Investition in den Klimaschutz

Praxistipps für den Heizungstausch

Die Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser in Wohngebäuden ist für etwa 21 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland verantwortlich. Deswegen müssen auch hier CO2-Einsparmaßnahmen ergriffen werden.

Im Neubau schreiben die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz (EEWärmeG) den Einsatz Erneuerbarer Energien bei der Wärmeversorgung vor. Doch die große Mehrheit der Wohngebäude in Deutschland ist lange vor der EnEV gebaut worden. Im Gebäudebestand heizen nur 18 Prozent aller Wärmeerzeuger mit Erneuerbarer Energie, der Rest sind reine Gas- oder Ölheizungen. Von diesen sind 68 Prozent Heizwertgeräte (keine Brennwerttechnik) und somit ineffizient. Heizungstechnik und Dämmstandards sind also häufig nicht auf dem Stand der Technik.

Die Beschlüsse der Klimakonferenz in Paris vom Dezember 2015 erfordern eine Reduktion der gesamten Treibhausgas-Emissionen um 95 Prozent bis 2050 (gegenüber 1990), um den Temperaturanstieg der Atmosphäre auf möglichst unter 2°C zu begrenzen. Deutschland hat als Zwischenschritt beschlossen, seine Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Dafür muss unter anderem der Gebäudesektor bis 2050 auf eine CO2-neutrale Energieversorgung umgestellt werden.

Eine neue Heizungsanlage ist eine langfristige Investition für den Verbraucher oder Eigentümer. Die durchschnittliche Lebensdauer einer Heizung beträgt rund 20 Jahre. Daher hat die Wahl des Energieträgers sehr langfristige Auswirkungen. Bevor der „Ernstfall“ (Heizung kaputt) eintritt, sollte sich der Heizungsbesitzer beizeiten über die verschiedenen Techniken und die Auswirkungen auf die Umwelt informieren. Der Heizungstausch sollte in jedem Fall geplant erfolgen, um den Wiedereinbau derselben (veralteten) Technik nach dem ungeplanten Heizungsausfall im Winter zu vermeiden.

Wenn Sie eine Ölheizung besitzen, sollten Sie diese möglichst austauschen. Informieren Sie sich, ob ihr Haus einen vorhandenen Gasanschluss hat. Wenn ja, können Sie übergangsweise zu einer Gasheizung wechseln. Da Erdgas der beliebteste Energieträger ist, kurzfristiges CO2-Vermeidungspotential bietet und die Erdgasinfrastruktur gut ausgebaut ist, kann der Ersatz von Ölheizungen durch Gasheizungen zu leichten Verbesserungen in der Klimabilanz führen. Allerdings darf 2050 weder mit Öl, noch mit Gas mehr geheizt werden, sodass ein weiterer Heizungswechsel bis dahin ansteht. Alternativ können Hauseigentümer direkt auf ein CO2-armes oder -freies Heizsystem umsteigen. Für den Einbau klimafreundlicher Heizsysteme erhalten Sie Förderung vom Staat. Wenn Sie keinen Gasanschluss am Haus haben, lohnt sich der Umstieg auf Gas nicht und Sie können direkt in klimafreundliche Anlagen investieren. Diese steigern auch den Wert der Immobilie.

Von den fossilen Energieträgern weist Erdgas im Vergleich mit Heizöl oder Kohle die beste CO2-Bilanz auf. Gasbrennwertgerate sind dabei deutlich effizienter als Gasheizwertgeräte, da erstere die im Abgas enthaltene Wärme mitnutzen. Der Wechsel von Heizwert auf Brennwert führt zu deutlichen Einsparungen, was Verbrauch und CO2-Emissionen betrifft.

Werte aus der Praxis zeigen allerdings, dass auch Gasbrennwertgeräte in der Praxis nicht immer ihre optimale Effizienz erlangen. Um diese zu erreichen, sollten beim Kesseltausch diese Maßnahmen ergriffen werden: Dämmung der Rohre im Keller, Wechsel zu einem witterungsgeführten Heizungsregler, Werkseinstellungen individualisieren. Außerdem kann man noch diese vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle geförderten Maßnahmen vom Installateur durchführen lassen: Wechsel von einer einstufigen zu einer modulierenden Umwälzpumpe, hydraulischer Abgleich, Wechsel zu Warmwasserspeicher mit Zirkulationssteuerung. Werden keine dieser Optimierungen am Heizungssystem vorgenommen, kommen die Vorteile der Brennwerttechnik bzw. des moderneren Kessels kaum zum Tragen.

Je grüner der Strom wird, desto weniger CO2 wird von strombetriebenen Wärmepumpen emittiert. Die Klimabilanz der Wärmepumpe wird mit steigendem Ausbau Erneuerbarer Energien immer besser.

Alte, ungedämmte Gebäude mit einer sehr hohen Heizlast können nicht ohne Weiteres mit einer Wärmepumpe ausgestattet werden, sondern müssen zunächst wärmeisoliert werden. Außerdem ist bei älteren Gebäuden oft das Austauschen einzelner Heizkörper bis hin zur Erneuerung des Wärmeverteilsystems notwendig. Nur wenn das Heizsystem – zum Beispiel durch den Einbau von (einigen) Flächenheizungen– auf niedrigere Heizungstemperaturen (Vorlauftemperaturen) eingestellt ist, kann eine Wärmepumpe effizient heizen. Eine Modernisierung macht jedoch nicht nur aus energetischen Gründen Sinn. Ein gut gedämmtes Haus bietet auch mehr Wohnkomfort und ein gesundes Raumklima. Die Wohnräume können gleichmäßig temperiert werden und es gibt keine kalten Außenwände oder zugige Ecken mehr.

