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Grundwasserschutz für Natur, Tiere und Menschen

Nitrat gefährdet unsere Gewässer, unser Trinkwasser und unser Klima. Hauptverursacher ist die Landwirtschaft, denn 88 Prozent des Nitrats im Grundwasser stammen laut Umweltbundesamt aus landwirtschaftlichen Überschüssen.

Der Hauptgrund für Nitratüberschüsse besteht in der intensiven und regional konzentrierten Tierhaltung in Deutschland. Gülle und Mist, die bei der Massentierhaltung in riesigen Mengen anfallen, landen auf den umliegenden Feldern und dienen als organischer Dünger, den Nutzpflanzen zum Wachsen brauchen. In diesen Massen können Pflanzen die Nährstoffe aus dem Dünger allerdings nicht aufnehmen. Dadurch versickert der Nährstoffüberschuss im Boden und landet durch Auswaschung als Nitrat in Grund- und Oberflächengewässern.

Überdüngung bedroht die Natur und unser Trinkwasser

Die Nitratüberschüsse in der Umwelt verursachen maßgeblich den Rückgang der Biodiversität. Durch die Überschüsse überleben nur wenige nährstoffliebende Pflanzensorten. Dies bedingt wiederum, dass es immer weniger Insekten gibt, denn das Nahrungsangebot wird begrenzt. Nitrat bedroht auch Wasserökosysteme. Durch die Eutrophierung (Nähstoffanreicherung) von Gewässern, wie Seen und Meere, kommt es zu übermäßigem Algenwachstum und Todeszonen. Fische sterben, weil sie nicht genügend Sauerstoff zum Atmen haben. Die Verunreinigung des Grundwassers mit Nitrat ist ebenfalls eine Folge von Überdüngung. An über 20 Prozent der Grundwassermessstellen in Deutschland wird der Grenzwert von 50 mg/l überschritten. Deutschland gewinnt zwei Drittel seines Trinkwassers aus Grundwasser. Ist das Grundwasser mit Nitrat verunreinigt, so gefährdet dies auch unsere Trinkwasserqualität und kann zu gesundheitlichen Risiken führen.

Auch das Klima leidet

Durch zu viel Gülle auf den Feldern entweicht klimawirksames Lachgas in die Atmosphäre; dadurch wird das Klima weiter angeheizt. Laut jüngster Erkenntnisse des Weltklimarats liegt der Lachgas-Anteil an der globalen Erwärmung bei 5 bis 10 Prozent. Dabei könnte eine bedarfsgerechte und sorgsame Düngung sogar zum Klimaschutz beitragen: Gesunde, humusreiche Böden haben die Fähigkeit, CO2 zu speichern. Die Menge des CO2, das in den Boden gelangt, ist unter anderem von der Nutzung der Fläche, der Art der Düngung und der Fruchtfolge, also die Abfolge des Anbaus verschiedener Kulturarten, abhängig. Landwirtinnen und Landwirte sowie die Art der Bewirtschaftung spielen demnach eine zentrale Rolle im Klimaschutz.

Verbraucherinnen und Verbraucher tragen die Kosten

Trinkwasser ist das bestüberwachteste Lebensmittel in Deutschland. Um dem auch weiterhin gerecht zu werden, muss unser Trinkwasser aufwendig vor Verunreinigungen durch Nitrat geschützt werden. Dafür müssen regionale Wasserversorger jedoch immer teurere Maßnahmen ergreifen: das Beimischen von unbelastetem Grundwasser, unter anderem aus aufwendigen Fernleitungen, das Erschließen tiefer liegender Vorkommen, also das tiefere Bohren von Brunnen sowie das Herausfiltern von Nitrat.


Die Maßnahmen verursachen schon jetzt höhere Kosten für die regionalen Wasserversorger, die diese Kosten auf die Verbraucherinnen und Verbraucher umlegen. Nach einer Studie des Umweltbundesamts könnte das jährliche Mehrkosten von bis zu 134 Euro für eine vierköpfige Familie bedeuten. Dies entspricht einer Preissteigerung von 45 Prozent.

Unser Einsatz für sauberes Wasser

Große Bereiche Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens tragen durch intensive Tierhaltung eine viel zu hohe Gülle-Last. Die dadurch resultierenden Nährstoffüberschüsse sorgen dafür, dass der Nitrat-Grenzwert von 50 mg/l im Grundwasser an vielen Messstellen überschritten wird. Deswegen hat die Deutsche Umwelthilfe in der Flussgebietseinheit (FGE) Ems im November 2019 Klage für sauberes Wasser eingereicht.

Die zuständigen Landesbehörden werden damit aufgefordert, ein effektives Maßnahmenprogramm zum Schutz des Grundwassers vorzulegen. Dies sollte vor allem strengere Anforderungen hinsichtlich der Düngung beinhalten sowie zusätzliche Maßnahmen, wie die flächengebundene Tierhaltung von maximal 2 Großvieheinheiten pro Hektar und die Förderung ökologischen Landbaus.

Häufig gestellte Fragen

Die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) trat im Jahr 2000 in Kraft und zielt darauf ab, einen guten ökologischen und chemischen Zustand für europäische Gewässer zu erreichen. Die EU- Mitgliedstaaten sind danach dazu verpflichtet, Umweltziele für Oberflächengewässer und Grundwasser in einem Maßnahmenprogramm zu verankern. Dazu zählt auch die Einhaltung des Nitrat-Grenzwertes von 50 mg/l. Um die Erreichung dieser Ziele sicher zu stellen, müssen seitens der zuständigen Landesbehörden flussgebietsbezogene Bewirtschaftungspläne samt Maßnahmenprogrammen erstellt werden, die zyklisch alle 6 Jahre überarbeitet werden.

Die WRRL ist die Grundlage der Klage, die die DUH am 20.11.2019 gegen die Länder Nordrhein-Westfalen (NRW) und Niedersachsen eingereicht hat. Nach der Datenlage von 2015 befanden sich 21 der insgesamt 40 Grundwasserkörper innerhalb der Flussgebietseinheit Ems in einem schlechten chemischen Zustand. Der Grund hierfür ist eine zu hohe Belastung mit Nitrat; somit überschreitet die Hälfte der Grundwasserkörper den Nitrat-Grenzwert von 50 mg/l. Mit dem Überschreiten des Nitrat-Grenzwertes verstoßen die Länder Niedersachsen und NRW gegen geltendes EU-Recht. Das macht eine Klage der Deutschen Umwelthilfe als klageberechtigter Umweltverein nicht nur möglich, sondern notwendig.

Mit unserer Klage wollen wir unser wichtigstes Lebensmittel, das Trinkwasser, schützen und die Preise dafür stabil halten. Nach einer Studie des Umweltbundesamts drohen die Preise für Trinkwasser extrem zu steigen, sofern Politik und Landwirtschaft nicht gegen die hohe Nitratbelastung im Grundwasser vorgehen. Denn die Aufbereitung des Grundwassers zu Trinkwasser, die strengen Kontrollen und Qualitätsstandards unterliegt, wird bei steigender Nitratbelastung zunehmend teurer. Für eine vierköpfige Familie könnte das jährliche Mehrkosten von bis zu 134 € bzw. eine Preissteigerung von 45 Prozent bedeuten (Quelle: UBA).

Wir erwarten ein Gerichtsurteil, das die beiden beklagten Länder Niedersachsen und NRW dazu verpflichtet, ein nationales Maßnahmenprogramm für die Flussgebietseinheit Ems zu erstellen. Ziel des Programmes muss es sein, die Einhaltung des Nitrat-Grenzwertes in allen Grundwasserkörpern der Flussgebietseinheit Ems schnellst möglichst sicherzustellen.

