"Environmental justice" auf globaler Ebene

Umweltgerechtigkeit international

Mit Beginn der 1980er Jahre gewann in den USA der Themenkomplex "environmental justice" – hierzulande meist mit dem Begriff "Umweltgerechtigkeit" übersetzt – an Bedeutung. Thematisiert wurde im Zusammenhang hiermit in erster Linie die ungleiche Verteilung von Umweltbelastungen auf verschiedene soziale und ethnische Bevölkerungsgruppen.

Hierzulande stand das Thema lange Zeit ungleich weniger im Fokus und fand erst mit Beginn des neuen Jahrtausends den Weg in die öffentliche Debatte. Doch noch immer wird die Problematik häufig nur im Zusammenhang mit anderen Themenfeldern behandelt und zu wenig in politische Entscheidungsprozesse eingebunden.

Umweltgerechtigkeit in Europa

In vielen europäischen Ländern wird das Thema Umweltgerechtigkeit mittlerweile diskutiert. Doch geschieht dies zwischen den einzelnen Ländern auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Verschiedene Themen stehen im Fokus – in Deutschland beispielsweise das Thema „Public Health“ –, und einheitliche Methoden und Zielvorgaben fehlen bisher. Ebenso mangelt es auf EU-Ebene immer noch an einem klar umrissenen Begriff, aktuell wird meist von „justice in environmental matters“ gesprochen. Diese mangelnde Einheitlichkeit erschwert die Abstimmung zwischen Forschern und Politikern verschiedener Länder.

Übereinstimmung zeigt sich in der Frage, welche Institutionen das Thema maßgeblich beeinflussen. So ist der Einfluss von Staat und Wissenschaft in den meisten Ländern noch eher gering. Die Diskussion anführen und tatkräftig vorantreiben, vor allem in der Anfangsphase, tun in erster Linie kommunale Akteure, Verbände und NGOs. Insgesamt befindet sich die Befassung mit dem Thema vorerst im Stadium der Problembeschreibung, Lösungsansätze sind noch rar gesät.

Umweltgerechtigkeit auf globaler Ebene

Meist werden die mit der Umweltgerechtigkeit verwandten Problemfelder in engeren geographischen Grenzen betrachtet. Die Problematik der Missverteilung zwischen Verursachern und Leidtragenden schädlicher Umwelteinflüsse zeigt sich aber auch auf globaler Ebene drastisch. So verursacht ein Bruchteil der Weltbevölkerung den Löwenanteil der Treibhausgasemissionen, während die Folgen der Erderwärmung zum größten Teil die Bewohner der ärmeren Erdregionen tragen müssen. Deren Lebensgrundlage ist in erster Linie die Landwirtschaft. Um auf diese ungleiche Verteilung aufmerksam zu machen und die Emission von Treibhausgasen deutlich zu verringern, hat sich eine eigene Klimagerechtigkeits-Bewegung formiert, die ein Teilbereich der Umweltgerechtigkeit ist.

Auch der Rückgang der Wälder ist ein Beispiel für die ungerechte Verteilung zwischen Verursachern und Leidtragenden. Die für die Interessen der Reicheren abgeholzten Waldgebiete waren Lebensgrundlage für viele Millionen Menschen – zumeist die Ärmsten der Weltbevölkerung. Auch hier trifft es die sozial und politisch schwächeren Bevölkerungsschichten.

Dürre als Folge des Klimawandels.© Johnny B./www.pixelio.de
Abgeholzte Regenwälder zugunsten von Zuckerrohrplantagen - auch global trifft es meist die Ärmsten.© Nadja Fahlke

Zusammenfassung

Die Problematik der Umweltgerechtigkeit ist mittlerweile in Europa angekommen, auch wenn in verschiedenen Ländern verschiedene Schwerpunkte im Vordergrund stehen. Diskrepanzen in der Verteilung schädlicher umweltbedingter Einflüsse ist kein lokales Problem: Auch weltweit existiert eine ungerechte Verteilung von Umweltnutzen und Umweltlasten zwischen Arm und Reich.

Copyright Navigationsbild: Leica
Teilen auf: