Neue Wege der Wertstoffsammlung

Wertstoffsammlung

Am 1. Januar 2013 eröffnete das kommunale Rückkonsumzentrum in Mettlach und führte in Deutschland ein neues Wertstoffkonzept ein, welches sich am Luxemburger Modell SuperDrecksKëscht orientiert. Zuvor hatte die Gemeinde mit 12.300 Einwohnern zum 1. Januar 2012 ein Abfallident- und Verwiegesystem eingeführt, um die Abfallgebühren verursachergerecht umzulegen. In Mettlach werden Restabfälle, Verpackungen, Papier und Bioabfall direkt bei den Haushalten und Glas über Depotcontainer abgeholt. Zu dieser Sammelinfrastruktur bildet das Mettlacher Rückkonsumzentrum das passende Gegenstück.

Der gute Service und die einfache Art der Rückgabe durch ein „Drive-in-Modell“ mit individueller Beratung führen zu hohen Zutrittszahlen: im Schnitt besucht ein Mettlacher Haushalt das Rückkonsumzentrum alle zweieinhalb Monate. Ein Second-Hand-Bereich gibt die Möglichkeit, gebrauchte Gegenstände unkompliziert zu tauschen und macht das Rückkonsumzentrum zu einem Begegnungsort für die Bürger.

Wichtige Voraussetzung für die hohe Akzeptanz des Rückkonsumzentrums bei den Mettlacher Bürgern ist die Stabilität der Abfallgebühren. Dies gelingt durch die sinkende Menge der teuer zu entsorgenden Restabfälle und eine bessere Sammlung der werthaltigen Materialien. Eine wesentliche Besonderheit des Mettlacher Rückkonsumzentrums ist die sortenreine Erfassung der verschiedenen Abfälle in über 40 Fraktionen.

Die getrennte Erfassung ermöglicht höhere Erlöse bei der Vermarktung und eine bestmögliche Nutzung der werthaltigen Stoffe sowie geringere Kosten für die Entsorgung der schadstoffhaltigen Substanzen. Das Mettlacher Wertstoffkonzept trägt zur Ressourcenschonung bei, indem es die Abfallvermeidung fördert und Stoffkreisläufe schließt. Es macht den persönlichen Beitrag für den Umweltschutz nachvollziehbar und steigert so das Vertrauen in die kommunale Abfallwirtschaft.

© Phillip Sommer/ DUH
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Das Rückkonsumzentrum im Vergleich

Durch das neue Abfallbewirtschaftungskonzept konnte die Gemeinde Mettlach das Restabfall- und Sperrmüllaufkommen innerhalb von zwei Jahren von 245 kg auf 116 kg pro Einwohner in 2014 mehr als halbieren. Gleichzeitig konnten zusätzlich zur Gelben-Sack-Sammlung 107 kg Wertprodukte pro Einwohner über das Rückkonsumzentrum separat erfasst werden. Auch die Menge anderer Wertstoffe, etwa Altpapier oder Bioabfall, liegt deutlich über dem deutschen Durchschnitt. Da weniger Restabfall und Sperrmüll verbrannt werden muss und mehr Wertstoffe für ein Recycling zur Verfügung stehen, verbessert sich die Umweltbilanz.

Zu den geringeren Umweltauswirkungen trägt auch die mit 3,8 kg je Bürger überdurchschnittlich hohe Erfassungsquote von Problemprodukten bei. Separat erfasste Problemprodukte reduzieren die Schadstoffmenge im Restabfall und ermöglichen deren umweltgerechte Zerstörung. Mit 11,3 kg pro Kopf liegt auch die Zahl der gesammelten Elektroaltgeräte deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Wie erfolgreich Mettlach bei der Abfallsammlung im Vergleich zu Deutschland ist, zeigt die folgende Tabelle. Die Menge an gesammeltem Glas und Wertstoffen im Gelben Sack ist bisher nicht veröffentlicht, da ihre Abholung privaten Trägern und nicht der Gemeinde obliegt.

Mettlach 2014 Deutschland 2013
Restabfall- und Sperrmüll 116 kg / EW 191 kg / EW
Problemprodukte 3,8 kg / EW 1 kg / EW
Elektroaltgeräte 11,3 kg / EW 7,1 kg / EW
Abfälle aus der Biotonne 76 kg / EW 53 kg / EW
Papier / Karton 84 kg / EW 72 kg / EW

Unsere Arbeit

Das Wertstoffkonzept der Gemeinde Mettlach unterstützt die Wiederverwendung gebrauchter Gegenstände, informiert Bürger aktiv über die Vermeidung von Abfällen und motiviert zu einer besseren Mülltrennung. Das Modell nach dem System SuperDrecksKëscht schafft es, die Menge der zu recycelnden Abfälle zu erhöhen und gleichzeitig die Menge der zu verbrennenden Abfälle deutlich zu reduzieren. Damit trägt es aktiv zur Schließung von Stoffkreisläufen bei. Aus diesem Grund unterstützt die Deutsche Umwelthilfe das Mettlacher Rückkonsumzentrum und fordert Städte und Gemeinden zu dessen Nachahmung auf.

Um die Verbreitung des zukunftsweisenden Wertstoffkonzepts zu fördern, veröffentlicht die Deutsche Umwelthilfe Hintergrundinformationen zum Thema und organisiert Besichtigungen des Rückkonsumzentrums in Mettlach sowie der Zentrale der SuperDrecksKëscht in Luxemburg. Im aktuellen Gesetzgebungsprozess zum Wertstoffgesetz setzen wir uns darüber hinaus deutschlandweit für hohe Standards bei der Vermeidung, Sammlung und dem Recycling von Abfällen ein.

Um Stoffkreisläufe zu schließen und Ressourcen zu schonen, fordern wir:

  • die Städte und Gemeinden zur Nachahmung des Mettlacher Wertstoffkonzeptes auf.
  • den Gesetzgeber zur Festlegung hoher Sammel- und Recyclingquoten und von Maßnahmen zur Abfallvermeidung in einem Wertstoffgesetz auf.

„Revolution der Wertstofferfassung und Abfallvermeidung“

Von den Vorteilen des neuen Wertstofferfassungs- und Abfallvermeidungskonzepts konnten sich Journalisten sowie Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft am 16.9.2015 überzeugen und sich über dessen Funktionsweise informieren. Die eintägige Informationsreise unter dem Titel „Revolution der Wertstofferfassung und Abfallvermeidung“ führte zum kommunalen Rückkonsumzentrum in Mettlach und der Zentrale der SuperDrecksKëscht in Luxemburg. Von den Erfahrungen aus den ersten Betriebsjahren des Rückkonsumzentrums und den außerordentlich positiven Entwicklungen berichtete der Mettlacher Bürgermeister, Carsten Wiemann. Der Direktor des Luxemburger Umweltamtes, Robert Schmit, erklärte, wie sich unter dem Label der „SuperDrecksKëscht“ die Luxemburger Abfallwirtschaft zu einer Rückkonsumwirtschaft entwickelt hat.

Weiterführende Links

Copyright: Heidi Scherm

Thomas Fischer
Leiter Kreislaufwirtschaft
Tel.: 030 2400867-43
E-Mail: fischer@duh.de

Copyright: Heidi Scherm

Philipp Sommer
Stellvertretender Leiter Kreislaufwirtschaft
Tel.: 030 2400867-462
E-Mail: sommer@duh.de

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