Das Maßnahmenprogramm wird nicht ohne eine Reduzierung der Düngungsmengen auskommen. Dafür ist auch eine Reduktion der Tierzahlen notwendig. Deshalb fordert die DUH eine flächengebundene Tierhaltung von maximal 2 Großvieheinheiten (z.B. zwei Kühe) pro Hektar. Bisher existiert eine solche Beschränkung nur für den ökologischen Landbau.

Um daraus resultierende eventuelle Umsatzrückgänge der Landwirtschaft auszugleichen, muss die Politik tätig werden und ggf. Unterstützungsleistungen erbringen. Die Landwirte sollten nicht das jahrelanges Politikversagen ausbaden müssen. Aus Sicht der DUH sollen Landwirte für den Schutz unserer Gewässer einen Ausgleich erhalten, wenn sie mit ihrem Wirtschaften dieses wichtige öffentliche Gut schützen.

Über die Hälfte der Grundwasserkörper der Flussgebietseinheit Ems sind in einem schlechten chemischen Zustand auf Grund zu hoher Nitratbelastung. In all diesen Gewässern wird der Nitratgrenzwert von 50 mg/l überschritten.

Niedersachsen und Teile NRWs haben seit Jahren zu hohe Nährstoffüberschüsse, da auf großen Flächen eine intensive Landwirtschaft betrieben wird. Grundwasser und Oberflächengewässer werden dadurch stark belastet. Die Flussgebietseinheit Ems ist zudem wegen der hohen Nutztierdichte und ungünstig durchlässigen, sandigen Böden besonders stark von der Nitratbelastung im Grundwasser betroffen.

Die Klage, die im Jahr 2018 von der DUH eingereicht wurde, zielt darauf ab, die nationale Düngeverordnung zu reformieren. Denn das im Jahr 2017 novellierte Düngerecht ist aus Sicht der DUH ungeeignet, die zu hohe Nitratbelastung des Grundwassers und der Gewässer schnellstmöglich zu reduzieren. Deshalb reichte die DUH im Juli 2018 Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundes-Landwirtschaftsministerium, ein, die noch beim Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen anhängig ist.

Die Klage von November 2019 dagegen zielt auf die Einhaltung der Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ab, die aus Sicht der DUH bezüglich der Nitrat-Grenzwerte unter anderem in der Flussgebietseinheit Ems nicht beachtet werden. Die DUH klagt deshalb gegen die, für diese Flussgebietseinheit zuständigen Landesregierungen, Niedersachen und Nordrhein-Westfalen. Ziel der Klage ist, eine der am schlimmsten von der Nitratproblematik betroffenen Regionen Deutschlands zu einem dringend notwendigen Handeln zu bewegen. Ein neues, engagiertes Maßnahmenprogramm muss dazu beitragen, die Gülle- und Nitratproblematik nachhaltig zu lösen.

Das Urteil, welches bestätigt, dass Wasserversorger, Gemeinden und auch Privatpersonen ein Recht auf die Einhaltung des Nitrat-Grenzwerts von 50 mg/l haben, bestärkt die Position der DUH und das Recht auf sauberes Wasser. Es ist jedoch nicht der Klagegrund und für die Klage nicht ausschlaggebend. Die aktuelle Klage bezieht sich auf die WRRL und nicht die EU-Nitratrichtlinie.

(1) Warum soll die 2017 novellierte Düngeverordnung nun erneut verschärft werden?

Wegen chronisch überhöhter Nitrat-Werte im Grundwasser leitet die EU-Kommission gerade ein zweites Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik ein. Im Juni 2018 hatte der Europäische Gerichtshof die Bundesregierung schon einmal verurteilt, die Düngeverordnung zu überarbeiten. Die Bundesregierung verschärfte deshalb die Düngeregeln 2017 - aus Sicht der EU-Kommission allerdings erneut nicht ausreichend, daher das weitere Vertragsverletzungsverfahren. Die EU-Kommission fordert nun von Deutschland zusätzliche Maßnahmen, um die Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft hinreichend zu senken.

