere wie Kühe und Pferde rennen vor lauter Panik durch Zäune – das ist eine extreme Gefahr für Tier und Mensch.

Wildtiere werden durch den Lärm aus ihrer Winterruhe gerissen. Der dadurch entstehende Energieverlust kann für sie zur Lebensbedrohung werden. Insbesondere Vögel sind davon betroffen, denn durch den Schreck fliehen sie in die Luft, verlieren die Orientierung und fliegen teilweise bis zu 1.000 Meter hoch – eine Höhe, die sie normalerweise nicht erreichen. Das darf so nicht weitergehen!

Und nicht zuletzt entsteht wahnsinnig viel Müll, der teilweise mitten in die Natur katapultiert wird. Allein in den fünf größten deutschen Städten (Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main) fallen an Neujahr jeweils rund 200 Tonnen Silvesterabfall an. Unvorstellbar!

Wir fordern die Kommunen auf, Verbotszonen einzurichten, die Händler*innen, keine Pyrotechnik mehr zu verkaufen, das Innenministerium, die Sprengstoffverordnung endlich zu ändern und Privatpersonen, mit gemeinverträglichen Alternativen den Jahreswechsel zu feiern.

Gemeinsam fordern wir: „Diesmal #böllerfrei ins neue Jahr!“

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