Lausitzer Seenland - Riesenchance für die Natur

In der Lausitz, dem Dreiländereck Deutschland - Tschechien - Polen, wurde zu Zeiten der DDR Jahrzehnte lang auf riesigen Flächen oberirdisch Braunkohle abgebaut. Die Region im Norden von Hoyerswerda diente als "Heizung" und "Steckdose" des gesamten Landes: Der größte Teil des ostdeutschen Energiebedarfs wurde von hier aus gedeckt. Im Tagebau fraßen sich riesige Bagger durch die Landschaft und verwandelten sie in eine Mondlandschaft mit gigantischen Kratern. Auf den ersten Blick haben die Eingriffe des Menschen hier nur zerstörerisch gewirkt. Schaut man aber genau hin, so entdeckt man ein vielfältiges Seenland, das als Naturlandschaft aus zweiter Hand Chancen für viele bedrohte Tiere und Pflanzen bietet. 

Impressionen einer Bergbaulandschaft.© B.Jahn
© B. Jahn
© Cottbus

Frischer Wind statt konventioneller Rekultivierung

Die DUH und ihre Partner vor Ort arbeiten bereits seit den 90er Jahren darauf hin, dass diese Landschaft nicht schematisch rekultiviert und ausschließlich toristisch genutzt wird. Statt dessen sollen innovative Naturschutzkonzepte entwickelt und umgesetzt werden. Das Lausitzer Seenland ist nun mit seinen 3000 Hektar früherer Braunkohle-Abbaufläche eines des größten Naturschutzprojekte in ganz Deutschland. Dank dieser Flächen wird Deutschland nun seiner Verpflichtung als EU-Mitglied besser gerecht, tatsächlich für alle Vogelarten ausreichende Lebensräume zu erhalten und zu schaffen.

Der Bund (Bundesamt für Naturschutz, BfN) und der Freistaat Sachsen betreuen das Projekt von staatlicher Seite aus. Das Naturschutzinstitut Dresden ist unser langjähriger Projektpartner und setzt mit Hilfe von DUH-Fördergeldern Maßnahmen vor Ort um.  Auch der Kauf von Land für Naturschutzzwecke wurde mit unseren Fördergeldern ermöglicht.

Seen, Wald und Ödland

Das Lausitzer Seenland ist weitgehend unzerschnitten: Viele Hektar Natur ohne Straßen, Stromleitungen und Ortschaften. Für die Naturschützer Deutschlands eine Sensation. Das Mosaik von unberührten Wäldern, Seen, zeitweise überfluteten Senken und von Ödland bietet vielen Tier- und Pflanzenarten, die in Deutschland und ganz Westeuropa auf den "Roten Listen" stehen, einen idealen Lebensraum. So brütet beispielsweise der Seeadler schon heute wieder im Lausitzer Seenland.

Der erste Landkauf von über 500 Hektar konnte 2003 realisiert werden: Der gesamte Erika-See, umgebender Wald und angrenzendes Ödland, die so genannte "Sahara", wurden für Naturschutzzwecke gesichert. Fördergelder der DUH spielten hierbei eine entscheidene Rolle. Doch mit dem Kauf entsteht die Verpflichtung zur ökologisch sinnvollen Weiterentwicklung der Biotope. Am Erika-See wurde eine Landzunge abgetrennt, so dass eine Insel entstand. Fischotter und Schwarzstorch haben die Seen mit ihren Inseln und reich gegliederten Ufern Gebiet für sich entdeckt. Vom Ufer aus lassen sich diese empfindlichen Inselbewohner beobachten. So profitieren auch Naturfreunde.

Die Sahara in der Lausitz

Am Rande des Erika-Sees liegt ein riesiges, 90 Hektar umfassendes Offenland: Die „Sahara“ ist ein ebenes, ödes Land, von Wald umgeben. Auf dem unfruchtbaren Rohboden, der hier verteilt wurde, wachsen nur ein paar Gehölze und Kräuter. Doch das Herz von Vogelkundlern schlägt schneller, wenn sie hören, welche seltenen Arten hier brüten: Raubwürger, Brachpieper und Heidelerche finden hier optimale Brutgebiete. Woanders sind sie längst verschwunden, weil sie in der intensiv genutzten Feldflur keine Chance haben.

Das Lausitzer Seenland stellt noch viele Herausforderungen. Weiterer Flächenkauf im Kerngebiet soll ökologisch wertvolle Flächen dauerhaft vor intensiver forstlicher, landwirtschaftlicher oder touristischer Nutzung schützen. Eine Ausweisung als Schutzgebiet wird ebenfalls angestrebt. Vielfältige Strukuren sollen entstehen dürfen oder werden angelegt: Flachufer, Abbruchkanten, Ödlandflächen mit Pioniervegetation, oder Binnendünen. Eine nachhaltige Nutzung, die die Naturschutzziele mit verfolgt, soll etabliert werden. Ein erster Schritt dazu ist mit einem Beweidungsprojekt getan. Alte Haustierrassen, wie z. B. Przewalski-Pferde, "pflegen" die Wiesen.

Kontakt

Naturschutzinstitut Dresden e.V.
Jan Schimkat
Albertstraße 24
01094 Dresden

Tel. 0351/80 200 33
Fax 0351/ 80 200 34

Bergbaufolgelandschaften in Deutschland

In Deutschland gibt es 5 große Braunkohlereviere bzw. deren Folgelandschaften.

  • Rheinisches Revier
  • Hessisches Revier
  • Helmstedter Revier
  • Mitteldeutsches Revier
  • Lausitzer Revier

Das Lausitzer Revier besitzt die größte Fläche, wurde bisher am geringsten "saniert" und ist mit den besten Startvoraussetzungen aus naturschutzfachlicher Sicht ausgestattet. Damit ist das Gebiet für den Landschaftstyp Bergbaufolgelandschaft ein idealer Repräsentant in Deutschland.

Kontakt

Copyright: Steffen Holzmann

Ulrich Stöcker
Leiter Naturschutz
E-Mail: stoecker@duh.de

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