Über den – wenn er tatsächlich gebaut würde – längsten Bahntunnel Deutschlands, den Pfaffensteigtunnel, sollen zukünftig die Züge der Gäubahn-Strecke aus Zürich, Singen und Horb zum Stuttgarter Flughafen und dem Stuttgart-21-Tiefbahnhof fahren können. Doch es wird immer klarer, dass der 11 Kilometer lange und in zwei Röhren nebeneinander geplante Pfaffensteigtunnel ein finanzielles und verkehrliches Desaster ist. Ursprünglich mit weniger als einer Milliarde Euro veranschlagt, liegen die realistischen Kosten mittlerweile bei rund 3,5 Milliarden Euro – für einen Bahntunnel der täglich weniger als 100 Fahrgäste zum Flughafen vorsieht und mit starkem Gefälle durch einen schwierigen Baugrund führt. Für den Güterverkehr ist er nicht nutzbar, für die Fahrgäste bringt er keine Vorteile.
Dass der Tunnel trotzdem im Bundeshaushalt 2025 auftaucht, ist allein dem beginnenden Wahlkampf in Baden-Württemberg geschuldet, in dem die CDU mit massivem Lobbydruck versucht, ein Prestigeprojekt durchzusetzen. Realistisch betrachtet konkurriert er mit zahlreichen wirklich wichtigen Sanierungsprojekten und wird – sollte die Planfeststellung endlich komplett vorliegen und die absehbaren Gerichtsverfahren in vielleicht drei bis fünf Jahren entschieden sein, an der Finanzierung scheitern. Mit dem ehemaligen Schweizer Bahnchef Benedikt Weibel sind wir uns sicher, dass dieser unsinnigste Bahntunnel Deutschlands niemals gebaut wird.
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