Wir schützen Deutschlands Flüsse!

Das Netzwerk Lebendige Flüsse – wer und was steckt dahinter?

Das Netzwerk „Lebendige Flüsse“ ist offen für Flussaktive aus ganz Deutschland – es stellt eine Anlaufstelle für alle engagierten Umweltverbände, Organisationen Bürgerinitiativen im Bereich des Fließgewässerschutzes dar. Den Teilnehmern bietet sich damit eine Plattform, um im Rahmen der ökologischen, flussbaulichen und rechtlichen Möglichkeiten zu diskutieren und gemeinsame Initiativen vorzubereiten.

Das Netzwerk „Lebendige Flüsse“ schafft eine Drehscheibe für Flussschützer, Wissenschaftler, Techniker, Journalisten, Politiker und Vertreter wirtschaftlicher Nutzungsinteressen. Es vermittelt Informationen und Kontakte zum Thema Fließgewässerschutz. Durch die Vernetzung der Organisationen und Verbände, die in den verschiedenen Flusseinzugsgebieten aktiv sind, werden Know-how-Potentiale genutzt, der Informationsaustausch verbessert und Synergieeffekte für gemeinsame Projekte erreicht.

Das Netzwerk „Lebendige Flüsse“ hat seinen Ursprung im Jahr 1997 mit dem Start des Projektes „Lebendige Elbe“. Heute gibt es an der Elbe zahlreiche Akteure und Initiativen, die sich dem Elbeschutz verschrieben haben. Auch eine Reihe von Partnerschulen zwischen Nordsee und Prag engagieren sich im Rahmen der „Schulen für eine Lebendige Elbe“ für ihren Fluss. Ausgehend von der Lebendigen Elbe erweiterte sich das Netzwerk nach und nach um weitere „Lebendige Flüsse“ und Projektbüros.

Fließgewässer lassen sich kaum als klar abgegrenzte Lebensräume definieren, da sie durch vielfältige Wechselwirkungen in Kontakt mit der Landschaft stehen, die sie durchströmen. Diese Interaktionen machen Flüsse, Bäche und ihre Auen zu ökologisch äußerst interessanten und vielfältigen Lebensräumen.

Das An- und Abschwellen der Wasserspiegel und die damit verbundenen periodischen Überschwemmungen der Auen sowie das anschließende Trockenfallen kreieren abwechslungsreiche und ausgesprochen strukturreiche Teillebensräume in der Aue, die für eine reiche Tier- und Pflanzenwelt günstige Bedingungen bieten. So findet man hier Altwässer, Altarme, Tümpel und Flutmulden, die als Stillwasserbereiche für das Heranwachsen von Amphibien von ungeheurer Bedeutung sind. Auch die Beschaffenheit des Bodens ist in der Aue sehr abwechslungsreich und reicht von nährstoffarmen Kies- und Sandflächen bis hin zu Bereichen, die durch den Eintrag organischer Stoffe im Zuge von Überschwemmungen extrem nährstoffreich geworden sind. Die unzähligen Kleinstlebensräume stellen eine Vielzahl verschiedener Nischen dar, die durch die entsprechenden Lebensgemeinschaften besetzt werden.

Auch im Fluss selbst sorgen die Kräfte des Wassers für die Ausbildung kleinräumiger Unterschiede und ständiger Veränderung. Durch das strömende Wasser hervorgerufene Uferabbrüche sorgen für eine ständige Umgestaltung des Flusslaufs, die Beschaffenheit der Ufer verändert sich, und es kommt zur Ausbildung und Verlagerung von Flussschlingen. Kies- und Schotterbänke wechseln ihre Position inmitten des fließenden Wassers. Im Fluss und in der Aue unterliegt alles einer ständigen Dynamik.

War die Verschmutzung unserer Flüsse mit giftigen Abwässern bis in die Neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch ein großes Thema, kann heute in neun von zehn europäischen Flüssen wieder unbesorgt gebadet werden. Hierzu zählen auch die großen Flüsse wie der Rhein oder die Elbe. Noch vor zwanzig Jahren war das Baden aus gesundheitlicher Sicht in acht von zehn Flüssen nicht vertretbar.

Flussbaden ist wieder möglich

Das traditionelle Flussbaden kam Ende des 19. Jahrhunderts in Mode und wurde so lange praktiziert, bis ungereinigte Abwässer die Flüsse im 20. Jahrhundert schwer belasteten. Die Strandbäder von damals gerieten in Vergessenheit. Doch seit 2005 nimmt die Bevölkerung ihre Flüsse wieder in Besitz, denn seitdem wird einmal im Jahr entlang der Flüsse gemeinsam gebadet. Mit den Flussbadetagen wird der Öffentlichkeit kommuniziert, dass viele Flüsse heute wieder Badequalität besitzen.

Gründe für die Verbesserung der Wasserqualität sind vor allem der Ausbau und die Effizienzsteigerung von Kläranlagen bzw. zunächst einmal die Pflicht, Kläranlagen überhaupt einzurichten. So gibt die Abwasserrichtlinie der EU aus dem Jahr 2000 klare Grenzwerte für Reststoffe im Abwasser vor, was den nötigen Druck auf die bis dahin nachlässigeren Metropolen ausübte. Bis zum Inkrafttreten der Richtlinie war es Metropolen in Europa noch möglich gewesen, ihre Abwässer ungeklärt in den Fluss einzuleiten. Auch die in den 1980er Jahren vorgeschriebene Reduzierung von Phosphatmengen in Waschmitteln und das spätere gänzliche Verschwinden phosphathaltiger Waschmittel vom Markt trugen deutlich zur Erholung der Gewässer bei.

Ganz ungetrübt ist die Freude nicht

Allerdings bringen Landwirtschaft, Haushalte, Industrie und Gewerbe noch immer Belastungen durch Phosphat und Stickstoff in die Flüsse ein, und vor allem in Rhein, Werra und Weser belasten außerdem aus dem Bergbau hervorgegangene Salzfrachten die Gewässer.

In den Jahren 2005, 2010 und 2015 wurde und wird unter dem Dach des sogenannten Big Jumps europaweit gebadet, in den restlichen Jahren finden regionale Flussbadetage statt.

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