Klimaschutz zu Hause

Was ist Ökodesign? Warum Produkte eine umweltgerechte Gestaltung brauchen

Wenn wir uns ein neues Elektrogerät zulegen, sollte es vor allem funktional sein. Das gilt für Staubsauger ebenso wie für Spielekonsolen. Selten achten wir dabei auf eine umweltgerechte Gestaltung der Produkte. Wir klären, was sich hinter dem sogenannten „Ökodesign“ verbirgt und wie es uns im Alltag nützt.

Haltbarkeit, Reparaturfähigkeit, Rohstoffeinsatz – dies sind nur drei der vielen Komponenten, die die Umweltauswirkungen eines Produktes bestimmen. Wie umweltgerecht ein Produkt einmal sein wird, wird zu großen Teilen bereits vor seiner Herstellung festgelegt. Schon in der Konzeptionsphase fallen Entscheidungen etwa über das Design oder die Langlebigkeit. In Europa zielt die Ökodesign-Richtlinie auf die allgemeine Umweltverträglichkeit von Produkten und eine verbesserte Energieeffizienz ab. Dabei wird durch verbindliche Mindeststandards der gesamte Lebenszyklus berücksichtigt. Von der Entwicklung und Herstellung über die Nutzungsphase bis zum Recycling und der Entsorgung.

Nicht nur Unternehmen profitieren von der Richtlinie, wenn ihnen ihre umweltgerechteren Produkte Wettbewerbsvorteile bringen. Auch die Verbraucher haben durch niedrigere Strom- und Wasserverbräuche am Ende mehr Geld im Portemonnaie. Auch ein leiserer Motor oder weniger Schadstoffe sind Folge der Ökodesign-Richtlinie.

Die Auswahl der Produktarten und Festlegung der konkreten Mindeststandards erfolgt auf EU-Ebene in einem systematischen, öffentlichen Verfahren. Dies geschieht auf der Grundlage fundierter wissenschaftlicher Untersuchungen in enger Abstimmung mit Industrie, Umwelt- und Verbraucherschutz-Organisationen sowie den Mitgliedsstaaten. Hersteller erhalten dabei ausreichend Zeit für die notwendigen Anpassungen und profitieren von europaweit einheitlichen Standards. Berücksichtigt werden Warengruppen, die Auswirkungen auf den Energieverbrauch, ein erhebliches Marktvolumen und ein hohes Potenzial zur Verbesserung der Umweltverträglichkeit haben. Das sind beispielsweise Fernseher, Computer, Spielekonsolen, Ladegeräte, Lampen, Staubsauger, Geschirrspülmaschinen, Wäschetrockner, Raumheizgeräte und Warmwasserbereiter.

Das Ergebnis dieses Prozesses sind EU-Verordnungen zu den einzelnen Produktgruppen, die unmittelbar in allen Mitgliedsstaaten gelten, oder alternativ Selbstverpflichtungen der Industrie. Wo dies sinnvoll ist, werden sie durch Energieeffizienzlabel ergänzt. Mit ihrer Hilfe können sich Verbraucher gezielt für die sparsamsten Geräte entscheiden.

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Die Kombination aus Ökodesign-Standards und Energieeffizienzkennzeichnung gilt als die wirkungsvollste EU-Politik zur Erreichung der Europäischen Energieeffizienzziele für 2020. Nach der letzten Folgenabschätzung der Europäischen Kommission wird der Energieverbrauch von Produkten im Jahr 2020 durchschnittlich um 18 Prozent niedriger sein als ohne die Regelungen. Privathaushalte werden dadurch in 2020 um durchschnittlich 490 Euro jährlich entlastet, die Summe der europaweiten Einsparungen pro Jahr entspricht dem jährlichen Energieverbrauch von Italien. Dazu tragen auch viele vermeintlich kleine Effizienzsteigerungen bei, die in ihrer Summe europaweit beachtlich sind.

  • Waschmaschinen: Seit Dezember 2013 müssen sie mindestens die Energieeffizienzklasse A+ erreichen und ein sparsames 20-Grad-Waschprogramm besitzen. Außerdem gelten Höchstgrenzen für den Wasserverbrauch.
  • Staubsauger: Ihr jährlicher Stromverbrauch muss seit September 2014 weniger als 62 kWh/Jahr und die Nennleistungsaufnahme weniger als 1.600 Watt betragen. Damit dies nicht auf Kosten der Reinigungsleistung geht, müssen sie Mindeststandards für die Staubaufnahme erfüllen. Diese Bedingungen werden ab September 2017 verschärft. Ab diesem Zeitpunkt gelten zudem Höchstgrenzen für die Staubemissionen und die Lautstärke der Geräte und Mindestanforderungen für die Haltbarkeit von Motor und Schlauch.
  • Stromverbrauch von Haushalts- und Bürogeräten im Standby- und Aus-Zustand: Seit 2013 darf die Leistungsaufnahme dieser Geräte im Aus- und im Bereitschafts-Zustand 0,50 Watt nicht überschreiten (bzw. 1,0 Watt im Bereitschafts-Zustand, falls das Gerät eine Informationsanzeige besitzt). Bei der Auslieferung muss eine Funktion zur Verbrauchsminimierung aktiviert sein, die das Gerät automatisch in einen der oben genannten Stromsparzustände versetzt, wenn es nicht genutzt wird. Dadurch vergeuden Geräte keinen Strom, während sie überhaupt nicht genutzt werden. Seit 2015 gelten auch für vernetzte Geräte Höchstgrenzen für den Stromverbrauch im Ruhezustand.

Die Ökodesign-Richtlinie wird regelmäßig populistisch als Sinnbild für die Regulierungswut von Eurokraten missbraucht. Der Vorwurf: Brüssel mische sich zu sehr in den Alltag der Bürger ein, schränke ihre Auswahlfreiheit ein und verursache steigende Gerätepreise.

Ein Beispiel dafür war die hitzige öffentliche Debatte über die Beschränkung der Leistungsaufnahme von Staubsaugern auf maximal 1.600 Watt. Jahrzehntelang wurden Staubsauger in erster Linie über hohe Watt-Zahlen vermarktet, nach dem Motto: je mehr Leistung, desto besser. Doch wie gründlich ein Staubsauger arbeitet, hängt weniger von der Leistungsaufnahme als vom Produktdesign ab. Dies bestätigen regelmäßige Untersuchungen der Stiftung Warentest.

Aufgrund der neuen EU-Regelungen haben die Hersteller inzwischen sämtliche Komponenten der Geräte optimiert und große Energieeinsparungen bei gleicher oder verbesserter Reinigungsleistung erreicht. Auch die Höchstgrenzen für den Stromverbrauch von Haushaltselektronik im Stand-by- und Auszustand vermeiden unnötigen Stromverbrauch, ohne die Funktionalität und den Komfort einzuschränken.

Es werden von vorneherein nur solche Regelungen beschlossen, die für Verbraucher keine steigenden Gesamtkosten (Anschaffungspreis + Stromkosten über die Lebensdauer) verursachen.

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Leiterin Verbraucherschutz
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