HBCD-Abfälle sind gefährlich!

Die kleinen weißen Kügelchen, zusammengebacken, luftig und dennoch druckstabil, haben es in sich. Meist unter dem Namen Styropor gehandelt, wird das Material zu Platten gepresst oft für die Dämmung von Gebäuden eingesetzt. In der Fachsprache heißen solche aufgeschäumten Kunststoffe expandiertes Polystyrol (EPS). Dank seiner hervorragenden Dämmeigenschaft hat Polystyrol ab den 1960er Jahren eine grandiose Karriere in der Baubranche erlebt. Doch leider ist das Material brennbar. Deshalb behandelte man es mit dem giftigen Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD), welches das menschliche Nervensystem sowie die Fruchtbarkeit beeinträchtigt und als krebserregend gilt.

Der Giftstoff HBCD wurde im Mai 2013 in das Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe (POP-Verordnung) aufgenommen und darf mittlerweile nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Besonders in früheren Jahrzehnten hat man jedoch millionenfach Dämmplatten verbaut, die dieses Gift enthalten. Im Zuge der Energiewende werden nun vermehrt Gebäude saniert und Dämmplatten ausgebaut; so fallen in Deutschland jedes Jahr mehr als 40.000 Tonnen HBCD-haltige Abfälle an.

Durch die Änderung der Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) am 1. Oktober 2016 wurden HBCD-belastete Dämmstoffe als gefährlicher Abfall eingestuft und durften nicht mehr als Baumischabfall verbrannt werden. HBCD-belastete Abfälle mussten getrennt erfasst werden und durften nur in speziell geeigneten Müllverbrennungsanlagen entsorgt werden. Nach dieser Neubewertung kam es zunächst zu stark erhöhten Entsorgungspreisen, welche die Handwerksbetriebe und Bauherren vor eine finanzielle Belastung stellten. Um dem entgegen zu wirken, beschloss die Bundesregierung zunächst ein Moratorium, wonach HBCD-haltige Dämmstoffe erneut als nicht gefährlicher Abfall galten. Zum 1. August 2017 trat dann eine Verordnung in Kraft, mit der HBCD-belastete Abfälle dauerhaft als nicht gefährlicher Abfall eingestuft wurden. Dennoch sind sie aber getrennt zu sammeln und zu entsorgen.

Aus unserer Sicht ist die aktuelle Sonderstellung von HBCD-Dämmstoffen und anderen POP-haltige Abfällen ungerechtfertigt. HBCD und andere persistente organische Schadstoffe werden als so gefährlich betrachtet, dass man deren Produktion und Verwendung weltweit verboten hat. Sie bauen sich in der Umwelt nur langsam ab und wirken auf Mensch und Umwelt giftig. Bei der Entsorgung von HBCD-haltigen Abfällen sollten daher nicht länger abgeschwächte Vorgaben gelten. Stattdessen sollten für Abfälle mit HBCD oder anderen persistenten organischen Schadstoffen die gleichen Regelungen gelten, wie sie auch für andere gefährliche Abfälle gesetzlich festgelegt sind.

Bei der derzeitigen Verbrennung der Dämmstoffe gehen die für ihre Herstellung verwendeten Ressourcen vollständig und der sehr hohe Energieaufwand zum überwiegenden Teil verloren.  durch chemische Verfahren recyceln, sodass das HBCD aus den Polystyrol-Kunststoffen ausgeschleust wird und die gereinigten Werkstoffe wieder einsetzbar sind. Auf diese Art können Schadstoffe zurückgehalten, Werkstoffe wieder genutzt und so unsere Ressourcen geschont werden.

Zu den nachhaltigen Dämmstoffen zählen beispielsweise Cellulose und Stroh, lesen Sie mehr dazu hier.

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