Abrüstung in unseren Städten!

Welchen SUV wollt ihr nie wieder sehen?

Der Negativpreis „Goldener Geier“ geht dieses Jahr in die zweite Runde und wir suchen das unsinnigste Auto des Jahres. Für uns ist klar: Das kann nur ein SUV sein. Schickt uns eure Fotos von den Stadtpanzern, die euch am meisten stören!

Stadtpanzer raus aus unseren Städten!
Achte bitte darauf, dass keine Personen zu erkennen sind und mach Nummernschilder unkenntlich. Bitte nur jpg ,jpeg, gif, png, tif oder tiff Dateien bis max. 10 MB.
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© Montage: DUH, Aleksei - stock.adobe.com

Schickt uns eure Fotos: Blockierte Geh- und Radwege, schlechte Sicht für und auf Kinder – Motive finden sich reichlich, da sind wir uns sicher! Achtet bitte darauf, dass keine Personen zu erkennen sind und macht Nummernschilder unkenntlich. Und dann geht’s auch schon los:

Macht mit bei Facebook, Instagram oder Twitter unter dem Hashtag #GoldenerGeier und markiert @umwelthilfe in euren Fotos!


Die absurdesten Modelle stellen wir euch Ende Juni zur Wahl und im August konfrontieren wir den Hersteller mit eurer Meinung – so wie letztes Jahr Nestlé!

Klimakiller, Giftschleuder, Stadtpanzer

Wer hat den Größten im Programm? Seit Jahren feiern die Hersteller ihr Rennlaster-Wettrüsten auf Kosten derjenigen, die sich für solche Vergleiche gar nicht interessieren: Denn schon im Stillstand sind die monströsen Stadtpanzer ein Sicherheitsrisiko. Hinter der hohen Motorhaube sind Kinder nicht nur für andere Verkehrsteilnehmer*innen unsichtbar, sondern auch für den Fahrer selbst. Da sind tödliche Unfälle vorprogrammiert!

Goldener Geier von Deutscher Umwelthilfe, Foto: Stefan Wieland 2020© STEFAN WIELAND
Goldener Geier von Deutscher Umwelthilfe, Foto: Stefan Wieland 2020© STEFAN WIELAND
Goldener Geier von Deutscher Umwelthilfe, Foto: Stefan Wieland 2020© STEFAN WIELAND
Goldener Geier von Deutscher Umwelthilfe, Foto: Stefan Wieland 2020© STEFAN WIELAND
Goldener Geier von Deutscher Umwelthilfe, Foto: Stefan Wieland 2020© STEFAN WIELAND
Goldener Geier von Deutscher Umwelthilfe, Foto: Stefan Wieland 2020© STEFAN WIELAND


Wenn Stadtgeländewagen nicht gerade den Gehweg blockieren und es Fußgänger*innen unmöglich machen, den aktuell notwendigen Sicherheitsabstand einzuhalten, ragen sie oft bis in die Fahrbahn hinein. Dann fehlt jedoch Radfahrer*innen der lebenswichtige Sicherheitsabstand zwischen parkenden und überholenden Autos.

Dazu sind SUV echte Klimakiller: Der PS-starke (meist Diesel-) Motor sorgt für einen hohen Verbrauch und dementsprechend viel COwird in die Atmosphäre geblasen.

Auch die Stickoxid-Emissionen der meisten von uns getesteten SUV liegen weit über den gesetzlichen Grenzwerten: Diese unsichtbaren Abgasgifte schädigen massiv die Atemwege besonders von Kindern und alten oder kranken Menschen – also derjenigen, die auch durch Covid-19 am meisten gefährdet sind.

Nicht zuletzt ihre Masse und Bauweise macht sie so gefährlich: Ein Unfall mit einem dieser Stadtpanzer bedeutet für weniger massiv geschützte Verkehrsteilnehmer schwerere Verletzungen und öfter den Tod als mit leichter gebauten Autos.

Monster-SUV zerstören unsere Städte

Wir brauchen eine ehrliche Verkehrswende jetzt, damit alle Menschen Saubere Luft atmen können und unsere Städte wieder lebenswert werden. Monster-SUV bedrohen Fahrradfahrer und Fußgänger, vergiften mit ihren Abgasen die Atemluft und tragen mit ihren hohen CO2-Emissionen zur Klimakatastrophe bei. 

