Zu viel Stickstoff ist giftig!

Stickstoff - Die vergessene Gefahr

Ohne Stickstoffverbindungen geht gar nichts auf unserem Planeten. Sie sind Grundbausteine des Lebens, zum Beispiel für die Erbsubstanz DNA oder für Proteine, aus denen unsere Muskeln und unsere Haut aufgebaut sind. Stickstoff in schädlichen Verbindungen zählt aber auch zu den größten Umweltbedrohungen unserer Erde. Was wir dagegen tun können? Politischen Druck machen. Und weniger Fleisch essen, weniger Lebensmittel wegwerfen und keinen Diesel fahren!

Reaktive Stickstoffverbindungen wie Ammoniak (NH3), Stickstoffmonoxid (NO), Stickstoffdioxid (NO2) und Lachgas (N2O), Ammonium (NH4+) und Nitrat (NO3-) sind in der Natur ein kostbares Gut. Durch den Menschen gelangt jedoch zu viel davon in die Umwelt. Dieser Überschuss vergiftet Seen und Flüsse, schadet der Gesundheit, verändert Böden, zerstört die biologische Vielfalt und heizt den Klimawandel an. Stickstoffverbindungen kommen als Dünger auf Äcker und Wiesen, entströmen Dieselmotoren, Kohlekraftwerken und den Ställen der Massentierhaltung. Sie erscheinen wie eine Zivilisationskrankheit: Überall dort im Übermaß vorhanden, wo die Industrie produziert und Menschen massenhaft konsumieren.

Algenblüte in der Ostsee. Folge des Überangebots von pflanzlichem Plankton im Sommer.© ESA

Weniger ist mehr

Fleisch, Wurst, Eier und Milchprodukte vergrößern den Stickstoff-Fußabdruck eines jeden Menschen. Deshalb sind wir uns mit Ernährungswissenschaftlern einig: Fleisch gehört nur noch selten auf den Speiseplan. Jeder einzelne Verbraucher kann seinen Anteil am Stickstoffüberschuss senken, wenn er und sie weniger tierische Produkte essen. Konsumenten können mit ihrer Kaufentscheidung zeigen, dass sie umweltschädliche und naturzerstörerische Tierhaltung nicht unterstützen. Wir packen es dort an, wo wir es steuern können: mit nachhaltigem Konsum, wertschätzendem Umgang mit Lebensmitteln, umweltschonender Mobilität und Energienutzung. Kleiner Fußabdruck – hohe Lebensqualität. Und wir fordern die Politik auf, den Wandel mit zu gestalten.

Stickstoff entsteht auch bei der Verbrennung von Stein- und Braunkohle, Benzin, Kerosin und Diesel. Hohe Luftbelastung mit Stickstoffdioxid (NO2) in zahlreichen Städten wird vor allem durch Emissionen von Dieselfahrzeugen verursacht. Das unsichtbare Gas aus den Dieselmotoren schädigt Lungen und das Herz-Kreislaufsystem und trägt zur Bildung von Bodenozon und sekundärem Feinstaub bei. Die DUH hat das „Recht auf saubere Luft“ vor dem Europäischen Gerichtshof erkämpft und setzt sich in zahlreichen Klagen für wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität ein. Die DUH lässt daher auch nicht locker, bis der Dieselbetrug in der Automobilindustrie vollständig aufgeklärt ist. Die Verringerung der Stickstoffbelastung hat doppelten Vorteil – für unsere Gesundheit und für den Klima- und Naturschutz.

Unsere Erde kann nicht mehr

Es wird ein langer Prozess, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft umzubauen und den Stickstoffüberschuss deutlich zu senken. Die DUH unterstützt daher die Absicht der Bundesregierung, eine Nationale Stickstoffstrategie auf den Weg zu bringen und sie begleitet diesen Weg kritisch. Im Dialog mit den Verantwortlichen aus den Ministerien für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Umwelt sowie mit den Vertretern aus den Verbänden der Landwirtschaft, Autoindustrie und der Energiewirtschaft müssen Lösungen gefunden werden. Das Ziel: Klare Vorgaben und ein Plan für effiziente Umsetzung. Die planetaren Grenzen der Belastbarkeit dulden keinen Aufschub. 

