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Feinstaub in Stuttgart

Luftverschmutzung macht uns krank

Stickoxide, Ozon, Ruß: Viele Schadstoffe in unserer täglichen Atemluft werden von uns nicht bemerkt, da es sich um winzige Partikel oder unsichtbare Gase handelt. Doch unser Körper reagiert auf die giftigen Stoffe. Macht Atmen krank?

Luftverschmutzung beeinträchtigt uns alle - und das täglich! Wenn es um schlechte Luft geht, sind verschiedene Gruppen von Menschen besonders betroffen: Kinder, Schwangere, alte und gesundheitlich vorbelastete Menschen, sowie Personen, die sich lange im Freien aufhalten oder körperlicher Aktivität nachgehen. Hinzu kommen alle, die in der Nähe von dicht befahrenen Straßen und anderen Schadstoff-Hot Spots leben. Oft sind dies vor allem Menschen mit geringem Einkommen. Diese müssen meist aus Kostengründen in den hoch belasteten Wohnlagen bleiben. Zusammengenommen sind das große Teile der Bevölkerung!

„Jedes Mikrogramm Stickoxid weniger in der Luft ist ein Gewinn für die Gesundheit.“Barbara Hoffmann, Umweltmedizinerin

Die Tatsache, dass Luftschadstoffe nachgewiesenermaßen bei vielen bedeutenden Volkskrankheiten wie Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen eine Rolle spielen zeigt, welche Bedeutung die Minderung der Luftbelastung für unser aller Gesundheit hat. Unsere Luft muss endlich sauber werden, und das schnell! 

Wenn Atmen krank macht
Stickoxide, Ozon, Ruß: Schadstoffe in unserer Luft machen uns krank.© B. BOISSONNET, BSIP/Fotolia

Was bedeutet Luftverschmutzung?

Luftverschmutzung ist der wichtigste umweltbedingte Risikofaktor und eine der weltweit führenden Ursachen für Krankheiten und Todesfälle. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Luftverschmutzung „auf Situationen begrenzt, in denen die Außenluft Stoffe in Konzentrationen enthält, die für den Menschen und seine Umwelt schädlich sind.“

Es gibt natürliche und vom Menschen beeinflusste Quellen der Luftverschmutzung und viele verschiedene Stoffe, die direkt oder indirekt zu schlechter Luftbeitragen. Diese Stoffe wirken unterschiedlich auf den menschlichen Körper:

Feinstaub (PM) ist ein Sammelbegriff, der eine Vielzahl an Stoffen unterschiedlicher Teilchengrößen umfasst.

Größe und chemische Zusammensetzung bestimmen maßgeblich, wie gefährlich die Feinstaubpartikel für unsere Gesundheit sind. Partikel mit einem Durchmesser von über 10 µm werden größtenteils in den oberen Atemwegen durch Flimmerhärchen und die Schleimhaut im Nasen- Rachenraum abgefangen. Feinstaub kleiner als 10 µm wird als PM10 bezeichnet und dringt bis in die Bronchien und Lungenbläschen vor. Noch kleinere Partikel (Durchmesser kleiner 2,5 µm (PM2,5) dringen bis tief in unsere Membranen und Zellwände ein. Ultrafeine Partikel (kleiner 0,1µm, PM0,1) können sogar Zellwände durchdringen und erreichen die Blutbahn. So gelangen Partikel in den gesamten Körper - bis ins Gehirn.

Teilchen aus natürlichen Quellen (z.B. Salzkristalle, Staub) haben aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung eine geringe Auswirkung auf die menschliche Gesundheit. Partikel, die z.B. bei der unvollständigen Verbrennung fossiler Energieträger (etwa Kraftstoff für Dieselmotoren) entstehen, enthalten und transportieren an ihrer Oberfläche hochtoxische Stoffe und schaden damit der menschlichen Gesundheit.

Je kleiner und toxischer die Partikel sind, umso gefährlicher sind sie für den Menschen. Ruß ist eines dieser besonders gefährlichen Teilchen.