Zum Stopp der SUV-Flut fordern wir:

  • Eine hohe Zulassungssteuer von mehreren zehntausend Euro bei Erstregistrierung oder Ummeldung von emissionsintensiven Fahrzeugen wie SUV. Geringe Besteuerung für Fahrzeuge deutlich unter 95 g CO2/km, darüber stark progressiv ansteigende Steuerbeträge. 
  • Eine CO2-basierte Reform der Kfz-Steuer, mit Bonus-/Malusausgestaltung und hoher exponentiell steigender Besteuerung nach CO2-Ausstoß; dadurch Verteuerung von großen und durstigen SUV bzw. vergleichbaren Pickups und Limousinen. 
  • Abschaffung der Möglichkeit einer Dienstwagen-Zulassung von großen SUV-Stadtgeländewagen und Pick-Ups (Einschränkung auf Berufsgruppen wie Revierförster im Bayerischen Wald für Geländewagen oder Handwerker bei Pick-Ups).
  • Keine innerstädtischen Parkmöglichkeiten für übergroße Monster-SUV und Pick-Ups auf allen kommunalen Parkplätzen, Sonderparkplätze mit erhöhten Parkgebühren außerhalb der Innenstadt. 

Autokonzerne müssen Verantwortung übernehmen: 

  • Neben dem beschleunigten Ausstieg aus Pkw mit Verbrennungsmotor bis 1.1.2025 fordert die DUH den Stopp der Entwicklung und Verkauf besonders klimaschädlicher SUV.
  • Freiwillige Warnhinweise der Hersteller, um welchen Wert das Fahrzeug auf der Straße den EU-CO2-Flottengrenzwert von 95 g CO2/km übersteigt. 
  • Beendigung irreführender Werbungaussagen zu SUV, die suggerieren, dass die Fahrzeuge ökologisch, sauber und unverzichtbar für urbane Mobilität seien. 

Auch Verbraucher können etwas tun: Sie sollten, sofern sie ein eigenes Fahrzeug benötigen, grundsätzlich keinen Pkw mit Verbrennungsmotor, sondern einen beim Stromverbrauch sparsamen Elektro-Pkw kaufen.

Häufige Fragen zu SUV

In Deutschland sind derzeit mehr als 6 Millionen SUV zugelassen, die inzwischen über 13% des Pkw-Bestands ausmachen. Die Tendenz ist steigend: Im Jahr 2019 wurden über eine Million Pkw entweder als SUV oder als Geländewagen in Deutschland neu zugelassen. Das ist in etwa jedes dritte neu zugelassene Auto. SUV und Geländewagen sind die beiden am stärksten wachsenden Pkw-Segmente in Deutschland: Im Jahr 2019 wurden 21% mehr SUV und 20,3% mehr Geländewagen verkauft als im Jahr 2018. 

SUV steht für Sport Utility Vehicle. Eine feste Definition für SUV gibt es nicht. Die Fahrzeuge sind länger, höher und breiter als normale Pkws, sind in der Regel schwerer als vergleichbare Pkw und haben dadurch einen höheren Luftwiderstandswert. Dies gilt sowohl für „kleine“ SUV wie auch die großen, mittlerweile bis zu 5,20 Meter langen Geländewagen. Höhe, Größe und Gewicht tragen dazu bei, dass SUV einen im Durchschnitt wesentlich höheren Spritverbrauch im Vergleich zu normal-großen PKWs aufweisen.

Lediglich für einen Teil der SUV, die Geländewagen (Fahrzeugklasse M1G), gibt es eine verbindliche Definition. Sie weisen Merkmale wie Allradantrieb, Differentialsperre, eine bestimmte Bodenfreiheit sowie einen definierten Überhang- bzw. Rampenwinkel auf. Dazu zählen Modelle wie VW Tiguan, VW Touareg, Volvo XC60+90, Porsche Macan.

Modelle wie der VW T-Roc, Audi Q2 oder Ford Kuga fallen nicht unter die Kategorie der M1G-Klasse, sind aber nach unserer Auffassung ebenfalls für die Nutzung eines Pkw in der Stadt eindeutig überdimensioniert.

Der durchschnittliche CO2-Ausstoß von neuzugelassenen SUV und Geländewagen lag 2018 in Deutschland mit 144 g/km deutlich über dem Gesamtdurchschnitt von 130 g/km. Für die EU gilt seit 2020 ein Zielwert von 95g/km für Pkw - davon sind vor allem SUV meilenweit entfernt.

SUV sind also im Schnitt klimaschädlicher als andere Pkw. In der Regel sind SUV und Geländewagen stärker motorisiert und schwerer als die Basismodelle. Der höhere Verbrauch wird auch durch die Fahrzeughöhe verursacht, ihre größere Stirnfläche führt zu höherem Luftwiderstandswert als bei normalen Pkw. SUV stehen als Extrembeispiel für einen Trend, den wir deutschlandweit beobachten können: Unnötiges „Aufrüsten“ auf der Straße mit immer schwereren, höher motorisierten Modellen.