(2) Welche Neuerungen beinhaltet die Düngeverordnung von 2017?

Der Entwurf der 2017 novellierten Düngeverordnung beinhaltet unter anderem erweiterte Aufzeichnungspflichten mit einer schriftlichen Dokumentation der Düngebedarfsermittlung – bezogen auf die Fläche statt auf den Betriebsdurchschnitt, standortbezogene Obergrenzen, neue Regelungen für die Einarbeitung von Dünger und neue Ausbringungsbeschränkungen für Dünger.
Bundesweit wurden im Verlauf der novellierten Düngeverordnung so genannte „rote Gebiete“ ermittelt, die eine besonders hohe Nitratbelastung im Grundwasser aufweisen (Überschreitung des Grenzwertes von max. 50 mg/l Nitrat im Grundwasser). Bundesweit sind dies 28 %, in Niedersachsen 39 %, in Nordrhein-Westfalen 54 % der jeweils landwirtschaftlich genutzten Flächen. Auf diesen Flächen soll der Düngebedarf um 20 % reduziert werden. Für die Ausbringung organischer Dünger gilt damit eine neue Obergrenze von 170 kg N/ha.

(3) Warum geht die DUH davon aus, dass die novellierte Düngeverordnung von 2017 keine ausreichende Wirkung hat?

Die Vorschläge zur Novellierung der Düngeverordnung stellen einen politischen Kompromiss dar und werden aus Sicht der DUH die erneute Verurteilung durch die EU nicht abwenden. Die ausgewiesenen Flächen und die Dünge-Vorgaben reichen nicht aus, um die Grundwasserbelastung wirksam zu reduzieren. Damit sind die Dünge-Stickstoffobergrenzen mit 170 kg N pro ha und Jahr deutlich zu hoch, so dass die Nutzpflanzen sie nicht verwerten können. Die Stickstoffnachlieferungen aus dem Boden bei der Vorgabe der Mindest-Stickstoffabschläge sind zu gering angesetzt. Die Ziele der Nitratrichtlinie und der Wasserrahmenrichtlinie sind unter diesen Voraussetzungen nicht erreichbar.
Eine ausführliche Analyse der novellierten Düngeverordnung von Agrarexperte Professor Friedhelm Taube, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, finden Sie hier.

Die EU-Landwirtschaftspolitik setzt seit Jahrzehnten falsche Anreize. Knapp ¾ der EU-Subventionen fließen in Form von Direktzahlungen an die Landwirtschaft. Diese Zahlungen sind flächengebunden und werden unabhängig davon ausgezahlt, ob Massentierhaltung betrieben oder auf ökologische Bewirtschaftung gesetzt wird. Umweltmaßnahmen der Landwirtschaft werden damit nicht honoriert. Anreize zu einer umwelt- und gewässerschonenden Landwirtschaft werden durch die bisherige EU-Agrarpolitik kaum gegeben.

Auch die deutsche Politik hat in den letzten Jahrzehnten wenig dafür getan, die Landwirtschaft umwelt- und gewässerschonend zu gestalten. Stattdessen wurden Veränderungen durch langwierige Gesetzgebungsprozesse hinausgezögert. Die Politik des Bundes-Landwirtschaftsministeriums war überwiegend passiv und setzte zum Schutz der Umwelt größtenteils auf freiwillige und unkonkrete Maßnahmen. Zudem werden Initiativen des Bundes-Landwirtschaftsministeriums oft durch den Deutschen Bauernverband, die politische Interessensvertretung der konventionellen Landwirtschaft in Deutschland, gezielt aufgehalten. Die Maßnahmen zum Schutz des Wassers müssen nun umso intensiver ausfallen, nachdem sie über Jahre verschleppt wurden.