Als Ruß bezeichnet man besonders kleine Teilchen (PM0,1 und kleiner), die vor allem durch die unvollständige Verbrennung von Kohlenstoffen, wie bei Dieselmotoren und Heizanlagen entstehen. In Mitteleuropa stammt ein wesentlicher Anteil der Rußpartikel aus den Emissionen von Dieselmotoren ohne Partikelfilter. Trotz seiner unumstrittenen Bedeutung für die Gesundheit gibt es bisher keine offiziellen Messvorschriften oder Konzentrationsgrenzwerte für Ruß.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte im Jahr 2012 die krebserregende Wirkung von Dieselabgasen. Hierbei spielen Rußpartikel eine wichtige Rolle als Träger, an die sich krebserregende Substanzen anheften. Je kleiner die Rußpartikel sind, desto tiefer können sie in die menschliche Lunge eindringen und sogar ins Blut gelangen. Für Rußpartikel wurden auch chronische Entzündungen nachgewiesen, die zu einem erhöhten Risiko für Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen führen.

Ruß hat aber auch Auswirkungen auf das Klima: Der Wind trägt die schwarzen Partikel auf Eis- und Schneeflächen, wo sie sich ablagern. Weil die schwarzen Teilchen in der Atmosphäre und auf dem Eis die Sonnenstrahlung verstärkt absorbieren, heizen sich die Erd- und Luftmassen auf. In der Arktis ist Ruß für 50 Prozent des Temperaturanstiegs verantwortlich und dort damit so relevant für den Klimawandel wie CO2. 

Stickstoffdioxid (NO2) ist ein ätzendes Reizgas mit direkten negativen Folgen für die menschliche Gesundheit. Stickstoffoxide entstehen als Nebenprodukt bei Verbrennungsprozessen vor allem in Kfz-Motoren und Heizungen. Dabei werden Stickstoffoxide überwiegend als Stickstoffmonoxid (NO) emittiert. In der Atmosphäre oxidieren sie zu Stickstoffdioxid (NO2). Dieses greift die menschlichen Schleimhäute an und führt so zu Entzündungsreaktionen in den Atemwegen, eine Verengung der Bronchien sowie einer verringerten Reaktion des Immunsystems und verschlimmert dadurch Atemwegserkrankungen, wie chronische Bronchitis und Asthma. Eine höhere NO2-Konzentration erhöht außerdem das Risiko, an Herz-Kreislauf-Krankheiten zu erkranken.

Da NO2 an der Bildung von bodennahem Ozon beteiligt ist, wirkt sich die NOx-Emission auch indirekt auf das Klima aus. Nach Feinstaub wird Stickstoffdioxid die zweithöchste Krankheitslast* in Deutschland sowie Europa zugeschrieben.. Das zeigt den großen negativen Einfluss von NO2 auf den Gesundheitszustand der deutschen und europäischen Bevölkerung. Sowohl Kurzzeit- als auch Langzeiteffekte spielen hierbei eine Rolle .

*Krankheitslast ist ein Indikator, um umfassend und standardisiert die Gesundheit von Bevölkerungsgruppen zu bewerten. Hierbei werden verlorene Lebenszeit sowie gesundheitliche Einschränkungen berücksichtigt.

Bodennahes Ozon entsteht aus Stickoxiden und Kohlenwasserstoffen unter Einwirkung von Sonnenstrahlung. Da es nicht direkt an die Umwelt abgegeben wird, bezeichnet man Ozon auch als sekundären Schadstoff. Ozon kann beim Menschen eine akute Entzündung der Atemwege auslösen, Asthmaattacken, eine Einschränkung der Lungenfunktion und eine Beeinträchtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Neben diesen kurzzeitigen Gesundheitseffekten werden inzwischen auch Langzeitwirkungen von Ozon bestätigt.

Was macht schädliche Luft mit mir?

