Mehr Schutz für Seevögel und Schweinswale

Pommersche Bucht: Meeresschutz bis 2021

Östlich der Insel Rügen liegt in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) von Polen und Deutschland in der Ostsee das Meeresschutzgebiet „Pommersche Bucht – Rönnebank“. Ganz versteckt fernab der Küste bietet es ein letztes Refugium für seltene Tierarten, doch dieses fragile Ökosystem ist in Gefahr.

Mit einer Fläche von 2.092 km² vereint das Gebiet die europäischen Meeresschutzgebiete (geschützt durch die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie - SAC) Westliche Rönnebank, Adlergrund und Pommersche Bucht mit Oderbank sowie das EU-Vogelschutzgebiet (SPA) Pommersche Bucht. Vom Adlergrund im Norden reicht die „Pommersche Bucht – Rönnebank“ bis zur Grenze des deutschen Küstenmeeres vor Vorpommern im Süden. Besonders wertvoll ist eine große, flache, mitten im Schutzgebiet liegende Sandbank, die Oderbank. Die „Pommersche Bucht – Rönnebank“ schließt auf polnischer Seite an die NATURA 2000 Gebiete Zatoka Pomorska (SPA) und Ostoja na Zatoce Pomorskiej(SAC) an.

Die Pommersche Bucht ist ein europaweit herausragendes Rast-, Nahrungs- und Mauserhabitat für 1,25 Millionen Seevögel. Darüber hinaus ist das besonders hohe Nahrungsangebot an Jungfischen und Bodentieren in diesem Gebiet eine unverzichtbare Nahrungsgrundlage nicht nur für Seevögel, sondern auch für Schweinswale. Allerdings gilt die hier vorkommende Population der Schweinswale der zentralen Ostsee laut IUCN (International Union for Conservation of Nature) bereits als vom Aussterben bedroht. Damit gehört sie zu den am meisten bedrohten Säugetierpopulationen der Welt.

Die Deutsche Umwelthilfe setzt sich für einen effektiven Schutz des Meeresschutzgebietes „Pommersche Bucht – Rönnebank“ ein, das seit September 2017 fast nur auf dem Papier, d.h. bis dato ohne effektive Schutzmaßnahmen insbesondere gegenüber der gewerblichen Fischerei existiert.

Keine Nutzung hat Lebensräume und Ökosysteme von Nord- und Ostsee so großräumig verändert wie die Fischerei. Während andere Nutzungen in den Schutzgebieten eigenstaatlich reguliert werden können, ist dies im Fall der Berufsfischerei nicht möglich. Hier müssen Entscheidungen auf EU-Ebene durch gemeinschaftlichen Beschluss der zuständigen europäischen Gremien getroffen werden. Im Fall der Ostsee ist das die sogenannte BALTFISH-Gruppe, in der sich Deutschland mit allen Ostseeanrainer-Mitgliedstaaten abstimmen muss.

Die Fischerei ist eine der größten Gefahren für die Pommersche Bucht: Bis zu 60 % des Gesamtaufwandes aller Stellnetzfahrzeuge in der deutschen AWZ konzentrieren sich in der Pommerschen Bucht. Die Stellnetzfischerei ist für tauchende Seevögel und Schweinswale die Haupttodesursache und gefährdet ganze Populationen. Mangels Daten ist auf deutscher Seite bis auf Weiteres keine Regulierung vorgesehen, während es in Polen zumindest bereits Vorschläge für fischereifreie Zonen gibt. Durch die Befreiung von der elektronischen Logbuch-Pflicht und von Schiffsüberwachungssystemen für Fischerboote unter 10 Metern Länge sowie vielen Ausnahmen für Boote von 12 bis 15 Metern Länge existieren auf Regierungsebene kaum Daten: Die Dimensionen der Fang- und Beifangmengen in der Stellnetzfischerei sind unbekannt. Die DUH will diese Situation in enger Kooperation mit einem bestehenden Netzwerk aus polnischen und deutschen Partner*innen ändern. 

Die DUH will zu dem längst notwendigen Stopp der Beifänge im Schutzgebiet beitragen, so dass sich die Meeresenten- und Schweinswalpopulationen erholen können. Das DUH-Team erfasst hierzu belastbare Daten, um auf dieser Grundlage die Schutznotwendigkeit des Gebietes gegenüber Fischereiinteressen belegen zu können. Dazu werden Befliegungen durchgeführt, um das vermutlich sehr große Ausmaß der Stellnetzfischerei zu dokumentieren. Mit den Ergebnissen will die DUH die zuständigen Behörden überzeugen, bis 2021 effektive Schutzmaßnahmen zu veranlassen.

Eine Maßnahme könnte die Einschränkung der Stellnetzfischerei und eine Umstellung auf naturverträgliche Fangmethoden sein. Darüber hinaus fordern wir die Einführung, Anerkennung und Umsetzung von fischereifreien Gebieten in Meeresschutzgebieten allgemein und insbesondere in der Pommerschen Bucht und setzen uns für ein effektives Zonierungskonzept mit mindestens 50% der Fläche als Nullnutzungszone ein.

Um diese Ziele zu erreichen, streben wir eine Kooperation mit wissenschaftlichen Forschungsinstituten an und planen Veranstaltungen auf politischer Ebene. Weitere Akteur*innen des Meeresschutzes sollen in einem Bündnis zum Schutz der Pommerschen Bucht aktiviert werden, um gemeinsam eine breite politische, öffentliche Diskussion anzuregen. Das Meeresschutzgebiet „Pommersche Bucht – Rönnebank“ mit seiner Tierwelt verdient schon lange solch eine Aufmerksamkeit!

© Rainer Borcherding

Insbesondere aufgrund der folgenden Seevogelarten des Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie wurde die „Pommersche Bucht – Rönnebank“ unter Schutz gestellt: Sterntaucher (Gavia stellata), Prachttaucher (Gavia arctica), Ohrentaucher (Podiceps auritus) sowie die regelmäßig auftretenden Zugvogelarten Rothalstaucher (Podiceps grisegena), Eisente (Clangula hyemalis), Trauerente (Melanitta nigra), Samtente (Melanitta fusca), Sturmmöwe (Larus canus), Heringsmöwe (Larus fuscus), Trottellumme (Uria aalge), Tordalk (Alca torda) und Gryllteiste (Cepphus grylle).

Durch die großen Seevogel-Vorkommen im Meeresschutzgebiet Pommersche Bucht besteht das ganze Jahr über ein hohes Konfliktpotenzial mit der Stellnetzfischerei, die durch hohe Beifangzahlen das Erreichen der Ziele der Vogelschutzrichtlinie gefährdet.

Kontakt

Copyright: © M. Krag

Dr. Katharina Fietz
Projektmanagerin Meeresnaturschutz
E-Mail: Mail schreiben

Teilen auf: