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Was ist ITX?

C16H14OS - kurz ITX

Isopropylthioxanthon (kurz ITX) ist eine Chemikalie, die in Druckprozessen dazu verwendet wird, Druckfarben schneller trocknen zu lassen. So wurde ITX z.B. auch beim Bedrucken von Getränkekartons durch die Firmen TetraPak und Elopak eingesetzt.

Wie kommt ITX in den Saft?

Bunte Verpackungen laden zum Kauf ein und helfen dabei, sich von Mitbewerbern zu unterscheiden. Deshalb werden die unscheinbaren Kartonagen für die Herstellung von Getränkekartons aufwändig und bunt bedruckt. Die Zugabe der Druckchemikalie ITX führt bei UV-Licht zur schnelleren Trocknung und verhindert das Verwischen der Farben.

Die bedruckten Karton-Bögen werden anschließend gerollt oder gestapelt und so an die Abfüller geliefert. Durch diese Art des Produktionsprozesses ist es unvermeidlich, dass die bedruckte Außenseite mit der Innenseite der Kartonverpackungen in Berührung kommt. Dabei passiert, was die Verfahrenstechniker „Abklatsch“ nennen: Chemikalien der Außenseite lagern sich auf der Innenseite ab und können dadurch in den später abgefüllten Saft gelangen. Genau das ist im Falle von ITX passiert. ITX hat jedoch in Lebensmitteln nichts zu suchen.

Ist ITX gefährlich?

Derzeit gibt es keine wissenschaftlich abgesicherte Grundlage, anhand derer beurteilt werden kann, ob ITX gesundheitsgefährdend ist. ITX wurde bisher nicht ausreichend auf mögliche gesundheitlichen Auswirkungen getestet - wie im Übrigen auch ein Großteil anderer in Alltagsprodukten verwendeter Chemikalien. Eine Entwarnung für mit ITX-kontaminierte Lebensmittel kann gegenwärtig nicht gegeben werden.  

Aus verschiedenen Studien der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA geht zudem hervor, dass ITX auf Wasserorganismen giftig wirkt. Bei einer weiteren amerikanischen Studie wurde festgestellt, dass bei Arbeitern, die mit ITX in Berührung gekommen waren, unter Sonnenlichteinstrahlung Ausschläge an Kopf und Hals bekamen. In Amerika wird ITX deshalb als umweltschädliche Chemikalie eingestuft. 

Wie hat man ITX überhaupt gefunden?

Im November 2005 fanden italienische Behörden Rückstände von ITX in 30 Millionen Litern Babymilch, die in TetraPak-Kartons abgefüllt war. Innerhalb kürzester Zeit wurden die ITX-haltigen Produkte von der italienischen Polizei beschlagnahmt. Der Hersteller Nestlé rief die Produkte aus allen betroffenen Märkten, auch in Frankreich und Portugal, zurück und stellte den Produktionsprozess um, so dass eine ITX-Kontaminierung künftig hoffentlich ausgeschlossen werden kann.

Auch bei Nachweisen von ITX in Kroatien inSäften, die in Österreich abgefüllt worden waren, wurde umgehend sowohl von Seiten der Behörden als auch von Herstellerseite reagiert: die belasteten Produkte verschwanden sofort aus den Regalen. Auch Italien und die Slowakei folgten dem Ansatz des vorbeugenden Verbraucherschutzes: Verbraucher- und Gesundheitsschutz wurde oberste Priorität vor den Interessen der Verpackungsindustrie eingeräumt.

Was machen TetraPak und EloPak?

Nach den ITX-Funden in den eben genannten Ländern hatten TetraPak und EloPak angekündigt, bis Ende Januar 2006 ihre Produktionsprozesse auf ITX-freie Kartons umzuzustellen. Auf diese Ankündigung berufen sich die Verpackungshersteller nun auch in Deutschland, so dass künftig ITX-Belastungen ausgeschlossen sein sollen.

Unbeachtet bleibt dabei jedoch, dass bei vielen Abfüllern noch große Vorräte ITX-belasteter Verpackungsmaterialien von TetraPak und Elopak in den Lagern liegen. Diese sind so gut wie unverkäuflich, da die meisten Supermarktketten die belasteten Produkte aus den Regelen genommen haben. Doch die Verpackungshersteller der belasteten Kartons weigern sich, die Verantwortung hierfür zu übernehmen und die ITX-Kartons gegen ITX-freie Verpackungen auszutauschen.

Was macht das Verbraucherschutzministerium?

Verbraucherschutzminister Seehofer sowie seine Kollegen auf Länderebene haben bislang keinen Handlungsbedarf gesehen und sich einem vorsorgenden Verbraucherschutz konsequent verweigert. Mit der Begründung, eine Gesundheitsgefährdung durch ITX sei nicht nachgewiesen, wurde auf jede  Information der Verbraucher über mögliche weitere ITX-Kontaminationen ebenso verzichtet wie auf Maßnahmen, die sichergestellt hätten, dass ITX-belastete Produkte in Deutschland nicht mehr gekauft und getrunken werden können. Man beruft sich statt dessen auf die Aussage der Verpackungshersteller, künftig keine ITX-belasteten Kartons mehr zu produzieren.

Außer acht bleibt dabei jedoch, dass es erstens bislang gerade keinerlei verbindliche Zusage der Verpackungsindustrie zur ITX-freien Produktion gibt. Darüber hinaus wird mit einer möglichen Umstellung der Produktionsprozesses schwerlich das Problem der bereits produzierten und an die Abfüller verkauften ITX-haltigen Kartons angegangen.  Statt Verantwortung zu übernehmen, setzt der Verbraucherschutzminister anscheinend darauf, dass die Verbraucher das Problem schon „austrinken“ werden.

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