Das Kernproblem der Überdüngung ist die intensive und regional konzentrierte Tierhaltung in Deutschland. Durch Tierhaltung entstehen Gülle und Mist als tierische Ausscheidungsprodukte. Gülle und Mist landen auf den umliegenden Flächen und dienen als organischer Dünger, den Nutzpflanzen zum Wachsen brauchen. Eine Pflanze kann jedoch nur eine bestimmte Menge an Nährstoffen aufnehmen. Wird mehr Gülle auf den Flächen ausgebracht als die Pflanze aufnehmen kann, versickert der Rest im Boden. In Form von Nitrat landen die Nährstoffe dadurch auch im Grundwasser. Da in der Flussgebietseinheit Ems sehr viele Tiere auf kleiner Fläche gehalten werden, ist das Problem hier besonders groß. Die Landwirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte in Deutschland fördert die Haltung von vielen Tieren auf engem Raum. Tierische Erzeugnisse in Deutschland sind vergleichsweise günstig, da bei der Tierhaltung auf Masse gesetzt wird. Oftmals ist das für die Landwirte der einzige Weg, profitabel zu wirtschaften.

Die konventionelle Landwirtschaft hat das Ziel, maximale landwirtschaftliche Erträge zu erzielen. Dafür wird viel Dünger genutzt, da dieser sicherstellt, dass die Pflanze nicht unterversorgt ist. In Regionen, die nicht durch Tierhaltung geprägt sind, wird mineralischer Dünger verwendet. Das Problem der Überdüngung ist in diesen Gebieten in der Regel geringer. Mineralischer Dünger ist ein Kostenfaktor, während Gülle durch Tierhaltung anfällt. Gülle ist in Maßen dem mineralischen Dünger aus Naturschutzsicht vorzuziehen, denn zur Herstellung von mineralischem Dünger wird umweltschädliches Erdöl benötigt. Bei beiden Formen der Düngung ist eine bedarfsgerechte Düngung der Schlüssel. Bedarfsgerecht bedeutet, die Düngung optimal auf die Pflanze auszurichten und nur so viel zu düngen, wie Pflanzen und Boden aufnehmen können. So gelangt kein Nitrat ins Grundwasser.

Überdüngung bedroht die Umwelt und das Klima. Zu den größten Gefahren zählt der Rückgang der biologischen Vielfalt. Überdüngung führt dazu, dass nur wenige, nährstoffliebende Pflanzensorten überleben. Das ist wiederum für den Rückgang der Insekten mitverantwortlich, denn diese finden dadurch weniger Futterpflanzen. Eine weitere große Gefahr ist die Eutrophierung von Gewässern wie Seen und Meere, was zu übermäßigen Algenwachstum und Todeszonen ohne Sauerstoff führt. Die Folge: Fische sterben, weil sie nicht genügend Sauerstoff bekommen. Auch die Verunreinigung des Grundwassers mit Nitrat ist eine Folge von Überdüngung.
 
Auch das Klima leidet unter der Düngung: Durch zu viel Gülle auf den Feldern entweicht hoch klimawirksames Lachgas in die Atmosphäre und facht die Klimaerhitzung weiter an.

Gesunde, humusreiche Böden tragen durch ihre Fähigkeit der CO2-Speicherung zum Klimaschutz bei. Die Menge des CO2, die in den Boden gebracht wird, ist unter anderem von der Nutzung der Fläche, der Art der Düngung und der Fruchtfolge abhängig. Sofern eine bedarfsgerechte Düngung zu humusreichen und daher CO2-speichernden Böden beiträgt, kann Düngung zum Klimaschutz beitragen.

Nach einer Düngereduzierung sind geringe Ertragsrückgänge möglich. Sie entstehen aber nur dann, wenn es zu einer Unterversorgung der Pflanze kommt. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die vorhandenen Stickstoffvorräte im Boden oft unterschätzt bzw. als zu gering veranschlagt werden. Dadurch wird ein höherer Düngebedarf als eigentlich nötig berechnet. Durch eine bedarfsgerechte Düngung ist es demnach möglich, gleichbleibende Erträge zu erzielen, ohne dass übermäßig viel Nitrat ins Grundwasser entweicht. Statt diese wissenschaftlichen Erkenntnisse bei der neuen Düngeverordnung zu berücksichtigen, lässt die Politik gesetzlich Stickstoffmengen bei der Düngung zu, die den eigentlichen Bedarf der Pflanze übersteigen.

