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Pressemitteilung

Wir treiben die Ökowende im Stall voran

Donnerstag, 27.12.2018

Saubere Luft und einen wirksamen Klimaschutz erreicht Deutschland nur, wenn die Landwirtschaft dazu beiträgt. Das bedeutet: Die intensive Tierhaltung beenden und die landwirtschaftlichen Schadstoffe Methan, Ammoniak, Nitrat in Natur und Umwelt stark vermindern. Nachdem wir das „Recht auf saubere Luft“ eingeklagt haben, kämpfen wir vor Gericht für das „Recht auf sauberes Wasser“

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Klimaschutz und Luftreinhaltung sind die Kernthemen der DUH. Wir befördern daher die Energiewende und setzen im Verkehrsbereich das „Recht auf saubere Luft“ durch, das wir 2007 vor dem Europäischen Gerichtshof eingeklagt haben. Die Luft wird aber nur sauberer, wenn auch die Landwirtschaft mitmacht und im Einklang mit Umwelt und Natur arbeitet. Daher drängen wir auf strengere internationale und nationale gesetzliche Rahmenbedingungen und setzen uns für die Umsetzung wirksamer Emissionsminderungsmaßnahmen in Deutschland ein.

Vor allem die industrielle Landwirtschaft und die Massentierhaltung verursachen einen enormen Teil der Treibhausgasemissionen, giftigen Gase und Feinstäube. Die Landwirtschaft trägt daher maßgeblich zum Klimawandel bei. Neben Industrie, Kohlekraftwerken und dem Verkehrsbereich sind die Agrarbetriebe die größten Verschmutzer der Luft in Stadt und Land. Die meisten giftigen und umweltschädigenden Stoffe stammen aus den Ställen der intensiven Tierhaltung. Mit Gülle und Mist gelangen Methan, Ammoniak und andere reaktive Stickstoffverbindungen wie Stickstoffmonoxid, Stickstoffdioxid, Lachgas und Nitrat in die Umwelt. Sie schädigen die Ökosysteme in Wald, Wiese, See und Meer und zerstören die biologische Vielfalt in Wasser und Böden.

Methan wirkt als Treibhausgas stärker als CO2 und gilt als bedeutender Vorläuferstoff für das gesundheitsschädliche Ozon. Das giftige Ammoniak ist ein Vorläuferstoff für Feinstaub und trägt so zur Belastung der Luftqualität bei. Beide Stoffe verschmutzen die Luft, schädigen die Gesundheit und die Natur. Die Europäische Umweltagentur rechnet für Europa mit 422.000 vorzeitigen Todesfällen durch eine erhöhte Belastung mit Feinstaub (PM 2,5). Der EUA Luftqualitätsbericht 2018 nennt für Deutschland 60.000 vorzeitige Todesfälle durch eine erhöhte Feinstaubbelastung (PM 2,5) in der Luft.  Die Anzahl der vorzeitigen Todesfälle durch die Belastung mit Ozon ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel auf 3000 gestiegen.

Unhaltbare Zustände, wie wir finden. Dabei gibt es für Ammoniak, Nitrat und Feinstaub Grenzwerte, die die Schadstoffkonzentration in der Luft begrenzen sollen. So darf Deutschland nicht mehr als 550 Kilotonnen Ammoniak im Jahr ausstoßen – und verstößt seit Jahren gegen diese Richtlinie. Wir kennen das: Wie auch bei den Luftschadstoffen aus Diesel- und anderen Verbrennungsmotoren missachtet die Industrie die Grenzwerte, die Regierung lässt sie gewähren.

Wir nehmen das nicht hin. Wir klären auf, wir kämpfen vor Gericht, wir diskutieren mit Abgeordneten der Parlamente und Vertretern der Ministerien. Und wir bereiten den dringend notwendigen politischen Wandel vor. Auf Veranstaltungen bringen wir Menschen aus Landwirtschaft und Klimaforschung, Industrie und Politik, Umweltverbänden und Wissenschaft zusammen. Gemeinsam diskutieren wir die Fakten und erörtern die Lösungen, die möglich scheinen und die für viele der Probleme schon vorhanden sind. Mit Planen abgedeckte Güllelager, Gülleinjektion und schnelles Einarbeiten des Düngers in den Boden sowie ein Wirtschaftsdünger Management mit Hilfe von Biogasanlagen können den massenhaften Ausstoß von Ammoniak und Methan begrenzen, solange die Tierhaltung noch nicht auf ein umweltverträgliches Niveau begrenzt ist. Und Landwirte können die Tiere natur- und klimaschonend füttern: Weniger Proteine im Futter verringern die Ammoniakmengen in der Gülle. „Wir brauchen auch ein verändertes Bewusstsein bei den Konsumenten. Fleisch und Molkereiprodukte zu Centpreisen – da ist doch klar, dass die Umwelt das nicht verträgt“, sagt Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung. In ihrem Bereich sind die DUH Projekte „Methanminderung für kosteneffizienten Klimaschutz in der Landwirtschaft“ im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative sowie das von der EU-Kommission geförderte Projekt „Air and Agriculture“ angesiedelt, in dem mehrere europäische Verbände Partner sind. 

Die DUH klagt für das Recht auf sauberes Wasser

Nitratverbindungen belasten nicht nur die Luft, sondern auch das Trinkwasser. Deutschland missachtet den Grenzwert für Nitrat seit Jahrzehnten und verstößt damit gegen geltendes EU-Recht. In einem Viertel der Messstellen in landwirtschaftlichen Gebieten übersteigt der Nitratgehalt im Grundwasser den Grenzwert. Der Europäische Gerichtshof hat Deutschland bereits verurteilt, doch das Urteil bezieht sich nur auf bereits überholte rechtliche Grundlagen. Die DUH hat deshalb 2018 das Bundeslandwirtschaftsministerium verklagt. Wir wollen das „Recht auf sauberes Wasser“ gerichtlich durchsetzen. Damit wollen wir die Bundesregierung dazu bringen, die seit 1991 geltende EU-Richtlinie umzusetzen – insbesondere das vorgesehene Aktionsprogramm zum Schutz des Grundwassers gegen die Nitrateinträge aus der Landwirtschaft. So müssen das Immissionsrecht und die Gesetze für den Bau von Stallungen in eine politische Strategie zur Verringerung von Nitrat einbezogen werden. Lesen Sie dazu unser Interview mit DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner.

Wir kämpfen politisch in Berlin und Brüssel für eine umweltverträgliche Landwirtschaft. Bis wir unser Ziel erreichen, werden wir einige Jahre brauchen. Mit der Ökowende im Einkaufskorb sofort beginnen, können die Verbraucherinnen und Verbraucher, wenn sie weniger Fleisch, Milch, Käse und andere tierische Produkte kaufen. Wir sind uns mit Ernährungswissenschaftlern einig: Fleisch gehört nur noch selten auf den Speiseplan – und wenn, dann nur aus umweltverträglicher Landwirtschaft. Wir unterstützen die Verbraucher mit Informationen und Veranstaltungen dabei, mit ihren Kaufentscheidungen eine umweltfreundliche und naturbewahrende Landwirtschaft zu fördern. Und wir fordern die Politik auf, den Wandel zu gestalten.

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