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Das Rhinluch - Rastplatz für 40.000 Kraniche

Um auszuruhen und Kraftreserven zu sammeln, legen die Kraniche für einige Wochen eine Pause auf ihrem Weg nach Süden ein. (Foto: D. Hase)

Nordwestlich von Berlin liegt das Rhinluch: eine von Wiesen und Gräben, den Rhinläufen und deren Seen geprägte Landschaft. Sie lädt Naturfreunde zu Spaziergängen und Beobachtungen ein.

Besonders im Herbst lohnt sich ein Besuch in der einsamen Niedermoor-Landschaft. In der Nähe des Örtchens Linum spielt sich dann allabendlich ein grandioses Naturschauspiel ab. Mit Anbruch der Abenddämmerung sammeln sich Abertausende von Kranichen an ihren Schlafplätzen. Mehr als 40.000 Tiere versammeln sich im Oberen Rhinluch. Es ist der größte Sammelplatz der Kraniche im mitteleuropäischen Binnenland.

Das Rhinluch leidet unter Wassermangel.

Der Kranichrastplatz hat auf Dauer nur Bestand, wenn es gelingt, die Wiesen im Oberen Rhinluch regelmäßig zu überfluten und feucht zu halten. Dies wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Denn Wasser ist knapp in Brandenburg. Klimaforscher sagen für dieses Gebiet sogar sommerliche Dürren voraus. Hinzu kommt, dass das Moor, bedingt durch intensive Landwirtschaft, seine Wasserspeicherfähigkeit weitgehend verloren hat.

Kraniche brauchen Ruhe.

Im Oberen Rhinluch brütete 2005 erstmals ein Kranichpaar erfolgreich. (Altvogel mit Jungtier im Hintergrund) (Foto: D. Hase)

Seiner wachsenden Bekanntheit bei Kranichen und Touristen ist das Gebiet nicht gewachsen, solange die Interessen beider nicht in Einklang gebracht werden. Spaziergänger unterschreiten allzu häufig die Fluchtdistanz der scheuen Großvögel. Durch einen einzelnen unbesonnenen Menschen können Tausende Kraniche in ihrer Ruhe gestört und aufgescheucht werden. Das panikartige Auffliegen verbraucht Körperreserven, die für den Flug in den Süden dringend benötigt werden.

Langfristige Naturschutzstrategien zum Wohl der Kraniche

In einem groß angelegten Projekt wollen die DUH und ihre Partner vor Ort den Rastplatz der Kraniche retten. Dank Spendensammelaktionen in den vergangenen Jahren und  EU-Fördergeldern war es möglich, zehn Hektar Wiesenland zu erwerben. Weitere Grundstückskäufe für die Sicherung als Kranich-Rastplatz sind geplant.

Kraniche sind scheu. Ihre Fluchtdistanz liegt bei 300 m. (Foto: D. Hase)

Doch mit dem Flächenkauf allein kann das Rhinluch nicht gerettet werden.

  • Die erworbenen Flächen müssen regelmäßig vernässt und feucht gehalten werden. Hier werden deshalb die Fachleute vom Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch e.V. Kleingewässer anlegen, die ganzjährig Wasser führen. Amphibien und Kraniche fühlen sich von diesen Wasseroasen magisch angezogen.
  • Genauso wichtig sind Flächenmanagement und die Lenkung der Besucher. Naturtouristen sind überaus willkommen, wenn sie die erforderliche räumliche Distanz beim Beobachten der Kraniche wahren. Wege, Aussichtspunkte und Hinweistafeln wollen wir so gestalten, dass die Besucher zu ihrem Naturerlebnis kommen und die Kraniche zu ihrer Ruhe.
  • Um Schäden in der umliegenden Landwirtschaft zu vermeiden, müssen Helfer die Kraniche mit Ablenkfütterungen von neu eingesäten Feldern fernhalten.
Kranichzug

Hunderttausende Kraniche aus dem Norden Europas ziehen in ihre Überwinterungsgebiete in der spanischen Extremadura und in Nordafrika. Sie fliegen dabei bis zu 1.500 Kilometer an einem Tag. Am Himmel leicht auszumachen ist die prägnante Keilformation.

Insgesamt steuern etwa 40.000 Kraniche pro Saison das Rhinluch als Rastplatz an. Etwa 20.000 Kraniche halten sich gleichzeitig dort auf. Zusätzlich zu diesen Scharen rasten Zehntausende nordische Gänse Abend für Abend an den Linumer Teichen.

Glücksbringer

Mit den Kranichen kehrt das Frühjahr in die skandinavischen Länder zurück und mit ihnen Wärme, Licht und Nahrungsfülle. Die Bezeichnung "Vogel des Glücks" stammt aus Schweden. Als Glücksvogel gilt er auch in Japan. Noch heute ist dort der Brauch verbreitet, zu Hochzeiten oder Geburtstagen gefaltete Papierkraniche als Symbol für ein langes Leben und Gesundheit zu verschenken.

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