Wir kämpfen für unseren Fisch!

Wir kämpfen für unseren Fisch!

Den tierischen Bewohnern in den europäischen Meeren geht es nicht gut. Viele der europäischen Fischbestände sind überfischt und Verbesserungen in der Bewirtschaftung erfolgen nur schleichend. Die Meeresressourcen gehören uns allen, doch unser Wunsch nach lebendigen Meeren mit nachhaltigen Fischbeständen muss allzu oft den Interessen der Fischereiindustrie weichen. Die Deutsche Umwelthilfe und Our Fish kämpfen dafür, dass sich in der EU und in Deutschland etwas bewegt. 

Halbtot über Bord

© BalticSea2020

Als die neue Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) der EU im Jahr 2014 in Kraft trat, waren und wurden die meisten kommerziell genutzten europäischen Fischbestände überfischt. Fanggrenzen wurden regelmäßig zu hoch angesetzt, so dass die Fischbestände sich nicht kontinuierlich wieder selbst regenerieren konnten. Viele Fische in den europäischen Gewässern, insbesondere aus gemischten Fischereien mit mehreren Arten, wurden ungewollt Teil des Fangs und anschließend tonnenweise tot oder sterbend über Bord geworfen. Auch viele Jungfische teilten dieses Schicksal, was dazu führte, dass sie nicht selbst für neuen Nachwuchs sorgen konnten.

Mit der Reform der GFP gab es Grund zur Hoffnung, dass die Fischerei nachhaltiger werden könnte. Eine Reihe neuer Regelungen traten in Kraft, die die Auswirkungen der Fischerei auf unsere Meeresumwelt minimieren sollten. Die GFP verpflichtet die Mitgliedstaaten, alle kommerziellen Fischbestände so zu bewirtschaften, dass der höchstmögliche Dauerertrag (maximum sustainable yield, MSY) für jeden einzelnen Bestand erreicht werden kann.

Außerdem wurde durch die sog. Anlandeverpflichtung das Rückwurfverbot eingeführt. Damit müssen alle Fische, für die eine Fangmengenbegrenzung oder eine Mindestgröße gilt, mit an Land gebracht werden. Das heißt auch zu kleine Fische, die nicht auf unserem Teller landen dürfen, oder ungewollte, z. B. geschützte Arten, müssen angelandet werden und werden auf die Fangquoten eines jeden Schiffes angerechnet. Sie dürfen nicht für den menschlichen Konsum verkauft werden, sondern werden zu Fischmehl oder -öl verarbeitet.

Die Probleme

Der Wissenschafts-, Technik- und Wirtschaftsausschuss für Fischerei der EU (STECF) kommt zum Schluss, dass die Anlandeverpflichtung in den Mitgliedsstaaten nur unzureichend umgesetzt wird. Offiziell ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) für die Kontrollen dieser Verpflichtung zuständig. Im Jahr 2016 wurden jedoch nur 1,5 Prozent der Fangfahrten auf der Ostsee und 0,7 Prozent auf der Nordsee tatsächlich von Kontrolleuren begutachtet. Viel zu wenig! Logbucheinträge der Beifangmengen weichen stark von den errechneten Beifangschätzungen der Wissenschaftler ab. Offenbar reichen eine eigenverantwortliche Dokumentation der Fischerei und traditionelle Kontrollen auf See nicht aus.

Um vertrauenswürdig Bestandschätzungen der Fischbestände in Nord- und Ostsee abgeben zu können, benötigen Wissenschaftler ausreichend Daten zu den einzelnen Fischarten und ausreichend Wissen über deren Biologie. Denn eine verlässliche Einschätzung tatsächlicher Bestandsgrößen ist extrem wichtig, um nachhaltige Fangquoten festlegen zu können, damit die Fischbestände nicht weiter über ein erträgliches Maß hinaus befischt werden. Trotzdem werden auf EU-Ebene noch immer Fangquoten festgelegt, die oberhalb der wissenschaftlichen Empfehlungen liegen und deshalb noch immer 40 Prozent der Fischbestände, die wissenschaftlich erfasst werden, in den EU-Gewässern überfischt. Das muss ein Ende haben. 

Wie kann Fischerei nachhaltig werden?

  • Nachhaltige Fangquotenfestlegungen nach wissenschaftlichen Empfehlungen 
  • Gerechteres Quotensystem mit Vorteilen für Fischer, die nachhaltig fischen und die Gesetze nachweislich befolgen
  • Unterstützung der Entwicklung selektiver Fanggeräte, damit marine Lebensräume und das Leben darin geschont werden
  • Vollständige Dokumentation aller Fischfänge, damit man endlich weiß, wie viel Fisch tatsächlich aus den Meeren geholt wird, um ein nachhaltigeres Management der Fischbestände zu garantieren

Dies entspricht alles den Regelungen der GFP, auf die sich alle Mitgliedstaaten der EU geeinigt haben. Nun müssen sie ihre eigenen Regeln endlich umsetzen!

Das Wissen über die tatsächlichen Mengen an Fisch, die wir fangen, ist essentiell, um ein nachhaltiges Management überhaupt möglich zu machen. Wenn die Zahlen falsch sind, sind alle Bemühungen, unsere Fischbestände nachhaltig zu bewirtschaften, umsonst.

Kontrollen an Häfen und auf See sind nachweislich nicht ausreichend. Traditionelle Kontrollen werden mit Kontrolleuren an Bord und durch Fischereischutzboote durchgeführt. Elektronische Fernüberwachungssysteme (Remote Electronic Monitoring) ausgerüstet mit Kameras sind preiswerter und viel effizienter als die traditionellen Kontrollmaßnahmen. Zu diesem Schluss kommen auch weltweit durchgeführte Studien, die den Einsatz von Videodokumentationssystemen (CCTV) auf Schiffen getestet haben. Damit ist eine vollständige Standort- und Zeiterfassung der Fischereiaktivitäten auf See möglich. Die modernsten CCTV-Systeme können sogar automatisierte Dokumentationen der Fangzusammensetzung liefern und somit zu einer besseren Datenlage für die Bestandsschätzungen in der Zukunft beitragen. 

Die DUH setzt sich mit Our Fish für nachhaltige Fangquoten, die wissenschaftlichen Empfehlungen folgen, und für umfangreiche Kontrollen des Rückwurfverbotes in Nord- und Ostsee ein.

E-Mail-Aktion gegen Rückwürfe

Aktion: #StopptRückwürfe!

Schluss mit illegalen Rückwürfen im Fischfang!

Jetzt Protestmail schreiben!

Helfen Sie jetzt!

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit für lebendige Meere mit Ihrer Spende oder Meerespatenschaft.

Jetzt helfen

Kontakt

Copyright: Steffen Holzmann

Ulrich Stöcker
Leiter Naturschutz
E-Mail: Mail schreiben

Teilen auf: