Wer wohnt schon gern an der Autobahn?

Umweltgerechtigkeit und Verkehr & Lärm

Stadtteile mit vielen sozial benachteiligten Einwohnern sind häufig stärker durch Lärm- und Luftschadstoffemissionen, wie Stickstoffdioxid und Feinstaub beeinträchtigt sowie schlechter an das Öffentliche Personennahverkehrsnetz (ÖPNV) angebunden. Bessergestellte können dagegen im ruhigeren städtischen Grüngürtel wohnen. Wer in unmittelbarer Nähe zu Hauptverkehrsstraßen wohnt, gefährdet seine seelische und körperliche Gesundheit.

Wer wohnt schon gern an der Autobahn?

Deutschland hat 2010 die EU-Luftqualitätsrichtlinie umgesetzt und strengere Grenzwerte für Luftschadstoffe festgesetzt. Bei Überschreitung dieser Grenzwerte sollen Luftreinhalte- und Aktionspläne helfen, Schadstoffe zu reduzieren sowie Grenzwerte einzuhalten und damit den Gesundheitsschutz zu verbessern. Auch die EU-Richtlinie über Industrieemissionen soll noch umgesetzt werden. Denn Industrie und Verkehr emittieren eine Vielzahl von Luftschadstoffen, wie z. B. Kohlendioxid, Stickoxide, Schwefeldioxid, Ozon, Dieselruß und andere Feinstäube. Klima und Gesundheit leiden, Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen können folgen. Verkehrsreiche Ballungsräume und Industriegebiete sind am stärksten belastet. Sozial Benachteiligte müssen jedoch häufig aus Kostengründen in diesen schwer vermietbaren Wohnlagen bleiben. Diese Gebiete sind weniger attraktiv, es kann zu "Ghettoisierung" kommen.

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Wenig Lärm für alle

Lärm – von Straßen-, Schienen,- Luftfahrzeugen oder von Industrie- und Gewerbeanlagen – geht auf die Nerven und macht krank, verursacht z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Minderung der Lebensqualität betrifft vor allem einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen. Bei (Aus-)Bau von Großprojekten, wie Autobahnen oder Flughäfen, gehen die umliegenden Immobilienpreise in den Keller, wer nicht wegziehen kann, der leidet, besonders nachts. Deutschland hat die Vorgaben der EU-Umgebungslärmrichtlinie national im Bundes-Immissionsschutz¬gesetz verankert. In der Umsetzung sollen Lärmkartierungen und Lärmaktionspläne u. a. durch Geräuschgrenzwerte, Tempolimits, leisere Fahrbahnbeläge, Sanierung von Straßen und Schienen sowie Förderprogramme für Schallschutzwände zur Lärmreduktion beitragen. Norderstedt bei Hamburg zeigt mit seiner Lärmaktionsplanung "Norderstedt. Lebenswert leise", wie das Problem Lärm öffentlichkeitswirksam und unter Einbindung und Mitwirkung der Bevölkerung angegangen werden kann.

Zusammenfassung

Integrative und innovative Konzepte und Maßnahmen zur Lärm- und Schadstoffminderung können die die Wohn- und Lebensqualität von einkommensschwachen Haushalten verbessern. Der Ausbau des ÖPNV sowie die Gestaltung sicherer Fahrrad- und Fußwege erhöhen die Luft- und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Politik und Kommunen sollten Umwelt und sozial Benachteiligte bei (Stadt-)Planung und Entwicklung berücksichtigen und integrieren.

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