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Eine Schulhofumgestaltung ist ein großes Projekt und braucht viele tatkräftige Mitmacherinnen und -mitmacher zur Unterstützung. Nicht immer ist es jedoch leicht, Personen aus der Schulgemeinschaft oder auch Mitnutzerinnen und -nutzer des Hofes für die Sache zu begeistern. Daher finden Sie hier eine kleine Auswahl an Hintergrundinformationen zu und Argumenten für klimafreundlich- und naturnahgestaltete Schulhöfe. Diese Ausführungen können Ihnen beispielsweise auch beim Verfassen von Förderanträgen helfen.

Wer von Ihnen im Hochsommer schon mal den Schatten eines Baumes oder die angenehme Kühle eines Waldes genossen hat, hat schon ein gutes Verständnis von der regulierenden Kraft der Natur. In Anbetracht des Klimawandels erwarten uns auch in Deutschland immer extremere Wetterereignisse wie Hitzewellen oder Starkregen. Mehr Klimaresilienz und eine hochwertige grüne und blaue Infrastruktur sind somit auf allen Ebenen der Stadt- und Regionalentwicklung – Gemeinde, Stadt, Quartier, Gebäude – notwendig, um diese Ereignisse und ihre Auswirkungen abpuffern zu können. Hier können Schulgemeinschaften mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Hof und ihre Schule klimafreundlich und zukunftsfähig gestalten. Im Kontext der Schlagwörter „Entsiegeln, Begrünen und Beschatten“ werden die Aufnahmefähigkeit von Regenwasser gesteigert, bedeutende Kühlungseffekte erreicht, Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen sowie die natürlichen und lebenswichtigen Bodenfunktionen erhalten.

Kinder und Jugendliche verbringen immer mehr Zeit an ihrer Schule. Neben Ganztagsunterricht und Nachmittagsbetreuung wird es daher immer wichtiger, dass Schülerinnen und Schüler während der Pausen einen echten Ausgleich finden: Sie müssen sich austoben, aber auch zurückziehen können. Der ideale Schulhof bietet dafür vielfältige Aufenthaltsräume und Beschäftigungsmöglichkeiten, animiert zum Spielen und Bewegen, schafft Platz zum Erholen und stärkt das Miteinander an der Schule.

Kinder haben ein Recht auf Spiel und Freizeit. Viel zu selten aber stehen Kindern heute Grün- und Freiflächen zur Verfügung. Sie sind oft wenig angemessen gestaltet, zum Spielen unattraktiv, zu weit entfernt oder fehlen gar ganz. Hinzu kommen heutzutage noch der Nachmittagsunterricht und eine fortschreitende Digitalisierung, sodass Kinder immer weniger Zeit draußen verbringen. Studien zeigen jedoch, dass gerade mit Blick auf eine gesunde (körperliche und psychosoziale) Entwicklung von Kindern es enorm wichtig ist, für zugängliche und qualitativ wertvolle Grün-, Erholungs- und Spielflächen zu sorgen. Denn Kinder haben ein Anrecht auf Gesundheit. Eine attraktive Grünflächengestaltung wirkt sich positiv auf körperliches Wohlbefinden, Aufmerksamkeit und Konzentration aus, womit naturnah-gestaltete Schulhöfe zu Orten des Erlebens und Erlernens von Gemeinschaft, von regenerativer Freizeitgestaltung und kreativer Naturerfahrung werden.

Ein zeitgemäßer Schulhof wird zudem auch den heutigen Bildungsinhalten (s. BNE & SDGs) gerecht. Heutzutage sollen den Kindern Handlungskompetenzen vermittelt werden, damit sie bewusste Entscheidungen treffen können. Das Kinderrecht auf Bildung wurde durch die Corona-Pandemie jedoch beeinträchtigt. Hier kann der Schulhof eine ideale Alternative zum Klassenzimmer sein und mehr Möglichkeiten zur Interaktion trotz Abstandsregeln bieten.