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit werden mehr SUV gekauft. Deshalb sind SUV mittlerweile die zweitwichtigste Quelle für den weltweiten Anstieg an CO2-Emissionen seit 2010, nur die Emissionen des Energiesektors sind noch stärker angestiegen („World Energy Outlook“ der IEA). Der Ölbedarf von Pkw ist zwischen 2010 und 2018 um 3,3 Millionen Barrel pro Tag gestiegenen; SUV sind der IEA zufolge für diesen zusätzlichen Bedarf allein verantwortlich. Die Verbräuche aller anderen Fahrzeugtypen im selben Zeitraum sind gesunken. Alle SUV und Geländewagen weltweit zusammengenommen haben der Internationalen Energieagentur IEA zufolge einen CO2-Fußabdruck von 0,7 Gigatonnen CO2 – das ist fast der gesamte CO2-Ausstoß von Deutschland (0,8 Gigatonnen)!

Auch die Zahlen für Deutschland sprechen eine deutliche Sprache: Obwohl die einzelnen Pkws auf dem Papier immer effizienter werden, wachsen die Gesamtemissionen mit dem Pkw-Bestand und der steigenden Fahrleistung. Schon 2016 bemerkte das Statistische Bundesamt angesichts der höheren CO2-Emissionen im Pkw-Bereich, dass der steigende Kraftstoffverbrauch vor allem auf SUV und Geländewagen zurückgeht, „einem Segment mit hoher Motorleistung und hohem Verbrauch“. 

Wer mit einem SUV oder Geländewagen unterwegs ist, mag im Falle eines Unfalls besser geschützt sein. Die Nachteile und höheren Risiken liegen, wie eine Greenpeace-Studie („Ein dickes Problem“, 2019) zeigt, bei den anderen Verkehrsteilnehmer*innen wie den Fahrer*innen kleinerer Fahrzeuge sowie Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind. Aufgrund des Designs (hohe Front und kürzere Motorhaube) besteht ein größeres Verletzungsrisiko für Fußgänger*innen: Sie stürzen gefährlicher und werden auf Höhe der Organe getroffen. Im Falle eines Unfalls mit einem SUV ist das Risiko für Fahrer*innen kleinerer Pkw viermal höher als für die Fahrer*innen von SUV oder Geländewagen schwer oder tödlich verletzt zu werden; die Insassen werden mehr als doppelt so oft schwer verletzt. Die Greenpeace-Studie führt dies auf das höhere Gewicht der SUV zurück: Im Falle eines Zusammenstoßes fängt das leichtere Fahrzeug den Großteil der Energie des Zusammenpralls auf.

Die Automobilkonzerne erzielen mit dem Verkauf von SUV sehr hohe Gewinnmargen. SUV sind bei den Herstellern so beliebt, dass sie die bereits umfangreiche Modellpalette in den kommenden Jahren sogar noch deutlich ausbauen. VW will zum Beispiel bis 2025 mehr als 30 SUV bzw. Geländewagen-Modelle der Kernmarke VW anbieten und so den Verkauf auf 50% der Neuwagen ankurbeln.

Ein Großteil des gesamten Marketingbudgets der Autoindustrie fließt in die Bewerbung von SUV. Die riesigen Geländewagen werden als Lifestyle-Produkt, als Garant für Unabhängigkeit und Kompromisslosigkeit angepriesen. Das zeigt: Die Hersteller wecken gezielt Bedürfnisse, weil sie mit SUV und Geländewagen die größten Margen erzielen.

Als Argument für den Erwerb eines SUV wird immer wieder der bequeme hohe Einstieg genannt. Für einen erleichterten Einstieg ins Auto benötigt man keinen SUV, da inzwischen bei vielen Fahrzeugen bei Bedarf ein „Easy-Entry“-Modus verfügbar ist, der den Sitz maximal in die Höhe fährt und gleichzeitig das Lenkrad einzieht. Auch die bessere Übersicht vom Fahrersitz eines SUV, die für ein höheres subjektives Sicherheitsgefühl sorgt, überzeugt uns nicht: Denn durch die Bauart und das Gewicht der Fahrzeuge besteht ein größeres Risiko für die anderen Verkehrsteilnehmer*innen. Zwar gibt es Fälle, in denen leistungsstarke, geländegängige Fahrzeuge gebraucht werden; in den Städten ist der Besitz eines SUV oder Geländewagens aber nur für ausgewählte Handwerker und Marktbetreiber wirklich nötig. 

Wir sagen daher: Es gibt keine guten Gründe für, aber viele gute Gründe gegen den Besitz eines SUV:  

  • Beitrag zum Klimaschutz,

  • mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer*innen im Straßenverkehr, 
  • genügend Platz für alle in lebenswerten Städten.  

