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Lebendige Flüsse: Natürlicher Schutz vor Überflutung

Am breiten wilden Fluss – der ökologische Hochwasserschutz

Ein lebendiger Fluss mit natürlichen Ufern schafft Lebensraum für Tausende Tiere und Pflanzen. Naturnahe Flüsse mit ihren Auen gehören deshalb in Deutschland zu den Hotspots der biologischen Vielfalt. Und lebendige Flüsse sind der beste Schutz für den Menschen vor Hochwasser. 

Schwarzstorch, Fischotter, Moorfrosch, Azurjungfer und Äsche – an und in einem lebendigen Fluss mit weitem Ufer leben tausende Tier- und Pflanzenarten. Allein im Naturraum Mittelelbe finden 8.500 Tier- und Pflanzenarten in den Böschungen, Abbruchkanten, Tümpeln, Flussschleifen, Kiesbänken und angeschwemmten Bäumen einen idealen Lebensraum. Auen gehören daher zu den Hotspots der biologischen Vielfalt, im europäischen Maßstab vergleichbar mit der überwältigenden Biodiversität am Amazonas.

© Silvio Heidler
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Fischotter© Flussbüro Erfurt
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Doch nur noch ein Prozent der natürlichen Auen sind in Deutschland erhalten. In der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt hat sich die Bundesregierung 2007 verpflichtet, Auen zu revitalisierenund Tieren und Pflanzen an und in Gewässern einen Lebensraum zu verschaffen. Passiert ist wenig, Bund und Länder setzen die Nationale Biodiversitäts-Strategie kaum um.

Die Deutsche Umwelthilfe erinnert Politik und Verwaltung an die Verpflichtungen, die sich für Mensch und Natur daraus ergeben. Dabei arbeitet die DUH mit dem Ansatz eines Ökologischen Hochwasserschutzes: Auen schützen die Zivilisation vor Hochwasser, Tiere und Pflanzen können in der ganzen Vielfalt am natürlichen Fluss frei wachsen.

Auenlandschaften aus Wiesen, Weiden und sich windenden Flussarmen: Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen und zugleich Schutz vor Hochwasser.© frankblum - Fotolia

Die Natur bietet oft die besten Lösungen

An naturnahen Flüssen flutet das Hochwasser Wiesen und Auwälder, anstatt durch Städte und Gewerbegebiete zu rauschen. Oder die Flut bleibt zumindest niedriger. Das haben die Bewohner von Schnackenburg an der Elbe erlebt. Beim Hochwasser 2011 blieb der Pegelstand der Elbe 20 Zentimeter unter dem höchsten Pegel der Flut von 2006. Denn in der Zwischenzeit hatte das Land Brandenburg einen der Elbdeiche bei Lenzen geschlitzt, so dass der Fluss mehr Platz zur Ausdehnung bis zu einem neuen, weiter im Inland liegenden Deich hatte.

„Die Länder nehmen für den Hochwasser- und Gewässerschutz viel öffentliches Geld in die Hand. Doch es ist nur dort gut angelegt, wo die Natur konsequent mitbedacht wird.“
Sabrina Schulz, Projektmanagerin bei der Deutschen Umwelthilfe

Die DUH hat die Deichrückverlegung an der Elbe von der Idee bis zum Baggerstich vorangetrieben. Es war ein langer Weg, auf dem wir uns ein breites juristisches und technisches Wissen aufgebaut haben. Das nutzen wir nun politisch an anderen Flüssen.

  • Wir holen alle Beteiligten in ein Boot, um das Konzept des ökologischen Hochwasserschutzes zu vermitteln. Die Widerstände dagegen sind groß, erst langsam lernt die Gesellschaft, dass uns die Vielfalt in der Natur stärkt und nicht das technische Korsett.
  • Wir reden mit Beamten der zuständigen Wasserbaubehörden und mit Landwirten, deren Äcker für den Hochwasserschutz benötigt werden.
  • Wir sprechen mit den Menschen von Tourismusverbänden, Anglern, Jägern, Schiffern und mit Bürgermeistern der Gemeinden an den Flüssen.
  • Wir erläutern, dass der technische Hochwasserschutz mit höheren Deichen nicht ausreichen wird. Im Klimawandel wird der Mensch mit den neuen Wetterereignissen wie Dürre, Hitze, Sturm und eben auch Fluten umgehen können, wenn die Natur mehr Freiraum bekommt.

Auen als natürlicher Schutz gegen Überflutung

Unsere Erfahrung im ökologischen Hochwasserschutz und in der bürgernahen Vermittlung der neuen Hochwasserschutzpolitik versuchen wir in die Gewässerpolitik der Länder und des Bundes einzubringen. Die DUH unterstützt Politik und Verwaltung unter anderem darin, die EU-Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen. Sie verpflichtet Deutschland, alle Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen. Die erste Frist für dieses Ziel ist 2015 bereits verstrichen.

Gewässer in Thüringen heute: Deiche bis an den Gewässerrand, die an manchen Stellen landwirtschaftliche Flächen besser vor Hochwasser schützen als die Ortschaften. © DUH / Sabrina Schulz

In Thüringen hat das Umweltministerium sein Programm für die Flüsse nachgebessert. Das Land wird nicht mehr nur rein technisch gegen Hochwasser rüsten, sondern auch Auen als natürlichen Schutz entwickeln. Die DUH begleitet den Ansatz in der Umsetzung. Ein Modellprojekt für den ökologischen Hochwasserschutz an der Weißen Elster bei Bad Köstritz soll zeigen, wie es gehen kann. Ein vom Fluss abgetrennter Altarm der Weißen Elster wird wieder mit dem Fluss verbunden. Steigt der Wasserstand, kann der Fluss in den Altarm ausweichen. Bis es soweit ist, fließt aber noch viel Wasser die Weiße Elster hinunter in die Elbe.

Ein lebendiger Fluss schafft durch Flussschleifen, Altarme und natürlich bewachsene Ufer Rückhalteraum für Hochwasser und zugleich Lebensraum für den Fischotter und viele andere bedrohte Arten.© DUH / Sabrina Schulz

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Kontakt

Copyright: Steffen Holzmann

Ulrich Stöcker
Leiter Naturschutz
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Sabrina Schulz
Projektmanagerin Naturschutz
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