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Unsichtbares Gift – wie Pestizide auf unsere Umwelt wirken

In unserer Natur- und Kulturlandschaft ist seit Jahren ein rapider Rückgang der biologischen Artenvielfalt zu beobachten. Besonders trifft es die Gruppe der Insekten, unter ihnen vor allem die Bestäuber, wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Nun kann eine Ursache des starken Rückgangs klar benannt werden: Pestizide mit Namen Neonicotinoide.

Die Landwirtschaft besitzt mit 51,6 Prozent den größten Flächenanteil in Deutschland und ist vor allem industriell geprägt. Große, leichter zu bewirtschaftende Monokulturen dulden keine Feldraine mit Wildkräutern und Hecken in der Flur. Vor allem aber der übermäßige Einsatz von Stickstoff-Dünger und Pestiziden hat einen erheblichen negativen Einfluss auf die biologische Vielfalt. Tier- und Pflanzenarten sind in den letzten 50 Jahren rapide zurückgegangen. Besonders gefährdet sind Insekten. Der Einsatz von Herbiziden vernichtet ihre natürlichen Lebensräume und dringend benötigte Futterpflanzen. Hier sind insbesondere hochspezialisierte Arten betroffen. Das Gift der Insektizide führt zum Tod oder beeinträchtigt ihr Nahrungs-, Flug- oder Paarungsverhalten.

Der Rückgang der Insekten wirkt sich indirekt über die Nahrungskette auch auf andere Lebewesen aus. Verschiedenste Studien stellen beispielsweise einen indirekten Zusammenhang zwischen der Pestizidverwendung in der Umwelt und schwindenden Vogelzahlen fest. Insektenfressende Vögel, wie der Star oder das Rotkehlchen, finden schlichtweg nicht mehr genug Futter. Pestizideinsätze im Frühjahr finden zeitgleich mit dem Laichen vieler Amphibien statt. Die Pestizide werden von Laich und Larven der Amphibien aufgenommen, vermindern etwa die Schlupfrate des Laichs und führen zu Verhaltens- und Gestaltveränderungen der Tiere. Adulte Tiere wiederum werden durch die Aufnahme der mit Pestiziden kontaminierten Nahrung geschädigt.

DUH fordert ein Pestizidreduktionsprogramm auf nationaler Ebene

© Dusko / Fotolia

Das Problem des Artenschwundes lässt sich jedoch nicht nur durch ein Verbot einzelner toxischer Wirkstoffe erreichen – wie bisher geschehen – es braucht vor allem eine Agrarwende hin zu einer naturnahen Landwirtschaft. Wir brauchen ein umfassendes Pestizidreduktions-Programm für Deutschland. Der Pestizidbedarf muss radikal eingeschränkt werden. Maßnahmen, wie ein Anwendungsverbot von Glyphosat  für sensible Flächen, ein Komplettverbot von Neonicotinoiden, aber auch ein verbessertes Zulassungsverfahren für neue Pestizide mit einer ausgeweiteten Prüfung der Toxizität auf unterschiedliche Artengruppen und die Bedingungen im Freiland, müssen Teil des Programms sein. Agrarsubventionen sollten nur noch gegen ökologische und andere gesellschaftliche Leistungen gewährt werden und nicht mehr an die Fläche gebunden sein.

Neonicotinoide sind eine Gruppe von hochwirksamen Pestiziden aus der Untergruppe der Insektizide. Sie alle sind synthetisch hergestellte Wirkstoffe, die als Blattbehandlung, als Beizmittel und zur Bodenbehandlung eingesetzt werden, um den Befall von Nutzpflanzen durch Schädlinge zu verhindern. Bei Aufnahme wirken sie als Nervengift, binden sich an die Rezeptoren der Nervenzellen und stören hier die Weiterleitung von Nervenreizen. Ihr Einsatz soll vor allem den hohen Ertrag an landwirtschaftlichen Produkten sichern, ihre Nebenwirkungen stellen sich aktuell jedoch als fatal heraus. Denn die Wirkstoffe der Neonicotinoide haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert, sind hochkonzentriert und wirken so bereits in kleinsten Mengen. Sie durchdringen die ganze Pflanze bis in die Blüten und Pollen. Hier werden Sie insbesondere von Bestäuber-Insekten aufgenommen, schädigen als Nervengift den Geruchs- und Orientierungssinn der Tiere oder führen zu eingeschränkter Nahrungsaufnahme. Sie haben zusätzlich eine weitere schädigende Eigenschaft: sie sind wasserunlöslich. Das führt dazu, dass die Gifte auch in den Boden gespült werden. Hier bauen sie sich mit einer Verweildauer von bis zu drei Jahren wesentlich langsamer ab als bisher angenommen und gelangen so unkontrolliert in Nachbar-Ökosysteme. Auf diese Weise kann auch ein Blütenparadies jenseits der Felder zur Todesfalle werden. Betroffen sind u.a. Gewässer, Ackerrandstreifen und Naturschutzgebiete. Hier schaden sie direkt auch zahlreichen höher entwickelte Arten, darunter Fische und Säugetiere.

Efsa-Studie bestätigt Gefährlichkeit der Neonicotinoide

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) bestätigte im Februar 2018 mit ihren Untersuchungen zu neonicotinoidhaltigen Pestiziden, wovor Umweltverbände, wie die Deutsche Umwelthilfe, schon lange warnen: Insekten, vor allem Bestäuber wie Hummeln, Bienen und Schmetterlinge sind durch Pestizide – hier vor allem durch die Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam – stark gefährdet. Mit der Auswertung von über 700 Studien konnte die aus 2013 bereits durchgeführte Risikobewertung nun abgeschlossen werden. Die Ergebnisse verstärken den Handlungsdruck auf die Politik, Neonicotinoide neu zu bewerten. Die EU-Kommission und auch die Mitgliedsstaaten hatten unlängst Entscheidungen zu möglichen Teilverboten vertagt.

Ein endgültiges Verbot von Neonicotinoiden ist also dringend notwendig und kann im Frühjahr 2018 auf EU-Ebene erreicht werden. Dann beraten und stimmen EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten über die Zukunft der toxischen Wirkstoffe ab. Helfen Sie mit und unterstützen Sie unseren Aufruf an die designierte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

E-Mail-Aktion für Schmetterlinge

Aktion: Schluss mit giftigen Pestiziden!

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Kontakt

Peer Cyriacks
Stellvertretender Leiter Naturschutz
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Urkunde und Samentütchen für Schmetterlingspaten
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