Auch das Recht von Kindern und Jugendlichen auf freie Meinungsäußerung und Beteiligung spielt bei der Schulhofumgestaltung eine Rolle. Die Planung und Umsetzung sollte partizipativ und unter Beteiligung der gesamten Schulgemeinschaft, angefangen bei den Lehrkräften, über die Hausmeisterinnen und -meister sowie Eltern bis zu den Schülerinnen und Schülern, erfolgen. Das stärkt das Verantwortungsgefühl, die Bereitschaft sich einzubringen und das Miteinander. Eine Forsa-Umfrage ergab, dass die Bereitschaft von Schülerinnen und Schülern, bei der Verbesserung ihres Schulhofs selbst Hand anzulegen, bei 82 Prozent liegt. Dieser hohe Anteil spricht dafür, dass ein Großteil der Schülerschaft Verbesserungsbedarf für ihren Schulhof sieht. Nutzen Sie diese Einsatzbereitschaft der Schülerinnen und Schüler im Prozess!

Kennenlernen und Erforschen der Pflanzen- und Tierwelt? Mathematik bei einer Vermessung praxisnah anwenden? Planetare Grenzen veranschaulichen? Auf einem klimafreundlichen und naturnahen Schulhof können solche und viele andere Themen hautnah erlebt und erforscht werden. Denn der Schulhof kann ein äußerst geeigneter und alternativer Lernort sein, der den Schulalltag sinnvoll ergänzen und bereichern kann. Hier können beispielsweise Projekte oder auch Mathematik, Biologie, Kunst, Sachkunde und Deutsch praktisch vermittelt werden – und das oft auch schon während der Umgestaltung.

Zudem finden sich auf dem Schulgelände zahlreiche Anknüpfungspunkte für Zukunftsthemen und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Angefangen von kleinen Unterrichtseinheiten bis hin zu komplexen Konzepten, wie den planetaren Grenzen oder den Sustainable Development Goals (SDGs), ist vieles möglich. Es kann konkret an einzelnen Inhalten gearbeitet werden, so dass Schülerinnen und Schüler aktiv vor Ort ins Handeln kommen. Auf einem klimafreundlichen Schulhof können schwierige Fragestellungen wie der Umgang mit dem Klimawandel gemeinsam an Alltagsbeispielen handlungsorientiert aufbereitet und dadurch für alle begreiflich werden. So wird es möglich, dass eigene Handeln zu reflektieren und zur Transformation zu einer nachhaltig lebenden Gesellschaft beizutragen. Weiterführende Informationen und Literaturtipps zu diesem Thema finden Sie unter der Rubrik „Lesetipps“.

Der Zugang zu Naturräumen ist für die Bevölkerung in Städten heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Gerade in den sozial benachteiligten Stadtteilen mangelt es oft an grüner Infrastruktur und Naherholungsmöglichkeiten. Daher beschäftigen sich einige Studien unter dem Begriff der „Umweltgerechtigkeit“ mit diesem Thema. So definiert das Deutsche Institut für Urbanistik (difu) den Begriff folgendermaßen:

„Umweltgerechtigkeit zielt darauf ab, eine Konzentration gesundheitsrelevanter Umweltbelastungen wie Lärm oder Schadstoffe in der Luft in sozial benachteiligten Quartieren und Wohnlagen zu vermeiden oder abzubauen sowie ihren Bewohnerinnen und Bewohnern den Zugang zu gesundheitsbezogenen Umweltressourcen – dazu gehören Grün- und Freiflächen – zu ermöglichen.“

Hier können Schulhöfe eine zentrale Rolle im Quartier einnehmen und als grüne Oase dienen. So können naturnah gestaltete Schulhöfe für viele Kinder und Jugendliche ein wichtiger Ort sein, um Naturerfahrungen zu sammeln. Naturerfahrungen in der Kindheit sind, wie diverse Studien belegen, der ausschlaggebende Fakt für die Entwicklung einer intrinsischen Wertschätzung für Natur und ihren Erhalt. Auch für weniger mobile Erwachsene und Seniorinnen und Senioren können Schulhöfe ggf. wichtige Orte für Erholung, Freizeit und soziales Miteinander sein, wenn Sie für diese Gruppen geöffnet werden können.

