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Deutschlands Methan-Problem

Mittwoch, 11.05.2022

Eine Landstraße, irgendwo in Brandenburg. Daneben: Ein riesiger Komplex aus Rohren, Schornsteinen und lautem Gezische. Wir stehen vor einer Kompressorstation. Das ist eine Anlage der Industrie, die fossiles Pipeline-Gas verdichtet, um es mit der gewünschten Dichte und Geschwindigkeit weiter zu transportieren. Hier sind wir einem Klimakiller auf der Spur – Methan. Dieser Hauptbestandteil von Erdgas ist zirka 80 Mal klimaschädlicher als CO2.

© James Turrito/CATF

Die Erdgas-Industrie ist einer der Hauptemittenten des Treibhausgases. Dort entweicht Methan unter anderem über undichte Ventile, aber auch durch beabsichtigtes Ablassen. Gerade die deutsche Branche genießt aber ein „Saubermann“-Image. Wenn von Methan-Leckagen die Rede ist, dann geht es meist um verrostete Pipelines in Russland oder anderen Ländern. Gemeinsam mit der Umweltorganisation Clean Air Task Force hat ein DUH-Team 2021 deutschlandweit Anlagen der Erdgas-Industrie mithilfe einer Spezialkamera untersucht, die das eigentlich unsichtbare Gas sichtbar macht. Die Ergebnisse waren eindeutig: An 15 Standorten mussten wir signifikante Methan-Emissionen feststellen, die das „Sauber“-Image der Branchewiderlegen.

Unzureichende Kontrollen

Die zuständigen Behörden haben wir im Anschluss kontaktiert. Die Antworten: ernüchternd. Keiner der Anlagenbetreiber hatte die Lecks gemeldet. Zwar haben mehrere nach der Kontaktaufnahme der DUH und in Rücksprache mit den Behörden defekte Anlagenteile ausgewechselt oder dies angekündigt. Teils wurden auch häufigere und umfangreichere Kontrollen zugesichert. Doch ein DUH-Rechtsgutachten zeigt: Die Behörden könnten mehr tun und Betreibern verbindliche und regelmäßige Kontrollen ihrer eigenen Infrastruktur vorschreiben. Das ist bisher nicht geschehen. Die Untersuchungen machen zudem deutlich, dass die bestehenden Rechtsgrundlagen alleine auf einer sogenannten „technischen Selbstverwaltung“ basieren, in deren Rahmen sich die Industrie die Vorgaben zur Leck-Vermeidung über das Regelwerk des „Deutschen Vereins des Gas und Wasserfaches“ (DVGW) selbst setzt.

DUH fordert Überarbeitung des Gesetzesrahmens

Diese „Selbstverwaltung“ muss angesichts der dokumentierten Leckagen als gescheitert angesehen werden. Die DUH fordert den Gesetzgeber auf, jetzt Kontrollpflichten nach objektiven Kriterien zu schaffen. Dazu muss das Wirtschaftsministerium insbesondere Änderungen am Energiewirtschaftsgesetz sowie der Gashochdruckleitungsverordnung vornehmen. Beide Instrumente geben in der aktuellen Fassung keine eigenen technischen Anforderungen vor, sondern verweisen lediglich auf das private Regelwerk des DVGW. Um endlich unabhängige Daten zu erhalten, muss das Umweltbundesamt außerdem eine eigene Messkampagne für Methan-Emissionen der Erdgas-Wirtschaft starten. Die DUH wird sich für die schnelle Umsetzung dieser Maßnahmen einsetzen. 

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