Erneuerbares Gas

Ein Fahrplan für erneuerbares Gas

Gas kommt in vielfältigen Bereichen zur Anwendung: zum Heizen, zur Stromerzeugung, als Antrieb für Fahrzeuge oder als Grundstoff der Industrie und für Hochtemperaturprozesse. Setzen wir hier wie bisher auf Erdgas, werden wir die weitere Erwärmung des Klimas nicht stoppen können. Welche klimafreundliche Alternative zum Erdgas gibt es?

Aus erneuerbarem Strom kann über das Elektrolyse-Verfahren synthetisches Gas hergestellt werden. Das Verfahren ist auch unter dem Begriff Power-to-Gas bekannt. Um die Gasnutzung zukunftsfähig zu machen, muss Erdgas durch klimafreundliches synthetisches Gas ersetzt werden.

Bei der Nutzung von Erdgas werden weniger Treibhausgase ausgestoßen als bei Kohle und Öl. Für eine Reduktion der Treibhausgase um 95 Prozent – unser Ziel für 2050 – ist der Ausstoß aber dennoch zu hoch. Bis 2050 muss daher die Umstellung auf klimafreundliches erneuerbares Gas gelingen.

Dafür braucht es frühzeitig die richtigen politischen Weichenstellungen, denn so ein Umstellungsprozess kostet Zeit und Geld. Technische Innovationen und Anpassungsstrategien sind gefragt, die mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen, ähnlich dem Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Zielvorgaben für erneuerbares Gas

Helfen würden klare Zielvorgaben durch die Politik wie z.B. Quoten für erneuerbares Gas für bestimmte Zieljahre. Spätestens 2050 müssen 100 % des Gases erneuerbar sein. Je früher die Zielvorgaben gesetzt werden, desto eher können sich Wirtschaft und Verbraucher darauf einstellen. Fehlinvestitionen werden vermieden.

Gasverbrauch drastisch reduzieren

Die Power-to-Gas Technologie ist noch mit hohen Umwandlungsverlusten behaftet. Es werden große Mengen erneuerbaren Stroms benötigt. Selbst wenn Effizienzsteigerungen erfolgen oder auf Importe gesetzt wird, wird erneuerbares Gas nicht in den Mengen und zu den Preisen zur Verfügung stehen, dass es Erdgas 1:1 ersetzen kann. Der Gasverbrauch muss drastisch reduziert und auf die Anwendungsarten konzentriert werden, für die es absehbar keine Alternative gibt.

Fracking-Erdgas gefährdet Klimaschutz

Bei der Bewertung der Klimabilanz von Erdgas muss der gesamte Weg von der Förderung bis zur Verbrennung betrachtet werden. Dazwischen gibt es Schritte wie Gasverflüssigung, LNG-Transport, Regasifizierung oder den Transport in Pipelines. Das ist energieintensiv und es entweicht auch immer wieder Gas direkt in die Atmosphäre. Hauptbestandteil von Erdgas ist Methan, das eine mehr als 80-fache Klimawirkung im Vergleich zu CO2 aufweist. Schon die Leckage kleiner Mengen hat deshalb eine große Wirkung und muss in der Klimabilanz berücksichtigt werden. In vielen Statistiken werden diese Leckagen allerdings unterschätzt.

Erst die Summe aller Emissionen von der Förderung bis zur Verbrennung zeigt die tatsächliche Klimabilanz von Gas an. Das Umweltbundesamt hat für die EU ermittelt, dass Pipelinegas grundsätzlich eine bessere Bilanz als importiertes Flüssigerdgas (LNG) aufweist. LNG aus unkonventioneller Förderung (=Fracking) schneidet wegen der hohen Emissionen bei der Gasförderung am schlechtesten ab. Hinzu kommen lokale Umweltzerstörungen durch die Fracking-Methode, die Böden und Grundwasser gefährdet und sogar Erdbeben auslöst. 

Laut Bundesumweltministerium gewinnt LNG aus Fracking nicht mal den Vergleich mit der Kohle. In jedem Fall ist Pipelinegas die bessere Alternative vor LNG. Deutschland hat dafür schon ausreichend Pipeline-Kapazitäten. Der Bau neuer Infrastruktur wie Import-Pipelines und LNG-Terminals sind aus Klimasicht nicht nur überflüssig, sondern gefährden durch die lange Lebensdauer dieser Anlagen das Erreichen der Klimaziele: Ist die Infrastruktur einmal gebaut, besteht für die Betreiber ein hoher wirtschaftlicher Anreiz, sie so lange wie möglich zu nutzen. Dabei ist klar:  Schon deutlich vor 2050 müssen wir vollständig auf fossiles Gas verzichten, wenn wir die Klimaziele von Paris einhalten möchten.

Deutschlands Gasbedarf sinkt

Aus Klimasicht ist fossiles Gas Teil des Problems, nicht Teil der Lösung. Der Einsatz von Gas setzt große Mengen an Treibhausgasen frei. Deshalb ist klar: Wir müssen deutlich vor 2050 vollständig auf fossiles Gas verzichten.

Tatsächlich sagen aktuelle Prognosen des Umweltbundesamts, dass der Gasbedarf in Deutschland sinkt. Im Gebäudebereich wird der Bedarf durch Dämmung massiv reduziert werden. Bei der Heiztechnik sind vielfach strombasierte Technologien wie die Wärmepumpe die klimafreundlichere Alternative. Und in der Mobilität sind E-Autos ebenfalls die erste Wahl. Deshalb ist auch die Bewertung des Umweltbundesamts: Erdgas ist auf dem Rückzug. Neue Infrastruktur muss dafür nicht gebaut werden.

Gasförmige Kraftstoffe können dennoch eine Zukunft haben, wenn sie erneuerbar erzeugt wurden. Dies ist zum Beispiel mit den so genannten Power-to-X-Verfahren möglich: Aus erneuerbarem Strom wird mittels Elektrolyse Wasserstoff hergestellt. Dies ist allerdings ein energieaufwendiges Verfahren. Deshalb ist es immer effizienter, den erneuerbaren Strom direkt zu nutzen.

Erneuerbar erzeugtes Gas wird deshalb nur dort genutzt werden, wo es keine besseren Alternativen gibt, z.B. als Rohstoff für die Industrie oder im Schiffsverkehr. Die bestehende Gasinfrastruktur wird in absehbarer Zeit weniger ausgelastet sein. Ob für erneuerbares Gas noch Infrastruktur aufgebaut werden muss, kann erst entschieden werden, wenn wir wissen, wieviel erneuerbares Gas wir brauchen und wo es erzeugt wird.

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