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An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die UN-Kinderrechtskonvention ein Mitspracherecht vorsieht. So lautet die Kurzfassung von Artikel 12: „Dem Kind wird das Recht zugesichert, sich zu allen Angelegenheiten, die seine Person betreffen, zu äußern und gehört zu werden.“ Daher empfehlen wir ausdrücklich gerade die Schülerinnen und Schüler bei der Umgestaltung des Schulhofs miteinzubeziehen – und das von der Planung über die Umsetzung bis hin zur Dokumentation.

Im Folgenden stellen wir Ihnen einige partizipative Methoden vor, die Sie nutzen können. Prinzipiell sei darauf hingewiesen, dass es ratsam ist, eine:n erfahrene:n Moderator:in zu nutzen. Auch (Natur-)Gartenplanerinnen und -planer können sich eignen, diesen Prozess zu moderieren, wenn sie die nötige Erfahrung mitbringen.

Noch ein wichtiger Hinweis vorab: „Geht nicht, gibt`s nicht.“ Geben Sie allen Beteiligten Raum für alle Ideen und stellen Sie Ihre eigenen Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen zunächst hinten an! Bleiben Sie flexibel und passen Sie sich der Situation an! Dieses Vorgehen ist entscheidend für den Erfolg von Beteiligungsprozessen und das daraus resultierende Gemeinschaftsgefühl.

Weitere Informationen zum Thema Kinderrechte und Partizipation sowie Links für Anleitungen zu partizipativen Methoden finden Sie unter der Rubrik „Lesetipps“.

Wenn Veränderungen herbeigeführt und Prozesse angestoßen werden sollen, ist es immer hilfreich, eine Vision zu haben. Wie könnte die Zukunft aussehen? Um dies zu veranschaulichen eignen sich Modelle. Und hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten bei der Gestaltung. Es können Knete, Naturmaterialien (vom Schulhof) und sonstiges Bastelzubehör zum Einsatz kommen. Die Herstellung eines Modells eignet sich auch wunderbar für die Fantasiephase einer Zukunftswerkstatt.

Eine gute Möglichkeit der Bestandsaufnahme bietet eine Begehung. Diese kann auch in Vorbereitung auf die Kritikphase einer Zukunftswerkstatt genutzt werden. Der Vorteil ist, dass sich die Schülerinnen und Schüler den Zustand des Schulhofs nochmals vor Augen führen können und auch sonst eher wenig genutzte Bereiche systematisch betrachten. Je nach Alter und Anliegen kann es hilfreich sein, den Schülerinnen und Schülern Leitfragen mitzugeben. Beispiele wären:

  • Welche Elemente (Spiel-/Sitzgelegenheiten, etc.) finden sich auf dem Schulhof?
  • Wie groß ist der Anteil nutzbarer/versiegelter Fläche?
  • Welche Tiere leben auf dem Schulgelände?
  • Gibt es verbotene Bereiche?

Eine weitere Methode für die Beteiligung – eher älterer Schülerinnen und Schüler oder etwa der Eltern – ist das sogenannte World Café. Diese Methode ist nicht besonders aufwendig und vielfältig anwendbar. Allerdings eignet sie sich nicht für jede Gruppengröße. Der Vorteil der Methode ist, dass die Beteiligten sich in relativ kurzer Zeit zu mehreren Themen oder vertieft zu einzelnen Aspekten eines Themas äußern können. Und so wird es gemacht:

1) Vorbereitung

  • zu jedem Thema oder Aspekt wird ein Tisch mit Stühlen vorbereitet
  • die Anzahl der Stühle entspricht der Anzahl der Teilnehmenden
  • die Stühle werden gleichmäßig auf die Tische verteilt
  • der Tisch wird mit Papier bedeckt, das Thema/der Aspekt groß und mittig auf das Papier geschrieben und Stifte bereitgelegt
  • pro Tisch wird ein:e Gastgeber:in bestimmt

2) Durchführung

  • kurze Einführung in das Thema/die Themen
  • es gibt mehrere Durchgänge à 20 Minuten, die Anzahl der Durchgänge richtet sich nach der Anzahl der Tische oder der verfügbaren Zeit
  • beim ersten Durchgang setzen sich die Teilnehmenden an einen der Tische
  • der/die Gastgeber:in erklärt nochmals kurz das Thema
  • nun schreiben die Gäste für etwa 10 Minuten ihre Ideen auf das Papier
  • anschließend werden die Ideen vorgestellt und ggf. bereits gruppiert (5 Minuten)
  • dann endet der erste Durchgang und die Gäste suchen sich einen neuen Tisch (achten Sie auf eine erneute Durchmischung der Gäste!)
  • zum Start der zweiten Runde präsentiert der/die Gastgeber:in kurz die bisherigen Ergebnisse
  • dann schreiben die Gäste ihre zusätzlichen Ideen auf
  • diese werden dann vorgestellt und ggf. gruppiert bzw. den bestehenden Gruppen zugeordnet
  • alle weiteren Durchgänge verlaufen nach diesem Schema

3) Nachbereitung

  • die Gastgeberinnen und Gastgeber stellen jeweils die gruppierten Ergebnisse im Plenum vor
  • Teilnehmende dürfen ergänzen
  • Diskussion der Ergebnisse
  • ggf. Festhalten konkreter Handlungsempfehlungen/Arbeitsaufträge

Eine Methode, die sich bei dem Prozess der Schulhofumgestaltung bewährt hat, ist die von Robert Jungk entwickelte (Groß-) Gruppenmethode „Zukunftswerkstatt“. Mit Hilfe dieser Methode können die Teilnehmenden ihre Kritik und Wünsche äußern sowie anschließend die machbaren Änderungen planen. Die Methode gliedert sich daher in drei Phasen.

1) Kritik-/Beschwerdephase

Während der Kritikphase sollen zunächst die Schwachstellen und Stolpersteine identifiziert werden. Was stört, was gefällt nicht oder sorgt gar für Ärger? In dieser Phase ist es wichtig, in einem ersten Schritt allen Teilnehmenden Gehör zu verschaffen und zunächst alle Meinungen unkommentiert zu sammeln. „Öffnen“ Sie also die Köpfe und lassen Sie den Gedanken/Äußerungen freien Lauf. In einem weiteren Schritt können die Probleme in Rubriken, wie zum Beispiel Gebäude, Spielmöglichkeiten, Ruhezonen, etc., gebündelt und weiter präzisiert werden. Es findet also ein „Einengen“ der Kritik statt. Abschließend kann es ggf. sinnvoll sein, nur einige der Rubriken mit in die nächste Phase zu nehmen. Das hängt u.a. von den Möglichkeiten einer Veränderung und der Relevanz ab. Das „Entscheiden“ will gut begleitet sein. Hier ist ein gutes Gespür für die Situation und Wissen um die Gegebenheiten erforderlich. Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler ggf. demokratisch abstimmen und vermitteln Sie zwischen den Lagern!

2) Fantasie-/Visionsphase

Die Fantasiephase knüpft an die Kritikphase an. Das Motto lautet hier: „Wer Probleme benennen kann, hat bestimmt auch Ideen für eine Lösung parat.“ Auch hier gilt es die Köpfe erneut zu „öffnen“ und der Fantasie freien Lauf zu lassen. Was wünschen sich die Schülerinnen und Schüler? Sammeln Sie zunächst wieder unkommentiert alle Wünsche und Vorschläge! Ergibt sich ggf. schon ein ganzheitliches Bild, eine Art Utopie („Einengen“)? Anschließend geht es darum, Prioritäten festzulegen. Welcher Wunsch soll als erster erfüllt werden? Nutzen Sie die Möglichkeit einer demokratischen Abstimmung („Entscheiden“)!

3) Realisierungs-/Praxisphase

In der Realisierungsphase geht es zunächst darum, die Wünsche und Vorschläge aus der Fantasiephase weiter zu schärfen. Ermöglichen Sie es den Schülerinnen und Schülern, sich zu „öffnen“ und ihre Wünsche und Vorschläge mit Leben zu füllen sowieweiter zu konkretisieren. Daraus lassen sich Forderungen und Handlungsempfehlungen ableiten („Einengen“). Letztlich können konkrete Aufgaben erstellt und verteilt werden („Entscheiden“). Nun kommen alle ins Handeln. Los geht’s! 

Mehr Informationen und eine detaillierte Anleitung inklusive Arbeitsmaterialien zur Zukunftswerkstatt mit Kindern finden Sie in unseren „Lesetipps“.

Copyright Navigationsbild: Thorsten Schier - Fotolia
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