Nichts für Dünnhäutige – die Lederlieferkette

Neben dem Fleischkonsum ist auch die Produktion von Leder mitverantwortlich für die Zerstörung der Tropenwälder in Südamerika. Hersteller von Lederprodukten können heute so gut wie nie ausschließen, dass das verwendete Leder in Zusammenhang mit der Abholzung von Regenwäldern steht. Das darf nicht so bleiben: Wir brauchen verbindliche rechtliche Regelungen für transparente Lieferketten und eine klare Verpflichtung zum Stopp von Entwaldung und Menschenrechtsverletzungen.

Derzeit werden in Brasilien knapp 215 Millionen Rinder gehalten – zur Produktion von Fleisch und Leder. Das Fleisch wird zu etwa 80 Prozent in Brasilien selbst verbraucht, das Leder hingegen zu etwa 80 Prozent exportiert. Damit ist Brasilien der größte Rindsleder-Exporteur weltweit. Eine Hälfte des exportierten Leders wird in der Automobilindustrie, die andere im Schuh- und Polstermöbelsektor verwendet.

Um dieses Leder zu produzieren, werden in Brasilien riesige Waldflächen gerodet und zu Weideland umgewandelt. Die Rinderhaltung Brasiliens ist demnach die größte Bedrohung für den Amazonas. Der Lebensraum ist essentiell für den Arten- und Klimaschutz und bietet unter anderem seltenen Arten wie dem Jaguar ein Zuhause.

Tropenwaldzerstörung in großem Stil für Autositze

Gemeinsam mit der Rainforest Foundation Norway hat die DUH im April 2021 einen Bericht zu den verheerenden Auswirkungen der Lederproduktion veröffentlicht, in dem sie die Lieferketten von Lederautositzen analysiert. Erschreckenderweise deutet vieles darauf hin, dass  alle fünf großen europäischen Automobilhersteller Leder von brasilianischen Unternehmen beziehen, die mit der Entwaldung des Amazonas in Verbindung stehen. Keiner dieser Hersteller verfügt über angemessene Richtlinien oder Maßnahmen, um Entwaldung in ihrer Lederlieferkette zu vermeiden.

Die Rindslederlieferkette gehört zu den komplexesten ihrer Art auf dem globalen Rohstoffmarkt. Gerbereien, Lederproduzenten, Automobilteile  und Automobilhersteller verfügen nicht über Instrumente, um die Häute bis zu ihrem Ursprung und oftmals nicht einmal bis zum Schlachthof zurückzuverfolgen. Gerbereien und Zertifizierungsstellen müssen sich auf die von den Schlachthöfen bereitgestellten Angaben zur Rückverfolgung verlassen. Infolgedessen ist keine der derzeitigen Zertifizierungsstellen der Lederindustrie – wie zum Beispiel die Leather Working Group (LWG) – in der Lage, die Rückverfolgbarkeit bis zu den indirekten Rinderlieferanten zurückzuverfolgen, wo die Entwaldung im Amazonasgebiet stattfindet. Eine Gerberei kann in ihrer Lieferkette durchaus Rinder aus Entwaldungsgebieten haben und dennoch eine gute Bewertung der Leder-Zertifizierungsstelle bekommen.

© RFN/Victor Moriyama
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Missachtung von Menschenrechten

Nicht nur die Natur, sondern auch die Existenz vieler Menschen in Brasilien wird durch die Lederproduktion bedroht. Einheimische berichten von bewaffnetem Sicherheitspersonal der großen Farmen, das die Menschen bedroht, angreift und teils sogar tötet, um sie von ihrem Land zu vertreiben. Auf den vormals für den Eigenbedarf bewirtschafteten Flächen findet im Anschluss an die Enteignung dann die Rinderhaltung statt.

Die internationale Nichtregierungsorganisation Earthsight hat im September 2020 einen Bericht veröffentlicht, der die Leder-Lieferkette von Autositzen im Gran Chaco in Paraguay analysiert. Auch dort wurden grobe Menschenrechtsverstöße festgestellt. Gebiete, die die Heimat des einzigen in freiwilliger Isolation lebenden indigene Volk Amerikas außerhalb des Amazonasgebietes sind, wurden für die Rinderhaltung zerstört.

Die Deutsche Umwelthilfe setzt sich ein

  • für ein Lieferkettengesetz auf deutscher und europäischer Ebene, das die Wahrung der Menschenrechte und auch verpflichtende Umweltsorgfaltspflichten umfasst und die gesamte Lieferkette eines Produktes abdeckt.
  • für das Vorangehen von Unternehmen, die bereits ohne gesetzliche Verpflichtung gemäß ihrer gesellschaftlichen Verantwortung dafür sorgen, dass ihre Lieferketten entwaldungsfrei sind.
  • für einen bewussten Konsum kritischer Rohstoffe. Häufig kann leicht auf lederfreie Alternativen ausgewichen werden. Es gibt verschiedene Anbieter von Kleidung und Schuhen aus Pflanzenleder, Autositze können problemlos auf Stoffbasis hergestellt werden.
  • für transparente Lieferketten und die lückenlose Rückverfolgung.  Information über die Risiken von Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen müssen für Verbraucherinnen und Verbraucher, einfach verfügbar sein.

Sagen Sie Nein zu schmutzigem Amazonas-Leder!

Unterschreiben Sie unsere Protestaktion gegen Abholzungsleder aus Brasilien.

© RFN/Victor Moriyama

Kontakt

Copyright: © STEFAN WIELAND

Peer Cyriacks
Leiter Naturschutz
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Tina Lutz
Campaignerin Naturschutz und Biologische Vielfalt
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