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Auf Palmöl verzichten?

Palmöl - Wichtiger Rohstoff oder Klimakiller?

Palmöl ist ein fester Bestandteil unseres Alltages. Doch wissen wir es meist nicht. Es steckt in jedem zweiten Superprodukt. Warum es so beliebt ist und gleichzeitig so schlecht für unser Klima, wird hier beantwortet:

Palmöl – Was steckt dahinter?

Palmöl ist wortwörtlich in aller Munde. Doch es ist nicht nur in unseren Lebensmitteln zu finden, sondern auch in Futtermitteln, in Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Kosmetikprodukten. Selbst unsere Autos fahren mit Palmöl. Ölpalmen sind weltweit wichtigster Lieferant von pflanzlichem Öl - aus dem Fruchtfleisch wird Palmöl gewonnen, die Kerne der Früchte liefern das in der Kosmetik- und Lebensmittelherstellung gefragte Palmkernöl. Die jährlich steigende Nachfrage führt dazu, das sich die Anbaufläche seit 1990 bereits verdoppelt hat.

Die Ölpalme ist eine Agrarpflanze der tropischen Länder Südostasiens, Afrikas und Südamerika, Hauptanbaugebiete sind Indonesien und Malaysia. Die dortigen Anbauflächen beanspruchen ca. 19 Millionen Hektar –  eine Fläche halb so groß wie Deutschland. Diese Flächen waren oft Regenwald, der den Monokulturen zum Opfer gefallen ist. Brandrodung und die Zerstörung von Torfmoorflächen setzen Methan und Kohlendioxid frei, die sich auf das weltweite Klima auswirken. Wegen der steigenden Nachfrage nach Palmöl gehen täglich einzigartige Lebensräume und seltene Tier- und Pflanzenarten verloren. Menschen werden ihrer Lebensgrundlage beraubt und meist gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben.

© Aisyaqilumar - Fotolia

Warum ist Palmöl dennoch so beliebt?

Palmöl ist weltweit das meistverwendete Pflanzenöl und in Deutschland in fast jedem zweiten Supermarktprodukt zu finden. Es ist preiswert und vereint weitere Eigenschaften, die es für eine industrielle Nutzung zum perfekten Rohstoff machen. Bei vergleichsweise hohem Ertrag benötigt die Pflanze wenig Fläche. Im Vergleich mit anderen ölliefernden Pflanzen wie Raps, Sonnenblumen und Kokospalmen produzieren die Ölpalmen mehr als das Vierfache der Ölmenge und sogar acht Mal mehr als Soja (FAO, 2016). Deshalb ist Palmöl schwer zu ersetzen. Umso wichtiger ist es, den Verbrauch zu regulieren und den nachhaltigen Anbau zu fördern.

Wie viel Palmöl verbraucht Deutschland?

Verbrauch von Palmöl und Palmkernöl in Deutschland 2015 (MEO 2016)

In Deutschland wurden 2015 rund eine Million Tonnen Palmöl und 122.600 Tonnen Palmkernöl verbraucht (MEO 2016). Fast die Hälfte des importierten Palmöls wurde im Energiesektor verwendet und davon floss der größte Anteil als gesetzlich vorgeschriebene Beimischung in den Diesel  – eine ökologisch und ökonomisch widersinnige Regelung. Mit der Kampagne „Regenwald gehört nicht in den Tank“ machte die DUH auf die Schattenseiten der Palmöl-Herstellung aufmerksam und fordert ein Verbot des wertvollen Rohstoffs in Kraftstoffen.

Wissenswertes für den Alltag

Seit Ende 2014 muss Palmöl auf Lebensmittelverpackungen in der Zutatenliste deklariert werden. Schwieriger ist es bei Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmittel, Futtermittel oder Haustierfutter. Ob Palmöl oder Palmkernöl in der Kosmetik steckt, wird durch die INCI-Deklaration ersichtlich: reines Palmöl als Elaeis Guineensis Oil und Palmkernöl als Elaeis Guineensis Kernel Oil. Verarbeitetes Palmöl verbirgt sich hinter einer Vielzahl von Bezeichnungen, die Palm, Palm Kernel oder Elaeis guineensis enthalten, wie beispielsweise Hydrogenated Palm Gycerides, Palmate, Palmitate, Palmitic Acid, Palmitoyl Oxostearamide, Palmitoyl Tetrapeptide-7, Sodium Palm Kernelate, Palm Alcohol.

Wurden jedoch mehrfach verarbeitete Inhaltsstoffe verwendet, lässt sich nicht erkennen, ob sie auf Palmöl basieren oder auf anderen pflanzlichen Ölen: Sodium Laureth Sulfate, Sodium Lauryl Sulfate, Sodium Lauroyl Lactylate, Glyceryl Stearate, Stearic Acid.

Das Bekannteste ist das RSPO-Siegel des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (Roundtable on Sustainable Palm Oil), dessen Kriterien aber nur einen unbefriedigenden Mindeststandard zum Schutz von Natur und Mensch darstellen. Wer auf Nummer sichergehen möchte, sollte deshalb Bioprodukte kaufen. Bio-Palmöl wird umweltschonend angebaut und verarbeitet. Wer zusätzlich noch auf ein Siegel achtet, das fairen Handel garantiert, hat das Palmöl mit dem höchsten Standard im Einkaufskorb.

Mehr Informationen dazu finden Sie im Interview mit Sascha Müller-Kraenner: "Palmöl, aber richtig!".

  • Unterstützen Sie Umweltverbänden bei Petitionen und Protestaktionen, um den Druck auf die Politik zu erhöhen -> z.B. gegen Palmöl im Biodiesel und in HVO-Sprit
  • Achten Sie auf bewusste Ernährung und kochen Sie mit regionalen, frischen Bio-Lebensmitteln -> ca. 17 % des in den Lebensmitteln verarbeiteten Palmöls befindet sich in Fertiggerichten, Süßem und Fettigem
  • Essen Sie weniger Fleisch und kaufen Sie dafür qualitativ hochwertiges Bio-Fleisch -> so kann die Hälfte des importieren Palmöls im Futtermittelsektor eingespart werden
  • Lassen Sie das Auto auch mal stehen und nutzen Sie das Fahrrad oder die öffentlichen Verkehrsmittel

Durch eine bewusstere Ernährung sowie der Abschaffung der Beimischung im Biodiesel, könnten rund 50% des Verbrauchs von Palmöl eingespart werden (WWF, 2016).

Copyright Navigationsbild: Thorsten Schier - Fotolia
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