Außerdem können sich alle fragen, ob sie überhaupt ein eigenes Auto brauchen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass hohe laufende Kosten mit dem Besitz eines Autos verbunden sind – die Deutschen zahlen im Schnitt pro Monat 425 Euro für den Unterhalt ihres Pkw und damit doppelt so viel wie sie glauben. Vor allem ist jedes Auto weniger ein positiver Beitrag zu einer lebenswerteren Stadt.

Ein „Stadtgeländewagen“ ist ein Widerspruch in sich und gehört nicht in unsere Innenstädte. Tonnenschwere, überdimensionierte & panzerartige Gefährte stehen im Gegensatz zu lebenswerten Städten und sicherer Mobilität für alle. SUV beanspruchen zu viel Platz in unseren sowieso schon von Autos überquellenden Innenstädten. Diesen Platz brauchen wir für mehr öffentlichen Verkehr, mehr Platz für Menschen, zu Fuß und mit dem Rad. 

Seit 2019 verleiht die Deutsche Umwelthilfe den Negativpreis „Goldener Geier“ für Produkte, die besonders unnötig die Umwelt belasten. Der Gewinner wird von tausenden Verbraucher*innen nominiert und mittels einer Abstimmung gewählt. Im letzten Jahr haben wir uns die „unnötigste Plastik-Verpackung“ vorgenommen und die Vittel-Flasche von Nestlé zu Gewinner gekürt. Ein Umsatzrückgang von zehn Prozent bei Vittel in Europa 2019 spricht für sich. Nun geht der Preis in die 2. Runde und wir suchen dieses Mal „das unsinnigste Auto des Jahres“. 

Mit der Verleihung des „Goldenen Geiers“ wollen wir aufzeigen, wie viel Platz diese großen Autos in unseren Städten einnehmen und wie klimaschädlich sie sind. Denn die CO2-Emissionen des Verkehrssektors in Deutschland sind seit den 1990er Jahren nahezu konstant geblieben, die Pkw-Emissionen sind sogar gewachsen, was wesentlich auf den SUV-Boom zurückzuführen ist. Wenn wir es als Gesellschaft nicht schaffen, den SUV-Boom zu stoppen, ist die Einhaltung der Pariser Klimaziele gefährdet.

Wir wollen demonstrieren: Klimaschutz ist keine Frage der Machbarkeit, sondern eine Frage des Willens und der Verantwortung. Vom SUV-Trend profitieren einzig und allein die Hersteller, denn die Gewinnmargen für Pkw sind nirgends größer als bei SUV. Mit der Auszeichnung wollen wir die Hersteller adressieren und sie in die Verantwortung nehmen nicht mehr auf solche überdimensionierten und klimaschädlichen Autos zu setzen. Gleichzeitig sollen potentielle Käufer*innen dazu angeregt werden, die Notwendigkeit eines SUV in Frage zu stellen. Aber auch die Politik muss aktiv werden! Deshalb richten wir an die Bundesregierung die Aufforderung, SUV Steuerungsinstrumente wie die Kfz-Steuer und die Dienstwagenregelung so zu verändern werden, dass Besitz und Nutzung von Klimakiller-SUV unattraktiv werden; ihre Anschaffung und Ummeldung müssen deutlich verteuert werden.

Die Einschränkungen in der Corona-Krise führen uns klar vor Augen: Überdimensionierte SUV beanspruchen zu viel Raum in den Städten. Raum, der für alle da sein sollte. Denn insbesondere in diesen Zeiten müssen Fußgänger*innen ausreichend Abstand halten können – ohne sich an einem Geländewagen vorbeizudrücken, der die Parkbucht überragt. Gerade jetzt sollen sich Menschen frei mit dem Rad durch die Stadt bewegen können, ohne Angst vor bulligen Stadtpanzern auf derselben Fahrspur haben zu müssen. Darüber hinaus zeigen uns die derzeitigen Einschränkungen, wie wichtig lebenswerter öffentlicher Raum ist und dass wir in den Städten viel zu wenig davon haben.

Die Deutsche Umwelthilfe verleiht dieses Jahr den Negativpreis „Goldener Geier“ an den Hersteller des unnötigsten Geländewagens. Wir wollen damit Druck auf die Hersteller ausüben, die Produktion besonders klimaschädlicher SUV und Geländewagen einzustellen und die Modelle aus der Produktpalette zu entfernen. Dafür braucht die DUH Ihre Unterstützung! Schicken Sie uns Bilder der absurdesten, unnötigsten Stadtpanzer in Ihrer Stadt, um diese für die Abstimmung zu nominieren.

Außerdem würden wir uns freuen, wenn Sie uns mit Ihrer Fördermitgliedschaft bei der Aktion unterstützen!

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