Weitere erneuerbare Wärmeerzeuger sind Biogasanlagen, Pelletfeuerungen und Solarthermie-Anlagen. Letztere dienen nicht als Hauptwärmeerzeuger, sondern werden in Ergänzung genutzt, beispielsweise für die Trinkwarmwasserbereitung.

Wohngebäude können auch mit einer Hybridanlage ausgestattet werden, die einen fossil betriebenen Wärmeerzeuger mit einem erneuerbar betriebenen kombiniert. Auch die Kombination zweier oder mehrerer erneuerbarer Wärmeerzeuger wird als Hybridsystem bezeichnet. Eine beliebte Kombination im Neubau ist beispielsweise ein effizientes Gasbrennwertgerät mit einer solarthermischen Anlage. Aber auch alte Ölheizungen können um eine Solarthermieanlage ergänzt werden, um die Effizienz des Heizsystems zu verbessern. Solarthermische Anlagen können mit vielen anderen Heizungsarten kombiniert werden, wenn der Ölkessel einmal entfernt wird.

Auch eine Luftwärmepumpe und ein Gasbrennwertgerät können in einer Anlage zusammengeschaltet werden mit dem Ziel, dass nach späteren Dämmmaßnahmen die Luftwärmepumpe das Gebäude einmal komplett alleine beheizen kann. So kann die Investition in den Umstieg auf eine Wärmepumpe zeitlich entzerrt werden.

Zehn Prozent der Wohngebäude im Bestand heizen mit Fernwärme (Stand 2015). Das Fernwärmenetz wird zum größten Teil von zentralen fossil-betriebenen Heizkraftwerken gespeist. Nur rund 10 Prozent der Fernwärme kam im Jahr 2013 schon aus erneuerbaren Quellen. Zukünftig muss vermehrt auf Erneuerbare Energien umgestellt werden, z.B. mit Biogasanlagen, oder industrielle Abwärme ins Fernwärmenetz eingespeist werden. Neben dem klassischen Fernwärmenetz gibt es mittlerweile immer häufiger Pilotprojekte mit sogenannten Nahwärmenetzen. Diese führen oftmals einen großen Teil Erneuerbarer Energie, die aus Großwärmepumpen, Abwärme, Grundwasser, Bioenergie oder Solarthermie-Freiflächen gewonnen wird. Diese Netze laufen auf relativ niedriger Temperatur und versorgen einen kleineren Radius an Gebäuden, beispielsweise eine Siedlung. Im „kalten Nahwärmenetz“ benötigt jedes Gebäude einen weiteren Wärmeerzeuger, z.B. eine Wärmepumpe, der das Nahwärmenetz als Wärmequelle nutzt. Denn die Temperatur in diesen Netzen beträgt nur rund 8 bis 20 Grad.

Unter dem Begriff ‚Power-to-Gas‘ versteht man die Herstellung von synthetischem „grünen“ Gas, das auch in das Erdgasnetz eingespeist werden kann. Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt im Elektrolyse-Verfahren Wasserstoff, der optional durch Methanisierung auch zu Methan, also Erdgas, weiterverarbeitet werden kann. Der Strom muss jedoch zu nahezu 100 Prozent erneuerbar sein und das Verfahren möglichst wenig Umwandlungsverluste ergeben, damit Power-to-Gas eine umweltfreundliche Alternative zum Einsatz von Strom in Wärmepumpen ist.

Ob, in welchem Umfang und zu welchen Kosten synthetische Gase in Zukunft eingesetzt werden, kann heute noch nicht mit Bestimmtheit abgesehen werden. Daher sollte beim Heizen auf die effizienteste und energiesparendste Technologie gesetzt werden: Wärmepumpen und Wärmenetze. Synthetische Gase und synthetische Kraftstoffe werden nach heutigem Kenntnisstand vorwiegend in der industriellen Prozesswärme und im Schiff- und Flugverkehr eingesetzt, nicht in der Gebäudewärme.

Es gibt in der Energieeinsparverordnung (EnEV § 10) eine Austauschpflicht für Heizungen, die älter als 30 Jahre sind. Seit 2017 sind Schornsteinfeger verpflichtet, alle Heizkessel mit dem nationalen Effizienzlabel für Heizungsaltanlagen zu versehen, das, ähnlich dem Effizienzlabel für Elektrogeräte, die Heizanlage nach ihrer Energieeffizienz klassifiziert. Das weist in 41 Millionen Haushalten in Deutschland auf die (In)Effizienz der Heizung hin. 

Das Heizen mit Holz kann auch eine gute Alternative zu Wärme aus fossilen Brennstoffen sein. Allerdings müssen hierfür die marktüblichen Öfen und Heizkessel deutlich sauberer werden: Gegenwärtig sind Kleinfeuerungsanlagen die größte Quelle gesundheitsschädlicher Ruß- und Feinstaubpartikel in Europa. Insbesondere Öfen, die mit Scheitholz betrieben werden, verursachen in der Praxis üblicherweise große Mengen von Feinstaub. Wirksame Emissionsminderungstechnik sollte daher beim Heizen mit Scheitholz, Pellets oder Hackschnitzeln unbedingt bedacht werden. Der Staat hilft dabei: Vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle werden Filter bzw. Partikelabscheider finanziell gefördert – sowohl im Bestandsgebäude als auch bei Neubauten.
Weitere Informationen zum Heizen mit Holz

Tipps aus der Praxis

Dr. Martin Pehnt: Sanieren nach Plan

Dr. Veit Bürger: Gebäude sanieren und Heizungssystem fit machen

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