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Jetzt Verantwortung übernehmen: Für einen nachhaltigen Umgang mit biogenen Kraftstoffen im Verkehr

Mit der Umsetzung der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) in deutsches Recht steht eine richtungsweisende Entscheidung an. Der Bundestag wird 2026 festlegen, welche Rolle biogene Kraftstoffe künftig im Verkehrssektor spielen – dabei können Sie als Abgeordnete*r mitentscheiden, wie verantwortungsvoll Deutschland mit begrenzten natürlichen Ressourcen umgeht.

Unser Land und die darauf produzierte Biomasse - wie zum Beispiel Raps, Mais oder Weizen - sind wertvolle Ressourcen. Biomasse kommt in vielen Bereichen zur Anwendung: als Lebensmittel, Tierfutter, Bioplastik oder aber zur Energieerzeugung, zum Beispiel als sogenannter Biokraftstoff. Über die Verwendung der nur begrenzt verfügbaren Biomasse muss mit Bedacht entschieden werden. Primär sollte unser Agrarland zur Produktion von Nahrungsmitteln dienen und damit Nahrungsmittelsicherheit gewährleisten. Für die Entscheidung, in welchen Bereichen Biomasse im Übrigen prioritär verwendet wird, bedarf es klarer Rahmengesetzgebungen und einer Strategie für einen ressourcengerechten Umgang mit Biomasse.

Die Herstellung von biogenen Kraftstoffen kann auf zwei unterschiedlichen Pfaden erfolgen: Biogene Kraftstoffe können einerseits aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen und andererseits aus Abfall- und Reststoffen wie gebrauchtem Speiseöl, Tierfetten oder Palmölnebenprodukten produziert werden. Für den Einsatz von Kraftstoffen aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen in Deutschland werden weltweit riesige Flächen belegt, was zu einer Konkurrenz mit anderen Flächennutzungen führt und zu Zerstörung von Natur und Lebensräumen (zum Beispiel des Jaguars). Abfall- und Reststoffe sind nur in begrenztem Maße verfügbar und ihr Einsatz als Kraftstoff geht mit einem erheblichen Betrugsrisiko einher.

Copyright:

Caroline Tiefenbach
Referentin Verkehr und Luftreinhaltung
Tel.: +49 30 2400867764
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Copyright: © DUH/Erdmann

Lotte Miehle
Referentin Klimaschutz im Verkehr
Tel.: +49 30 2400867764
E-Mail: Mail schreiben

Bereits 21.000 Menschen fordern mit uns das Ende der Förderung von Kraftstoffen aus Nahrungs- und Futtermitteln. Jetzt liegt es an Ihnen als Abgeordnete*r des Bundestages, diese gesellschaftliche Erwartung in verantwortungsvolle Politik zu übersetzen.
Für den Schutz unserer Lebensgrundlagen schließe ich mich folgender Erklärung an:

Ich setze mich dafür ein, dass die bestehende staatliche Förderung von Kraftstoffen aus Nahrungs- und Futtermitteln beendet und die Förderung von Kraftstoffen aus Abfall- und Reststoffen auf die für den Verkehr nachhaltig verfügbare Menge begrenzt wird, wobei Betrug ausgeschlossen wird.

Diese Abgeordneten haben sich der Unterstützungserklärung bereits angeschlossen:
© BMUV/Sascha Hilgers
© Cornelius von Haugwitz
© Fraktion Die Linke
© Stefan Kaminski
© Elias Keilhauer
© Heidi Scherm
© Deutscher Bundestag
© Jannette Kneisel
© Ben Gross
© Sophia Emmerich
© Linda Heitmann
© Stefan Kaminski
© privat
© Laurence_Chaperon
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Weiterführende Informationen:

Die Bundesregierung fördert biogene Kraftstoffe umfassend über regulative Anreize wie die Treibhausgasminderungs-Quote (THG-Quote). Das Umweltbundesamt stuft die staatliche Förderung für biogene Kraftstoffe bereits seit 2008 als klimaschädliche Subvention ein. Zwar ist die THG-Quote keine klassische Subvention im Sinne direkter finanzieller Zuschüsse aus dem Staatshaushalt – dennoch wirkt sie durch die verpflichtenden Quoten und darüber gesetzlich erzeugte Nachfrage wie eine wirtschaftliche Förderung von biogenen Kraftstoffen. Vor allem Hersteller biogener Kraftstoffe profitieren von den Milliardenbeträgen, die über die THG-Quote zusammenkommen. Dies geschieht auf Kosten der Autofahrenden, denn diese zahlen den Preis für diese Kraftstoffe mit mehr als zwei Milliarden Euro* jährlich als Preisaufschlag an der Tanksäule mit.

*zur Erfüllung der THG-Quote aufgebrachte Mittel 2023

Mit Kraftstoffen aus Anbaubiomasse werden riesige Mengen Pflanzen im Tank verbrannt, aus denen auch Nahrungsmittel hergestellt werden könnten. Deutschlandweit werden pro Jahr mehr als 900.000 Tonnen Weizen zu Kraftstoff verarbeitet (DUH-Berechnung nach BLE 2024). Das entspricht umgerechnet fast 3 Millionen Laib Brot jeden Tag, die im Tank statt auf dem Teller landen. Dazu kommen große Mengen anderer Getreidesorten. 

Für in Deutschland getankten Kraftstoff aus Raps, Mais, Soja & Co. werden riesige Mengen Düngemittel, Pestizide und fossile Rohstoffe eingesetzt. Ein Beimischungs-Stopp dieser Kraftstoffe könnte den Verbrauch von Pestiziden für Deutschland um fast 24 % reduzieren. Für Ethanol, das dem Benzin beigemischt wird, also zum Beispiel in E10 enthalten ist, wird sogar mehr fossile Energie für die Herstellung eingesetzt, als am Ende als „erneuerbare“ Energie im Kraftstoff enthalten ist (Ifeu-Institut 2024). 

Das Bundes-Klimaschutzgesetz gibt verbindliche Ziele für natürliche Kohlenstoffsenken wie Wälder und Moore vor. Wie diese Ziele erreicht werden sollen, ist bislang nicht ausreichend mit konkreten und skalierbaren Maßnahmen geplant. Dabei hat das Oberverwaltungsgericht Berlin die Bundesregierung 2024 rechtskräftig zu verstärkten Anstrengungen verpflichtet. Die natürlichen Ökosysteme in Deutschland sind in einem derart schlechten Zustand, dass sie aktuell nicht als CO2-Senken wirken, sondern im Gegenteil selbst CO2 emittieren. Für die Wiederherstellung funktionierender Ökosysteme wird daher dringend Fläche benötigt – auch hier steht der Anbau von Energiepflanzen für biogene Kraftstoffe in direkter Konkurrenz. 

Der großflächige Anbau von Pflanzen für Biokraftstoff trägt zur Zerstörung von wertvollen Lebensräumen wie Wäldern, Grasländern und Feuchtgebieten bei. Im letzten Bericht zur Lage der Natur des Bundesumweltministeriums wird knapp 70 % der Lebensräume in Deutschland ein unzureichender oder schlechter Erhaltungszustand bescheinigt. Der zunehmende Anbau von Raps und Mais für die energetische Nutzung wird explizit als eine der Ursachen genannt. 

Rapsfelder, Getreideäcker und Sojaplantagen für Kraftstoff beanspruchen weltweit riesige Landflächen. Auf knapp 5 % der deutschen Ackerfläche wachsen Pflanzen für Kraftstoff, rund um den Globus dienen fast 1,3 Millionen Hektar (DUH-Berechnung nach BLE 2024) – eine Fläche fast so groß wie Schleswig-Holstein – der Produktion von Biokraftstoff allein für deutsche Verbrenner-Autos. Grundsätzlich bedeutet der immense Flächenverbrauch für Biokraftstoff, dass insgesamt weniger Land für natürliche Ökosysteme zur Verfügung steht, die Kohlenstoff speichern und wichtige Lebensräume bieten könnten. Allein dadurch entsteht ein gewaltiger Klimaschaden, der den kleinen Klimanutzen durch den Ersatz von fossilem Kraftstoff mehr als zunichtemacht. Studien der EU zeigen, dass der wachsende Bedarf an Flächen für Kraftstoffe aus Anbaubiomasse direkt oder indirekt dazu führt, dass bisher ungenutztes Land erschlossen wird (Europäischer Rechnungshof 2023). Oft geschieht das in tropischen Gebieten, wo dadurch natürliche Ökosysteme zerstört werden – mit schweren Folgen für Klima und Artenvielfalt. Deshalb hat die EU schon vor Jahren den Ausstieg aus Palmöldiesel beschlossen. Im Januar 2026 hat die EU-Kommission nun auch die Klimaschädlichkeit von Sojadiesel anerkannt und vorgeschlagen, auch hier die Förderung bis 2030 zu beenden. 

Die steigende Nachfrage nach Anbauflächen hat in vielen Ländern Landraub und die Verdrängung lokaler Gemeinschaften zur Folge. Dies verschärft soziale Ungleichheiten und bedroht die Existenzgrundlage zahlreicher Menschen. 

Der Begriff impliziert fälschlicherweise, es handele sich bei den Ausgangsstoffen um wertlosen Müll. Tatsächlich ist es oft alles andere als nachhaltig, Rohstoffe wie Altspeiseöl, Bioabfälle und Holzreste zu Kraftstoff zu verarbeiten. Noch dazu sind die verfügbaren Mengen solcher Rohstoffe gering und es bestehen weitere besorgniserregende Risiken, etwa ein hohes Betrugsrisiko, welche die Klimabilanz dieser Kraftstoffe stark verschlechtern.

Schafft die Politik heute Anreize für einen gleichbleibenden oder gar verstärkten Einsatz von Kraftstoffen aus Biomasse, führt sie damit die Industrie auf einen nicht zukunftsfähigen Pfad. Bereits heute ist absehbar, dass für den Verkehr nur, insbesondere den Straßen- und Schienenverkehr, geringe Mengen an Abfall- und Reststoffen verfügbar bleiben werden.

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