Die DUH konnte seit 2020 Messungen anhand der Plume Chasing Verfahrens (Verlinkung Messverfahren) an über 500 LKW auf deutschen, französischen, österreichischen, polnischen und slowakischen Autobahnen durchführen und auswerten. Dabei erfüllten knapp ein Drittel der gemessenen LKW die Abgasnorm Euro V, der Großteil die Euronorm VI für schwere Nutzfahrzeuge. Der Stickoxidgrenzwert für Euro V liegt bei 2.000 mg NOx/kWh nach dem European Transient Cycle, für Euro VI bei 460 mg NOx/kWh nach dem Worldwide Harmonized Transient Cycle. Da die Motoren auf dem Prüfstand vermessen werden, hat der Gesetzgeber für die Überprüfung der Euro VI Fahrzeuge auf der Straße auf den NOx-Grenzwert einen „Konformitätsfaktor“ von 1,5 aufgeschlagen, so dass sie auf der Straße 690 mg NOx/kWh emittieren dürfen. Zusätzlich wurde bei der Bewertung der hier erhobenen Daten ein ermittelter Fehlerfaktor von 1,4 auf die jeweiligen NOx-Grenzwerte aufgeschlagen. Daraus ergibt sich für die Euro V LKW ein NOx-Schwellenwert von 2.800 mg/kWh und für die Euro VI aufgerundet ein NOx-Schwellenwert von 1.000 mg/kWh. Fahrzeuge mit Emissionen oberhalb dieser Werte haben wir als verdächtig eingestuft.

Über alle Euro V LKW gemittelt lagen die NOx-Emissionen bei 3.338 mg NOx/kWh. Nur 37 Prozent hielten den NOx-Grenzwert von 2.000 mg/kWh und nur 56 Prozent der Fahrzeuge hielten den NOx-Schwellenwert von 2.800 mg/kWh ein.

© Annen / DUH

Bei den untersuchten Euro VI LKW lagen die NOx-Emissionen im Durchschnitt bei 1.067 mg/kWh. Nur 46 Prozent der Fahrzeuge hielten den NOx-Grenzwert auf der Straße von 690 mg/kWh (inklusive Konformitätsfaktor von 1,5) ein. Den NOx-Schwellenwert von 1.000 mg/kWh hielten 66 Prozent der Fahrzeuge ein. Für eine bessere Übersichtlichkeit der Emissionswerte der Euro VI HDV wurde die NOx-Skala des Diagramms auf 10.000 mg/kWh begrenzt.

© Annen / DUH

In den weiteren Untersuchungen ist aufgefallen, dass es immer wieder auffällige Fahrzeuge mit sehr hohen Emissionen gab, welche extreme NOx-Emissionen bis durchschnittlich 14.000 mg NOx/kWh, in einem Fall sogar über 18.000 mg NOx/kWh und kurzzeitige Spitzenwerte noch weit darüber hinaus aufwiesen. Ebenso wird deutlich, dass nur ein kleiner Teil der LKW die Gesamtemissionen der Flotte verdoppelt. Bei den Euro V LKW sind 24 Prozent, bei den Euro VI sogar nur 18 Prozent der LKW für die Verdopplung der NOx-Emissionen verantwortlich.

Hintergrund:

Seit 2020 misst die DUH in ihrem Emissions-Kontroll-Institut auch die Abgasemissionen von schweren Nutzfahrzeugen, da die Emissionswerte von LKW im realen Betrieb deutlich höher sein können als bei der Zulassungsmessung bzw. als nach der entsprechenden Abgasnorm erlaubt. Das bei diesen Messungen angewandte Plume Chasing Verfahren ermöglicht, eine Vielzahl an LKW mit deutlich geringerem Zeitaufwand als bei dem PEMS Verfahren zu messen und Fahrzeuge mit unzureichender, defekter oder manipulierter Abgasnachbehandlung zuverlässig zu identifizieren. Hintergrund dieser Messungen sind insbesondere vorliegende Informationen über vorsätzlich manipulierte Abgasreinigungssysteme bei LKW, die den Speditionen einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil ermöglichen. Hierbei wird durch Änderungen im Abgassystem, an der Fahrzeugsoftware oder durch den Einbau eines sogenannten AdBlue Emulators der Harnstoffverbrauch reduziert oder bis auf null gesenkt. Dies hat dramatische Folgen: Ohne den notwendigen Harnstoff für die Abgasnachbehandlung steigen die NOx-Emissionen drastisch an. Darüber hinaus ist dies nicht nur aus Gründen der Luftreinhaltung ein großes Problem, sondern untergräbt zudem die Zielsetzung der Lkw Maut, die in vielen europäischen Ländern nur auf Grundlage der offiziellen Zulassungswerte (bzw. Abgasstandards) erhoben wird.

Kontakt

Copyright: © DUH / Heidi Scherm

Dorothee Saar
Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung
E-Mail: Mail schreiben

Copyright: © Finke / DUH

Simon Annen
Stellv. Leiter Emissions-Kontroll-Institut
E-Mail: Mail schreiben

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