Weltweit ist fast die gesamte Bevölkerung von Luftverschmutzung betroffen. Selbst in ländlichen Gebieten geht die vergleichsweise geringe Luftverschmutzung mit chronischen Gesundheitsauswirkungen und einer verringerten Lebenserwartung einher.

In Deutschland sterben jährlich etwa 66.000 Menschen vorzeitig durch die Auswirkungen der Verschmutzung der Luft mit PM2.5 und ungefähr 13.000 Menschen durch die Verschmutzung der Luft durch NO2.  Die Kennzahl der vorzeitigen Todesfälle wird genutzt, um die Bedeutung der Luftverschmutzung für unsere Gesundheit und unsere Lebensdauer darzustellen und auch den volkswirtschaftlichen Schaden zu verdeutlichen. Was dabei allerdings noch nicht in ausreichendem Maße berücksichtigt wird, sind die andauernden gesundheitlichen Leiden, die eine noch viel größere Zahl an Menschen in Deutschland und Europa betreffen und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Durch saubere Luft wären unter anderem eine große Zahl von Schlaganfällen, Herzinfarkten und Krebserkrankungen vermeidbar.

Eine Studie ergab, dass für die Bewohner des am stärksten verschmutzen (PM2,5) Viertels einer Stadt das Risiko an Bluthochdruck zu erkranken um fast ein Viertel höher liegt als für die Bewohner des saubersten Viertels einer Stadt (Unterschied ca. 5 ?g/m3 PM2,5). Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen und dadurch entstehende Todesfälle.

Kinder, Schwangere, ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen leiden besonders unter der Luftverschmutzung.© taborsky, Teodora_D/Fotolia

Durch Luftschadstoffe verursachte Krankheiten:

Luftverschmutzung beeinträchtigt das Lungenwachstum bei Kindern und kann das maximal erreichbare Lungenvolumen verringern und damit potentiell lebenslange Auswirkungen haben. Höhere Luftschadstoffbelastung erhöht die Zahl von infektiösen Erkrankungen der Atemwege, wie etwa Bronchitis.

Schadstoffbelastete Luft ist insbesondere für Menschen gefährlich, die bereits an einer Vorerkrankung der Lunge leiden. In Deutschland sind ca. 4,3 Millionen Erwachsene von Asthma betroffen. Weitere 4 Millionen Erwachsene leiden unter chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Dazu kommen circa 850.000 Kinder, die in Deutschland an Asthma leiden. Die Verschlechterung des Gesundheitszustands bei Menschen mit Asthma und COPD durch Luftverschmutzung ist wissenschaftlich nachgewiesen . Durch langfristige Schadstoffeinwirkung verschlechtert sich die bereits beeinträchtigte Lungenfunktion von COPD-Patienten dauerhaft, während Asthmaanfälle durch Episoden mit hoher Schadstoffbelastung ausgelöst oder verstärkt werden.

Doch nicht nur Menschen, die an Hauptverkehrsstraßen wohnen oder arbeiten, sind betroffen. Schon eine kurzzeitige Belastung mit Luftschadstoffen führt zu einer messbaren Verschlechterung der Lungenfunktion. Zum Beispiel verringert sich die Lungenfunktion um bis zu 6,5 Prozent, wenn man sich 2 Stunden statt in einem Park an einer starkbefahrenen Straße aufhält. 

Dieselmotoren und die steigende Zahl an Holzöfen in Deutschland verursachen ein hohes Maß an Kleinstpartikeln, wie zum Beispiel Ruß in der Umgebungsluft. Anders als gröbere Partikel können diese tief in die Lunge eindringen. In den Lungenbläschen verursachen sie sogenannten oxidativen Stress und systemische Entzündungsprozesse, welche sich auf den Blutkreislauf und andere Organsysteme ausweiten. Eine Erhöhung der Entzündungswerte im Blut ist nachweisbar. Dies führt unter anderem dazu, dass sich Blutgefäße zusammenziehen und in diesem Zustand über einen längeren Zeitraum verbleiben, der Blutdruck ist erhöht. Zudem können sich verstärkt Blutkügelchen (Thromben) bilden, die das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen.

Untersuchungen zeigten eine klare Erhöhung des Risikos für Herzinfarkte und Schlaganfälle in Regionen mit hoher Schadstoffbelastung, wobei bereits ein kurzfristiger Anstieg der Schadstoffwerte zu erhöhten Fallzahlen führen kann. Dies wurde auch für Regionen nachgewiesen, in denen keine Überschreitung der NO2-Grenzwerte  vorlag. Die Weltgesundheitsorganisation  geht davon aus, dass die erhöhte Sterblichkeit aufgrund der Feinstaubbelastung vor allem durch zusätzliche koronare Herzkrankheiten und Schlaganfälle bedingt ist (etwa drei Viertel der Fälle).

Nach Angaben des Berichts der Deutschen Herzstiftung 2017 starben 2014 in Deutschland 48.000 Menschen an einem Herzinfarkt. Damit führt ein krankes Herz fast zu jedem vierten Todesfall in Deutschland.

Sind wir Luftverschmutzung ausgesetzt, hat dies negative Auswirkungen auf unsere Blutgefäße (siehe Abschnitt Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Dies kann auch die Arterien betreffen, die das Gehirn mit Sauerstoff versorgen. Durch Zusammenziehen der Gefäße und veränderte Gerinnung des Blutes kann es zu einem plötzlichen Verschluss oder einer extremen Verengung der Arterien kommen, wodurch das Gehirn ungenügend mit Sauerstoff versorgt wird – ein Schlaganfall tritt ein. Der Zusammenhang zwischen der Belastung der Luft insbesondere mit Feinstaub (PM 2,5) und häufigeren Krankenhauseinweisungen auf Grund von Schlaganfällen ist in Studien nachgewiesen worden . Insbesondere aufgrund der großen und weiterhin vorhergesagten steigenden Anzahl an Schlaganfällen in Deutschland und Europa besteht hier erheblicher Handlungsbedarf.

In Industrieländern kann etwa ein Zehntel der Krankheitslast durch Schlaganfälle auf Luftverschmutzung zurückgeführt werden.

Jedes Jahr ereignen sich rund 280.000 Schlaganfälle in Deutschland – umgerechnet alle zwei Minuten ein Fall. 63.000 Menschen sterben daran. Damit ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache nach Herz- und Krebserkrankungen.

Luftschadstoffe können Zell-DNS beschädigen und so zur Entstehung von Krebs führen. Neben Lungenkrebs stehen auch andere Krebsarten wie Blasenkrebs in Zusammenhang mit Luftschadstoffen. Sowohl allgemeine Außenluftbelastung mit einem Gemisch von Schadstoffen aber auch Dieselabgase im Besonderen wurden von der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation, IARC, als krebserregend eingestuft. Für Luftschadstoffe bestehen laut Auswertung der IARC gleichwertige Beweise für die krebserregende Wirkung wie für Asbest.

In Europa sterben jährlich etwa 33.000 Menschen an Krebs, der durch Luftverschmutzung verursacht wurde!

Nachgewiesen ist die besondere Rolle von Ruß, der zur Gruppe der ultrafeinen Partikel zählt. Ruß stammt aus der unvollständigen Verbrennung fossiler Energieträger - insbesondere dem Verkehr (inkl. Off-Road) und der Holzfeuerung – und hat selbst ein krebserregendes Potential. Zudem haften an den Rußpartikeln andere krebserzeugende Stoffe, die ebenfalls aus der Verbrennung stammen wie z. B. Dioxine oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe an.

Je näher der Wohnort an einer viel befahrenen Straße liegt, umso höher ist das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Dieser Zusammenhang kann sogar beziffert werden: Ein Anstieg der Luftschadstoffbelastung um 10 Mikrogramm PM10 bzw. PM2,5 führte zum Anstieg des Diabetesrisikos um 30-50 Prozent. Luftschadstoffe lösen sogenannten oxidativen Stress aus, der wiederum die Insulinresistenz verschlechtert und zur Neubildung oder Verschlechterung des Typ2-Diabetes führen kann.

