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Pressemitteilung

Problem zu vieler Einweg-Plastikflaschen nicht gelöst: Umweltministerin Schulze muss Boykott der Mehrwegquote sanktionieren

Mittwoch, 04.03.2020

Mehrwegflaschen sind die umweltfreundlichste Getränkeverpackung und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele – Unternehmen wie Aldi, Lidl, Coca-Cola und Nestlé Waters boykottieren die gesetzliche Mehrwegquote und unterlaufen den Klimaschutz – Deutsche Umwelthilfe, Getränkehändler Hans-Peter Kastner, Verband Privater Brauereien Deutschland und Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordern als Sanktionsmaßnahme von Umweltministerin Schulze eine Abgabe von 20 Cent auf Einweg zusätzlich zum Pfand – Mehrwegquote sollte von jedem Abfüller und Händler umgesetzt werden müssen

© seen / Fotolia

Berlin, 4.3.2020: Seit mehr als einem Jahr gilt die Mehrwegquote für Getränkeverpackungen. Zu einer klaren Trendwende von Einweg zu Mehrweg hat sie nicht geführt. Regionale Mehrwegflaschen sind nachweislich die umwelt- und klimafreundlichste Getränkeverpackung, doch Einweg-Plastikflaschen werden noch immer am häufigsten zur Abfüllung eingesetzt. Getränkedosen haben im Bierbereich zweistellige Zuwachsraten. Hauptverantwortlich für diese besorgniserregende Situation sind Unternehmen wie Aldi, Lidl, Coca-Cola oder Nestlé Waters, die die gesetzliche Mehrwegquote boykottieren und hauptsächlich auf Einweg setzen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), Getränkehändler Hans-Peter Kastner, der Verband Privater Brauereien Deutschland und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordern Bundesumweltministerin Svenja Schulze dazu auf, die gezielte Unterschreitung der Mehrwegquote aus dem Verpackungsgesetz zu sanktionieren. Hierzu soll die Ministerin eine Abgabe von 20 Cent zusätzlich zum Pfand auf Einweg-Plastikflaschen sowie Getränkedosen einführen. Zudem sollte die Mehrwegquote so ausgestaltet werden, dass sie von jedem Abfüller und Händler zwingend umgesetzt werden muss. Eine konsequente Umsetzung der Mehrwegquote leistet einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Abfällen, zur Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung und zur Schonung begrenzt vorhandener Ressourcen.

„Unternehmen wie Lidl, Coca-Cola oder Nestlé bewerben in Nachhaltigkeitsbroschüren ihr vermeintliches Umweltengagement. In der Realität verhindern sie jedoch aktiv Klimaschutz, indem sie die Umsetzung der gesetzlichen Mehrwegquote boykottieren. Allein Lidl ist für die Herstellung von jährlich 3,2 Milliarden Einweg-Plastikflaschen verantwortlich. Umweltministerin Svenja Schulze muss die deutliche Unterschreitung der Mehrwegquote durch eine Abgabe von 20 Cent auf Einweg-Plastikflaschen und Getränkedosen sanktionieren. Nur so werden die negativen Umweltauswirkungen der kurzlebigen Wegwerfverpackungen auch im Preis sichtbar und wirksame ökonomische Anreize für Mehrwegflaschen geschaffen“, sagt die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

Der bekannte Stuttgarter Getränkehändler Hans-Peter Kastner hat bereits Konsequenzen aus der unnötigen Ressourcenvergeudung und Klimabelastung durch Einweg-Plastikflaschen gezogen: „Einwegflaschen und Dosen sind verzichtbar. Die Auslistung von Einwegverpackungen in meinem Getränkemarkt und das ausschließliche Angebot regionaler Produkte in Mehrweg ist zu einem großen Erfolg geworden. Der Umsatz liegt inzwischen um 20 Prozent höher als vor der Einwegauslistung. Das Feedback von den Verbrauchern ist sehr positiv. Ich rufe alle Abfüller und Händler dazu auf, gemeinsam mit mir den ‚Mehrweg‘ für mehr Klimaschutz zu gehen.“

