Deutschland braucht eine eigene Plastikstrategie

EU-weit landen bis zu 500.000 Tonnen Plastik jedes Jahr im Meer. Weltweit sind es sogar zwischen fünf und 13 Millionen Tonnen. Die EU-Kommission veröffentlichte deswegen im Januar 2018 eine Plastikstrategie. Mit einer Reihe von Maßnahmen will sie die katastrophalen Umweltauswirkungen in den Griff bekommen, die durch den viel zu hohen Konsum und die falsche Entsorgung von Plastik verursacht werden. Deutschland muss schnell handeln – denn wir produzieren EU-weit pro Kopf am meisten Verpackungsabfälle.

Verbot von Einweg-Produkten aus Plastik

Die weltweite Kunststoffproduktion ist seit den 60er Jahren auf das 20-fache angestiegen und beträgt mittlerweile 322 Millionen Tonnen pro Jahr. Vor allem für die Produktion von Einweg-Verpackungen und anderen Wegwerfartikeln werden wertvolle Ressourcen verbraucht. Wenn Plastikflasche, Plastiktüte und Co. dann auch noch unsachgemäß entsorgt werden, belasten sie die Umwelt und können zur tödlichen Gefahr für viele Meeresbewohner werden. Die EU will deshalb im Rahmen der Plastikstrategie unter anderem Plastikgeschirr und -besteck, Strohhalme und Wattestäbchen verbieten. Ein entsprechender Richtlinienvorschlag wurde Ende Mai 2018 von der Kommission veröffentlicht.

Laut europäischer Abfallgesetzgebung sollten Abfälle gar nicht erst entstehen. Deutschland muss in diesem Punkt deutlich nachbessern, denn wir sind mit 226 Kilogramm Verpackungsabfall pro Kopf und Jahr Müll-Europameister. Deshalb braucht Deutschland eine eigene Plastikstrategie, um schnell und gezielt wirksame Maßnahmen umsetzen zu können.

Mehrweg fördern

Ein Verbot oder eine Abgabe auf Einweg-Plastikgeschirr und andere Wegwerfprodukte ist wichtig, jedoch müssen gleichzeitig Mehrweg-Alternativen gefördert werden. Denn Alternativen zu Einwegprodukten gibt es allemal. Bei Getränkeverpackungen muss das Umweltministerium dafür sorgen, dass die gesetzlich vorgeschriebene Mehrwegquote von 70 Prozent erreicht wird. Auch für andere Verpackungen, wie zum Beispiel Verkaufs- oder Transportverpackungen, braucht es verbindliche Wiederverwendungsquoten. In diesem Sinne schlägt die EU-Kommission für Fast-Food-Verpackungen die Festlegung einer Wiederverwendungsquote vor.

Wegwerfplastik teurer machen

Da die Herstellung von Kunststoff heute immer noch viel zu günstig ist, kann ein Lenkungseffekt nur durch Abgaben, einen erhöhten Mehrwertsteuersatz oder höhere Lizenzentgelte erreicht werden. Plastik muss teuer werden! Wer mehr Einwegartikel verbraucht, sollte auch besonders viel dafür bezahlen. Deshalb fordert die Deutsche Umwelthilfe eine Abgabe von mindestens 20 Cent auf Plastiktüten, Einweg-Plastikflaschen und Coffee-to-go-Becher, die nicht auf der Verbotsliste der EU-Kommission stehen. In Irland etwa ging nach der Einführung einer Abgabe von 22 Cent auf Plastiktüten der Verbrauch um 96 Prozent zurück.

Besser recyceln

Abfall soll in erster Linie vermieden werden. Geht das nicht, sollte er hochwertig recycelt werden. Viele Verpackungen bestehen heutzutage aus vielen Schichten, die nur schwer wieder voneinander getrennt werden können oder sie enthalten schädliche Chemikalien, die das Recycling erschweren. Wir brauchen deshalb Ökodesign-Richtlinien, die dafür sorgen, dass Plastikverpackungen und Produkte mit möglichst geringem Aufwand recycelt werden können. Damit Unternehmen bei der Neuproduktion nicht zu billigem Neumaterial greifen, muss auch hier der Einsatz von Recyclingmaterial durch die Festlegung von Einsatzquoten verbindlich gemacht werden.

Mikroplastik verbieten

Mikroplastik ist ein Magnet für Schadstoffe, beeinträchtigt Ökosysteme und gelangt über die Nahrungskette auch in den menschlichen Körper. Es ist deshalb höchste Zeit, den Zusatz von Kleinstpartikeln aus Kunststoff in Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmitteln zu verbieten. Frankreich, Großbritannien und Schweden haben es bereits vorgemacht und ein Verbot von Mikroplastik auf den Weg gebracht.

Einwegpfand ausweiten

Das deutsche Einwegpfand ist eine Erfolgsgeschichte, wenn es um Recycling und die Vermeidung von Plastikflaschen in der Umwelt geht. Mehr als 98 Prozent der bepfandeten Einweg-Getränkeverpackungen können aufgrund der getrennten Sammlung heute recycelt werden.

In Deutschland sind allerdings nach wie vor Einweg-Plastikflaschen für Säfte und Nektare nicht bepfandet. Sie landen deshalb in der Restmülltonne oder der Umwelt. Die von der Kommission vorgeschlagene Sammelquote von 90 Prozent für Getränkeplastikflaschen wird nur erreichbar sein, wenn das Einwegpfand auch auf Fruchtsäfte und Nektare ausgeweitet wird. Einweg-Plastikflaschen sind in diesem Segment das dominierende Packmittel. 

#BeatPlasticPollution

Mit einer Kampagne macht die Europäische Kommission 2018 auf das Problem Einweg-Plastik aufmerksam und fragt: #ReadyToChange? Sind Sie bereit für den Wandel? Sie haben es in der Hand.

Downloads & Dokumente

Plastikstrategie für Deutschland

Kontakt

Copyright: Heidi Scherm

Thomas Fischer
Leiter Kreislaufwirtschaft
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Philipp Sommer
Stellvertretender Leiter Kreislaufwirtschaft
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