Die langjährige Belastung mit verkehrsbedingtem Feinstaub wurde in Studien mit einer Verminderung der kognitiven Fähigkeiten in Zusammenhang gebracht. Auch ein Zusammenhang zwischen Demenz und der Nähe des Wohnortes zu dicht befahrenen Straßen ist wissenschaftlich nachgewiesen.

Sehr kleine Partikel wie Ruß können insbesondere bei bestehenden Vorerkrankungen durch die Blut-Hirn-Schranke oder über den Riechschleimhaut in der Nase und von dort über Nervenfasern zum Riechkolben in das Gehirn gelangen. Dort lösen sie Entzündungsredaktionen und oxidativen Stress aus und führen zu Eiweißansammlungen sowie zum Absterben von Nervenzellen. Für die beschriebenen Prozesse ist zudem ein Zusammenhang mit der Bildung von Plaques nachgewiesen, die bei der Alzheimer-Demenz eine wesentliche Rolle spielen. Ein Zusammenhang zwischen Alzheimer und Feinstaubbelastung ist somit naheliegend. 

Schwangerschaft und ungeborenes Kind

Die besondere Belastung von Schwangeren durch Luftschadstoffe ergibt sich durch die erhöhte Atemfrequenz während der Schwangerschaft, wodurch mehr Luftvolumen und damit auch mehr Schadstoffe eingeatmet werden. Dazu kommt die besondere Empfindlichkeit des ungeborenen Kindes, dessen Entwicklung durch die Auswirkungen der Schadstoffe irreversibel beeinträchtigt werden kann. Einige der Schäden treten erst in späten Lebensjahren voll zutage. Luftschadstoffe können zudem die Gesundheit der werdenden Mutter beeinträchtigen und die Schwangerschaft dadurch negativ beeinflussen. 

Inzwischen konnte nachgewiesen werden, dass Feinstaubpartikel den Fötus direkt über die Plazenta erreichen und schädigen. Auch die Versorgung des Kindes kann durch Luftschadstoffe beeinträchtigt werden, sodass es mit verringertem Geburtsgewicht zur Welt kommt. Dies hat negative Folgen für das Kind bis hin zu einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen und Diabetes im Erwachsenenalter. Auch die Entwicklung von autistischen Störungen wird nachweislich durch Luftverschmutzung verstärkt.

Neben Partikeln sind auch Stickoxide (NOx) schädlich für das ungeborene Kind. Eine erhöhte NOx-Konzentration von 22.5 Mikrogramm pro Kubikmeter erhöht das Risiko für Präeklampsie (Gestose, Schwangerschaftsvergiftung) um 50 Prozent und für Diabetes um 70 Prozent. Durch die Einführung einer Umweltzone in Malmö minderte sich die NOx-Belastung um 5 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresdurchschnitt und verringerte so das Risiko für Schwangere an Präeklampsie zu erkranken um 11 Prozent. 

Die gesetzlichen Grenzwerte liefern keinen ausreichenden Schutz

Die Einhaltung der europäischen Luftqualitätswerte ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu sauberer Luft. Gesundheitsschäden können jedoch auch unterhalb dieser Grenzwerte auftreten. Die DUH fordert daher basierend auf den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation schärfere Grenzwerte.

"Die Grenzwerte reichen nicht aus. (...) In der Konsequenz kann die aktuelle Gesetzgebung die Bevölkerung nicht ausreichend vor den nachteiligen Folgen der Luftverschmutzung schützen." Barbara Hoffmann, Umweltmedizinerin

Wenn die gesetzlichen Grenzwerte überschritten werden, sind die EU-Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um den Zeitraum der Überschreitung so kurz wie möglich zu halten und die Öffentlichkeit über die Bewertung und Bekämpfung der Luftverschmutzung zu informieren. An vielen Orten in Europa werden diese Grenzwerte deutlich überschritten. Hier setzt die DUH mit ihrer Arbeit an und klagt auf saubere Luft!

Aber auch unterhalb dieser Konzentration wurden gesundheitliche Schäden beim Menschen nachgewiesen. Für kaum einen Schadstoff ist bisher eine Wirkungsschwelle wissenschaftlich nachgewiesen, unterhalb derer keine Gefährdung für die menschliche Gesundheit ausgeht. Daher zählen jeder Beitrag und jede Maßnahme, die die Emissionen reduzieren und damit die Konzentration der Schadstoffe in der Luft verringern.

Deutsche Umwelthilfe klagt für saubere Luft
Die Deutsche Umwelthilfe demonstriert vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig für Saubere Luft.© Robert Lehmann / DUH

HELFEN SIE UNS IN UNSEREM KAMPF FÜR SAUBERE LUFT

Für NO2 hat die Weltgesundheitsorganisation 2013 in ihrer „Health risks of air pollution in Europe“ Studie (HRAPIE, WHO, 2013b) eine Untergrenze von 20 ?g/m³ angegeben. Das bedeutet, dass Konzentrationen von NO2 über 20 ?g/m³ in der Atemluft wissenschaftlich bewiesen mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit verbunden sind. Ob eine Belastung auch unterhalb dieser Grenze vorliegt wurde seither immer mehr untersucht. Die aktuellste Studie hierzu, die im Auftrag des Umweltbundesamts durchgeführt wurde, hat im März 2018 veröffentlicht, dass gesundheitliche Schäden sogar bis zu einem Wert von 10 ?g/m³ mit ausreichender Sicherheit nachgewiesen wurden. Der Grenzwert von 40 ?g/m³ ist also in keinem Fall ausreichend, um die Menschen zu schützen! 

Daher fordern wir nicht nur dringend die Einhaltung der seit 2010 verbindlich geltenden Grenzwerte von 40µg/m³, sondern auch eine schnellstmögliche Absenkung des Grenzwerts auf 20µg/m³. Selbst die Schweiz hat mit 30 µg/m³ bereits seit 1986 einen strengeren Luftqualitätswert als die EU.
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer

Grenzwert für Ultrafeine Partikel notwendig

Der Gesetzgeber reagiert auch bei Partikeln nur sehr langsam und in unzureichendem Maße auf veränderte Luftschadstoffkonzentrationen. So belegen Studien, dass der Konzentration von Kleinstpartikeln (z.B. Ruß) in der Umgebungsluft eine hohe Bedeutung für die Gesundheit der Menschen zu kommt. Trotzdem gibt es bisher keine verpflichtende Messung für diese Partikelgröße in der Umgebungsluft, geschweige denn Grenzwerte für die maximale Luftkonzentration für ultrafeine Partikel oder Ruß.

Daher fordert die DUH die Einführung eines Partikelanzahlgrenzwerts im Göteborg Protokoll und der Air Quality Directive. Dies ist der zwingend notwendige nächste Schritt, nachdem für fast alle Emittenten inzwischen Anzahlgrenzwerte für den Ausstoß von Partikel festgeschrieben sind. Um die Wirkung dieser Grenzwerte zu kontrollieren und um einen ausreichenden Gesundheitsschutz zu erreichen, muss ein Immissionsgrenzwert mit geeigneter Messmethode festgeschrieben werden. 

E-Mail-Aktion für saubere Luft!

Aktion: Saubere Luft für unsere Städte!

Umrüstung aller Dieselstinker auf Kosten der Hersteller!

Jetzt Protestmail schreiben!

Kontakt

Copyright: © DUH / Heidi Scherm

Dorothee Saar
Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung
E-Mail: Mail schreiben

Copyright: © Holzäpfel/DUH

Annette Stolle
Stellvertretende Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung
E-Mail: Mail schreiben

Copyright Navigationsbild: mirpic/Fotolia
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