Die Klage richtet sich nicht gegen die Landwirtschaft, sondern gegen die Landesregierungen in Niedersachsen und NRW.

Mit der Klage setzen wir uns für einen funktionierenden Gewässerschutz, eine flächengebundene Viehhaltung und eine standortangepasste Düngung ein. Das würde auch den Landwirten zugutekommen. Denn diese leiden unter sich ständig ändernden Gesetzen und Vorschriften. Eine engagierte Düngeverordnung, die die geltenden Grenzwerte und damit die WRRL langfristig einhalten kann, schafft auch für die Landwirtschaft Klarheit und Stabilität. Wir müssen wegkommen von einer intensiven Landwirtschaft mit Monokulturen, Intensivgrünland und Massentierhaltung. Die DUH kämpft für eine naturverträgliche Landwirtschaft mit mehr Wertschätzung für landwirtschaftliche Erzeugnisse und weniger Preisdruck, auch für die Landwirtinnen und Landwirte.

Zuständig sind die Bundesländer, die zahlreiche Einzelmessstellen für die Überwachung des mengenmäßigen und des chemischen Zustands des Grundwassers eingerichtet haben. Die Messungen werden laufend durchgeführt. Sie sind für Niedersachsen hier einsehbar und für Nordrhein-Westfalen hier einsehbar.

Es ist erwiesen, dass die Landwirtschaft den größten Teil des Nitratproblems verursacht. Einen deutlich geringeren Anteil an der Nitratbelastung machen undichte Abwasserkanäle und die Ablagerungen von atmosphärischem Stickstoff aus. Laut einer Studie für NRW gibt es keinen Grundwasserkörper in NRW, der aufgrund einer anderen Quelle als der Landwirtschaft in einem schlechten Zustand wegen Nitrat ist.

Ja. Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Die Qualität ist durchweg noch sehr gut bis gut. Das gilt auch für die Einhaltung des Grenzwertes für Nitrat im Trinkwasser. Um dies sicherzustellen, steigen aber die Kosten durch die immer aufwendigere Aufbereitung des Trinkwassers.

Folgende Lösungen für ein Ende der Stickstoffüberschüsse aus Wirtschaftsdüngern (Gülle, Gärreste) sind umsetzbar:

  • Eine flächengebundene Tierhaltung, bei der die Anzahl der Tiere an die bewirtschaftete Fläche gebunden ist. Dadurch fällt nur so viel Dünger an, wie auf den eigenen Flächen verwertet werden muss
  • Konsequente, meldepflichtige und unabhängige Kontrolle, vor allem auf Betrieben, die Nährstoffüberschüsse verursachen
  • Strengerer Vollzug eines verschärften Düngerechtes, um somit die WRRL umzusetzen
  • Die Optimierung der Stickstoffdüngung mit deutlicher Reduzierung der Obergrenzen
  • Stärkere Berücksichtigung der Stickstoffnachlieferung aus dem Bodenhumus bei der Ermittlung des Stickstoffbedarfs
  • Verlustabzüge beim Nährstoffanfall laut Düngeverordnung streichen
  • Strengere Nutzungs- und Düngeauflagen für die Bewirtschaftung von Sandböden
  • Attraktive Förderung der biologischen Landwirtschaft

Jede Bürgerin und jeder Bürger kann zu einer Minderung des Überdüngungsproblems und somit zu sauberen Gewässern beitragen. Indem weniger Fleisch konsumiert wird und Konsumenten bereit sind, für artgerechte, ressourcenschonende und flächengebundene Tierhaltung angemessene Preise zu bezahlen, werden auch unsere Gewässer geschützt.

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