UBA Erklärfilm: Stickstoff - ein komplexes Umweltproblem

Stickstoff-Quellen

© countrypixel/Fotolia

Die Agrarindustrie bringt seit Jahrzehnten viel mehr Stickstoff aus, als Böden und Pflanzen aufnehmen können. Denn sie produziert einerseits in der Massenhaltung von Schweinen, Rindern und Hühnern Millionen Tonnen an reaktiven Stickstoffverbindungen über die Gülle und bringt diese auf die Äcker und Wiesen aus. Der Stickstoffüberschuss ist seit den 1960er Jahren auch durch die Anwendung industriell hergestellten Kunstdüngers rasant angestiegen.

Die Landwirtschaft ist Hauptverursacher der Stickstoffeinträge in Oberflächenwasser – dazu zählen Flüsse, Seen, Übergangs- und Küstengewässer. Über den Wasserkreislauf gelangen die Einträge auch in das Grundwasser – unsere wichtigsten Trinkwasserquelle. Doch ein Viertel der Grundwasservorkommen in Deutschland sind aufgrund hoher Nitratgehalte in einem schlechten Zustand. Das führt zu deutlichen Auswirkungen bei der Trinkwassergewinnung.  Die EU Kommission hat Deutschland wegen anhaltender Missachtung der Nitratrichtlinie nun vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt.

Über die Ammoniakemissionen ist die Landwirtschaft auch erheblich an der Luftverschmutzung beteiligt: 95 Prozent der Ammoniakemissionen (NH3) und 79 Prozent des Lachgases (N2O) stammen aus der Agrarwirtschaft. Ammoniak wird zu sekundärem Feinstaub, Lachgas heizt den Klimawandel 300-mal stärker an als CO2.
 

© Rolf Handke/ pixelio

Trotz eines Rückgangs der Stickstoffoxidemissionen ist der Verkehrssektor mit einem Anteil von 40% weiterhin der mit Abstand größte Verursacher. Insbesondere an stark befahrenen Straßen in Städten und Ballungsräumen werden gesundheitsschädliche Stickstoffdioxidkonzentrationen (NO2) erreicht und Grenzwerte überschritten. Neben unmittelbaren Auswirkungen auf Atmungsorgane und das Herz-Kreislaufsystem trägt NO2 zur Bildung von bodennahem Ozon und sekundärem Feinstaub bei und verstärkt die negativen Effekte dieser gesundheits- und klimaschädlichen Luftschadstoffe. Gleichzeitig führt NO2 zur Überdüngung und Versauerung von Böden und schädigt Ökosysteme.

© rclassen/Fotolia

Stationäre Feuerungsanlagen sind neben dem Verkehr eine der Hauptquellen der Emission von Stickstoffoxiden (NOx). Treiber ist der Energiehunger von Industrie, Gewerbe, Handel und Privathaushalten. Die Emissionen stammen vor allem aus den Großfeuerungsanlagen der Energiewirtschaft, den Kraftwerken der Strom- und Wärmeerzeugung: Die Verbrennung von Stein- und Braunkohle verursacht hierbei den größten Anteil. Doch auch produzierendes Gewerbe sowie Handel, Dienstleistung und Haushalte tragen dazu bei. Eine schrittweise Reduktion der fossilen Stromerzeugung im Rahmen der Energiewende wird die Stickstoffoxidemissionen langfristig stark senken; besonders ineffiziente Kohlekraftwerke müssen zuerst vom Markt genommen werden.
Seit 2000 steigen die Emissionen im Sektor Energiesektor wieder an – verantwortlich ist vor allem die Energiegewinnung aus Biomasse – ihr Anteil lag 2012 bereits bei 21 Prozent. Die erhebliche Nachfrage nach Biomasse zur Strom- und Wärmeerzeugung, als Kraftstoff oder Rohstoff in der Industrie führt zu einer bedenklichen Entwicklung in der Landwirtschaft.

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Grafik Stickstoff-Überschuss

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Amrei Münster
Referentin Verkehr und Luftreinhaltung
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