Die weiten gelben Rapsfelder sind im Frühling zwar schön anzusehen, aber der Schein trügt. Denn aufgrund der intensiven Landwirtschaft und den vorherrschenden Monokulturen ist die Biodiversität im ländlichen Raum in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Viele Tier- und Pflanzenarten, die früher typisch für Flur und Wiesen waren, finden heutzutage Zuflucht in den Städten. Doch auch hier geraten sie aufgrund von zunehmender Versiegelung und erhöhtem Bau- und Siedlungsdruck auf Freiflächen immer mehr in Not.

Eine der wenigen verbleibenden Zufluchtsorte können – bei naturnaher Gestaltung – Schulhöfe sein, welche so einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leisten können. So können potenzielle Habitate für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entstehen, die zur Lebensraumvernetzung beitragen und/oder als Ausgangspunkt für die Besiedelung neuer Areale dienen. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind dabei vielfältig:

  • Blühstreifen für Insekten
  • Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse oder Insekten
  • Totholzhaufen für Kleinsäuger
  • Steinhaufen für Reptilien
  • vogelfreundliche Sträucher und Hecken
  • Schulgärten mit einer hohen Diversität an Nutzpflanzen, darunter auch historische und selten gewordene (lokale) Sorten

Wichtig ist es hierbei zu beachten, Lebensräume wie Nisthilfen oder Steinhaufen immer mit einem passenden Nahrungsangebot zu kombinieren. 

Biodiversitätsgerechte Schulhöfe tragen in der Regel gleichzeitig zur Klimawandelanpassung bei. Durch Entsiegelungen, ein gesteigertes Grünvolumen sowie Wasseraufnahme- und Verdunstungsleistung wirken sie im Idealfall positiv bis in das umgebende Quartier, insbesondere im Gegensatz zu großen, flächig versiegelten konventionellen Schulhöfen.

Schulen sind in fast allen Quartieren vorhanden und verfügen über Freiflächen mit meist ungenutztem Potenzial. Schulhöfe können daher als wohnumfeldnahe Grünflächen im Siedlungsraum vielfältige Funktionen erfüllen. Je nach Gestaltung können sie etwa einen Beitrag zur Klimawandelanpassung, zur Erhalt der Biodiversität, zum Bodenschutz und/oder zur Naherholung leisten.

Zusätzlich kann vom Schulhof ein Impuls ausgehen, der den Prozess der nachhaltigen und klimaangepassten Entwicklung im Quartier fördert. Dieser Impuls kann gestärkt werden, wenn die Umgestaltung des Schulhofs als Prozess verstanden wird und unter aktiver Beteiligung der gesamten Schulgemeinschaft erfolgt. Gerade durch partizipative Planung und Umsetzung von Umgestaltungen und Maßnahmen kann hier eine große Multiplikationswirkung erzielt werden.

Ausgehend vom „Nukleus Schule“ können im ganzen Quartier Transformationsprozesse angestoßen werden, die sich gegenseitig verstärken und verstetigen und im Idealfall Ausgangspunkt für eine integrierte, biodiversitätsgerechte Stadtentwicklung werden. Es gilt Ideen zu sammeln, Fördererinnen und Förderer sowie Unterstützerinnen und Unterstützer zu gewinnen, gemeinsam zu handeln und Erfolge zu feiern. Je mehr Menschen an diesem Prozess beteiligt sind, desto größer wird voraussichtlich das Verantwortungsgefühl und Interesse, die Anzahl an neuen Ideen sowie die Bereitschaft, das Wissen zu teilen. So können aus dem Prozess neue Projekte der Transformation, wie beispielsweise generationsübergreifende Cafés, Partnerschaften bzw. Kooperationen mit lokalen Unternehmen und Vereinen oder Gärten der Begegnung entstehen. Der Schulhof kann ein neuer Treffpunkt im Quartier werden und das Miteinander stärken.

Copyright Navigationsbild: Thorsten Schier - Fotolia
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