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Die Bechsteinfeldermaus: Richtung Beute durch die Nacht

Als nachtaktive Jägerin ist die Bechsteinfledermaus im Wald unterwegs. Sie braucht nur ein kleines Revier. Weil die Art ihren Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland hat, tragen wir besondere Verantwortung für ihr Überleben.© Dietmar Nill

Im April, wenn die Tage endlich wieder länger und wärmer werden, endet der Winterschlaf der Bechsteinfledermaus. Seit Oktober hat sie geruht. Gut versteckt und vor Frost geschützt, hat sie den Winter in alten dicken Bäumen oder an der Wand einer Höhle verbracht. Im Frühjahr dreht sich nun alles um den Nachwuchs. In einer ruhigen und sonnigen Baumhöhle richtet das Weibchen eine Wochenstube ein. Oft liegen mehrere dieser Höhlen nebeneinander und bilden einen Wochenstubenverband, in dem bis zu 30 Weibchen ihre Jungen gemeinsam aufziehen.

Gepaart hatten sich die Fledermäuse bereits im Herbst des Vorjahres. Danach schloss sich eine Keimruhe an und erst im Frühling reift der Nachwuchs im Mutterleib. Mitte Juni bis Mitte Juli bringt das Weibchen nur ein Junges zur Welt. Die Männchen sind an der Aufzucht nicht beteiligt. Nach vier Wochen sind die kleinen Fledermäuse selbständig und können fliegen.

Totholz ist lebensnotwendig

Die Bechsteinfledermaus bewegt sich in einem Umkreis von kaum mehr als 30 Kilometern. Dabei wechselt sie häufig ihr Quartier und ist deshalb auf abwechslungsreich gegliederte Naturwälder und Streuobstwiesen mit einer hohen Anzahl an Baumhöhlen angewiesen. Vor allem Buchen, Eichen und Hainbuchen bieten geeignete Reviere.

Als typischer Waldbewohner bewegt sie sich nur selten aus dem Schutz der Bäume heraus. Zu sehen ist die Bechsteinfledermaus kaum. Die Tage verbringt sie in ihrer Baumhöhle. Die Körperfunktionen sind heruntergefahren, fast scheint sie in einem kurzen Winterschlaf zu sein.

© Dietmar Nill© Dietmar Nill

Erst nach Sonnenuntergang kommt sie aus ihrem Schlafquartier hervor. Sie putzt ihr Fell und durchknetet zur besseren Durchblutung ihre Flughaut. Dann setzt sie zu ihrem Nachtflug an. Geschickt bewegt sie sich zwischen Büschen und Bäumen und erbeutet Insekten und Spinnen. Ihre großen Ohren hören für den Menschen nicht wahrnehmbare Echolaute. Mit Hilfe kurzer Ultraschall-Rufe und ihres Gehörsinns ist die Bechsteinfledermaus auch in der Lage, Beutetiere zu orten, die auf Blättern oder dem Boden sitzen. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören Schmetterlinge, Mücken, Fliegen und Spinnen.

Die Fledermaus ist übrigens zu Ehren von Johann Matthäus Bechstein benannt, einem Thüringer Naturwissenschaftler, der sich bereits im 19. Jahrhundert für den Naturschutz einsetzte.

© Dietmar Nill© Dietmar Nill

Steckbrief

Name: Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)

Verwandtschaft: In Deutschland sind 25 Fledermausarten nachgewiesen. Die Bechsteinfledermaus zählt zur Gattung der Mausohren.

Aussehen: Mit einer Länge von max. 5,5 Zentimetern und einem Gewicht von 7 bis 12 Gramm zählt sie zu den mittelgroßen Fledermausarten. Ihr Rückenfell ist braun bis rötlich, das Bauchfell hellgrau. Besonderes Kennzeichen sind die großen, nackten Ohren, die bis zu 2,5 Zentimeter lang werden.

Verbreitung: Außer im hohen Norden ist die Bechsteinfledermaus in ganz Deutschland verbreitet. Größere Vorkommen sind in Nordbayern, Baden-Württemberg und Hessen dokumentiert. Der weltweit wichtigste Verbreitungsraum der Art liegt in Deutschland. Sie kommt aber auch in Zentral- und Westeuropa bis ins südwestliche Asien vor.

Nahrung: Zu ihrer Beute gehören kleine Insekten wie Fliegen, Mücken und Nachtfalter. Ihre Nahrung fängt sie während der Nacht entweder im Flug oder liest sie von der Vegetationsoberfläche auf.

Lebensraum: Naturnah bewirtschaftete Laubmischwälder mit alten Bäumen und viel Totholz sind ein idealer Lebensraum für die Bechsteinfledermaus.

Gefährdung und Schutz: In Deutschland gilt die Bechsteinfledermaus als stark gefährdet. Wie so oft haben der Verlust naturnaher Wälder, die Entfernung von Totholz und der Nahrungsmangel durch intensive Forstwirtschaft zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen der Art beigetragen. Der Erhalt von Laubmischwäldern mit Totholz und höhlenreichen Bäumen dient deshalb ihrem Schutz. Die Art steht in ganz Europa unter Naturschutz.

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