Im Bierbereich befördern die Discounter Aldi und Lidl den massenhaften Absatz von Bier in besonders schädlichen Getränkedosen. „Anstatt dem besorgniserregenden Dosentrend entgegenzutreten, plant Finanzminister Olaf Scholz eine steuerrechtliche Benachteiligung von Einheits-Mehrwegflaschen, die von allen Getränkeverpackungen den größten Klimaschutzbeitrag leisten. Auf diese Weise werden nicht nur die gesetzliche Mehrwegquote konterkariert und Einwegverpackungen als Alternative attraktiv gemacht, sondern auch die Existenz vieler kleiner und mittelständischer Brauereien aufs Spiel gesetzt. Finanzminister Scholz muss eine neue gesetzliche Grundlage zur problemlosen Fortsetzung der Bildung von Pfandrückstellungen erarbeiten“, fordert der Geschäftsführer des Verbandes Privater Brauereien Deutschland Roland Demleitner.

Der Referatsleiter für Getränke der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Ulf Henselin ergänzt: „Die Umsetzung der gesetzlichen Mehrwegquote von 70 Prozent schützt nicht nur das Klima, sondern wirkt sich auch positiv auf Arbeitsplatzzahlen aus. Durch regionale Produkte in Mehrwegflaschen werden auch Arbeitsplätze in strukturschwachen und ländlichen Gebieten erhalten und geschaffen. Regionale Mehrwegkreisläufe bringen deutliche Vorteile gegenüber der zentralisierten Abfüllung von Einweg mit möglichst wenig Mitarbeitern oder dem Import ausländischer Mineralwässer in Einweg-Plastikflaschen.“

Die Einwegindustrie versucht aktuell Einweg-Plastikflaschen aus 100 Prozent Recyclingmaterial als vermeintlich umweltfreundliche Alternative zu regionalen Mehrwegflaschen zu platzieren. Dies kritisiert die DUH scharf. Dazu Barbara Metz: „Einweg-Plastikflaschen aus 100 Prozent Recyclingmaterial sind Showprodukte. Verbraucherinnen und Verbrauchern wird ein vermeintlich geschlossener Kreislauf suggeriert, der in der Realität nicht existiert. Bei jedem Recyclingvorgang können zwischen zehn und zwanzig Prozent des Materials verloren gehen. Mehrwegflaschen werden ebenfalls recycelt, haben aber ein deutlich längeres Produktleben als Einwegflaschen. Mehrweg und Recycling ist umweltfreundlicher als Einweg und Recycling.“

Die Kritik an Individualmehrwegflaschen weist die DUH ebenfalls zurück. Sie haben im Bierbereich lediglich einen Anteil von rund zwanzig Prozent und im Mineralwasserbereich um die zehn Prozent. Studien belegen, dass auch Individual-Mehrwegflaschen viele Male wiederbefüllt werden und dadurch ökologisch vorteilhaft sind. Zudem werden auch Individual-Mehrwegflaschen überwiegend regional distribuiert.

Links:

DUH-Seite zur Umweltfreundlichkeit von Getränkeverpackungen https://www.duh.de/themen/recycling/verpackungen/getraenkeverpackungen/

Kontakt:

Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin, Deutsche Umwelthilfe
0170 7686923, metz@duh.de

Roland Demleitner, Geschäftsführer des Verbandes Private Brauereien Deutschland 
0171 5311444, info@private-brauereien-deutschland.de

Hans-Peter Kastner, Geschäftsführer Getränke Kastner Abholmarkt & Lieferservice
0159 01649495, info.kastner@gmail.com

Dr. Karin Vladimirov, Pressesprecherin Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)
030 288849693, hv.presse@ngg.net

DUH-Pressestelle:

Marlen Bachmann, Thomas Grafe
030 2400867-20, presse@duh.de

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