Auf einer Bank steht eine Mehrwegtüte und daneben liegt ein Stapel Plastiktüten.
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Problem Plastiktüte

Etwa 1 Billion Stück – so viele Plastiktüten verbrauchen wir jährlich weltweit. All diese Tüten aneinandergelegt würden unsere Erdkugel am Äquator 10.000 Mal umrunden.  Für die Natur ist diese Plastik-Flut eine Katastrophe. Nur ein Bruchteil der  in Europa verbrauchten Plastiktüten wird recycelt. Etwa 90 Prozent landen auf Mülldeponien, wo sie dann vor sich hin rotten oder schlimmer noch: von dort durch den Wind ins Meer gelangen.

In Deutschland werden pro Kopf und Jahr 76 Plastiktüten verbraucht (Quelle: GfK), das macht 11.700 Tüten pro Minute! Deutschland gehört damit neben Italien, Spanien und Großbritannien zu den absoluten Spitzenreitern beim Verbrauch von Plastiktüten. Bis diese vollständig zerfallen sind, benötigen sie je nach Kunststoff und Dicke zwischen 20 und 100 Jahre.

Was hat die Tüte mit dem Klima zu tun?

Die meisten Plastiktüten bestehen derzeit aus fossilem Rohöl. Dieses Öl lagert seit Jahrtausenden in unserer Erde. Im Gegensatz zu erneuerbaren Energiequellen sind fossile Rohstoffe jedoch endlich. Jede neue Plastiktüte kostet damit Ressourcen eines immer kleiner werdenden Vorrats. Hinzu kommt die Belastung des Klimas durch CO2-Emissionen. Sie entsteht bei der Produktion der Tüten. Denn aus Rohöl Plastik zu machen, kostet Energie, ebenso wie der Transport – das alles verursacht den Austoß des Treibhausgases CO2; das wiederum heizt den Klimawandel an. Der globale Jahresverbrauch aller Plastiktüten verursacht geschätzt 31 Millionen Tonnen CO2.

In Europa wird nicht einmal jede zehnte Plastiktüte recycelt, wodurch die Rohstoffe bei neun von zehn Plastiktüten verloren gehen. Besonders schädlich sind achtlos weggeworfene Tüten für unser empfindliches Ökosystem. Bereits jetzt ersticken unsere Ozeane im Plastikmüll.

Wussten Sie, dass...?

Die 3 häufigsten Irrtümer bei Plastiktüten

Irrtum 1: Ausgediente Plastiktüten als Müllsäcke zu benutzen, ist umweltfreundlich.
Die Wahrheit: Supermarkttüten aus Plastik sind kein guter Ersatz für Mülltüten. Der Grund: Plastiktüten aus dem Handel müssen reißfester sein und sind somit besonders dick. Mülltüten für den Abfallbehälter sind dagegen viel dünner. Deshalb verbrauchen Plastiktüten aus dem Supermarkt viel mehr Ressourcen. Wenn man eine Einweg-Plastiktüte gekauft hat, dann sollte diese so lange wie möglich genutzt und dann im gelben Sack entsorgen werden.

Irrtum 2: Kompostierbare Plastiktüten sind besonders umweltfreundlich und bauen sich überall in der Natur ab.
Die Wahrheit: Biologisch abbaubare Plastiktüten werden in der Regel aus landwirtschaftlichen Nutzpflanzen hergestellt und haben durch den Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und Düngemitteln hohe Umweltauswirkungen. Die meisten biologisch abbaubaren Plastiktüten bauen sich unter industrietechnischen Bedingungen ab, jedoch nicht in der Natur, auf dem Heimkompost oder im Meer.
Bioplastiktüten werden regelmäßig aus der Biotonne aussortiert, weil sie sich nicht so schnell zersetzen wie der normale Bioabfall. Deshalb können Plastikreste im Kompost übrig bleiben. Im Gelben Sack sollte man diese Tüten auch nicht entsorgen, denn es gibt für kompostierbare Kunststoffe keine Sortiergruppe und sie landen in der Verbrennung. Die beste Alternative sind Mehrweg-Taschen.

Irrtum 3: Die Papiertüte ist eine umweltfreundliche Alternative zur Plastiktüte und sollte stattdessen gekauft werden.
Die Wahrheit: Die Papiertüte ist keine umweltfreundliche Alternative. Um dieselbe Reißfestigkeit wie Plastiktüten zu haben, sind sie fast doppelt so schwer. In der Herstellung verbrauchen Papiertüten deshalb mehr Ressourcen als ihre Pendants aus Plastik: Energie, Wasser und Chemikalien. Ihre Nutzungsdauer ist mit 25 Minuten genauso kurz wie die von anderen Wegwerftüten. Einziger Vorteil ist der problemlose Abbau in der Natur. Aber dort sollten grundsätzlich keine Einwegtüten landen.

Mehrweg-Taschen sind erste Wahl

Einkaufstüte ist nicht gleich Einkaufstüte. Da wären zum einen die Plastiktüten, wie man sie aus dem Supermarkt kennt. Sie sind die klassischen Einweg-Modelle und oft nur kurze Zeit im Einsatz. Das gilt auch für die sogenannten „Hemdchen-Beutel“. Besonders dünne Tüten, die in der Obst- und Gemüseabteilung bereitgestellt werden. Sie überleben manchmal gerade so den Gang zur Kasse. Im Gegensatz zu den Einweg-Tüten sind Mehrwegtaschen besser verarbeitet und können hunderte Male genutzt werden. Zwischen Einwegtüten und Mehrwegtaschen gibt es deutliche Unterschiede bei den Umweltauswirkungen. Die Verwendung eines einzigen Mehrweg-Beutels kann hunderte Einweg-Plastiktüten einsparen. Das verhindert unnötige Rohstoff- und Energieverbräuche und vermeidet Abfälle.

Kontakt

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Thomas Fischer
Leiter Kreislaufwirtschaft
Tel.: 030 2400867-43
E-Mail: fischer@duh.de

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