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Pressemitteilung

Mehr Chancen durch gleichwertige Lebensverhältnisse: Minister Jost fordert gemeinsam mit Umweltverbänden Masterplan für mehr Umweltgerechtigkeit

Mittwoch, 08.06.2016
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Umweltbelastungen und ihre gesundheitlichen Folgen sind in der Gesellschaft ungleich verteilt. Aktuelle Statistiken bestätigen, dass die armutsgefährdete Bevölkerung wesentlich stärker Belastungen wie Umweltverschmutzung, Lärm oder gesundheitlichen Risiken durch Baumängel ausgesetzt ist als andere Bevölkerungsgruppen. Die Nutzung einer intakten Umwelt ist jedoch von zentraler Bedeutung für die physische und psychische Gesundheit der Menschen. Sie ist auch eine wichtige Voraussetzung für das gesunde Aufwachsen unserer Kinder.

„Es existieren bereits eine Reihe von Studien und Projekte, die sich mit Fragen und Lösungsansätzen zur Umweltgerechtigkeit beschäftigen. Um dieses wichtige umwelt- und sozialpolitische Thema aber mit Erfolg anzugehen, benötigen wir eine deutschlandweite Gesamtstrategie. Wir müssen die Aspekte der Umweltgerechtigkeit mittels eines Masterplans endlich in konkretes Handeln umsetzen“, so der saarländische Umweltminister Reinhold Jost. Das Saarland wird deshalb auf der Umweltministerkonferenz (UMK) am 15. Juni in Berlin einen entsprechenden Antrag einbringen. Einhellige Zustimmung und Unterstützung fand der Vorstoß bei den deutschen Umweltverbänden NABU, BUND und Deutsche Umwelthilfe (DUH).

„Es ist mir wichtig, dass wir mit dem Bund eine von allen gesellschaftlichen Akteuren getragene Strategie erarbeiten. In einem ersten Schritt haben wir die Umweltverbände – übrigens erstmals bereits in der Entstehungsphase eines Antrages – aktiv mit einbezogen“, so Jost.

Auch Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, hält eine breite gesellschaftliche Beteiligung für notwendig. Er sagt: „Um Umweltgerechtigkeit zu erreichen, ist es wichtig, dass sich alle Akteure von Beginn an auf Augenhöhe begegnen und sich über ihre Interessen und Ziele austauschen.  Moderne Ansätze des Quartiermanagements setzen dies bereits vorbildlich um. Die Eigeninitiative der Menschen ist groß – das zeigen Bewegungen wie die des ,Urban Gardening‘. Mit viel Engagement werden hier Grünflächen geschaffen, von denen eine ganze Gemeinschaft profitiert. Dieses Potenzial gilt es zu fördern.“ Die DUH setzt sich seit vielen Jahren mit verschiedenen Projekten für mehr Umweltgerechtigkeit ein.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke legt den Fokus auf die Möglichkeit zur Naturerfahrung innerhalb und außerhalb von städtischen Räumen: „Für jeden Menschen muss es möglich sein, innerhalb kurzer Entfernung und auf einfachem Wege Natur erfahren zu können. Dazu zählen wilde und ungesteuerte Naturflächen im urbanen Raum ebenso wie niedrigschwellige Zugangswege über Naturbildungszentren in der freien Landschaft.“ Zudem gelte es gerade angesichts des Klimawandels die Leistungen naturnaher Strukturen für den Menschen stärker als bisher in den Blick zu nehmen, beispielsweise der kühlende Effekt von Straßenbäumen oder die Wirkung von Parks und Bachläufen als Quellen der Frischluftentstehung. Davon profitieren Mensch und Natur.

Der BUND-Vorsitzende Prof. Hubert Weiger stellt heraus: „Gerade sozial benachteiligte Menschen in Städten sind angewiesen auf Gemeinwohlleistungen und öffentliche Infrastrukturen. Der BUND unterstützt die Initiative des Saarlandes ausdrücklich, wir hoffen auf klare Beschlüsse der UMK.“ Hierbei habe der Bund eine wichtige Rolle als Moderator und Gestalter des Prozesses auszufüllen. Der Bund trage die Verantwortung für einen systematischen Ansatz. Die Vorlage müsse über den Tag hinaus eine gesellschaftliche Debatte auslösen. „Die Verknüpfung der ökologischen mit der sozialen Frage ist die wichtigste Aufgabe, die es zu lösen gilt, und zwar besser als in der Vergangenheit“, so abschließend Hubert Weiger.

Vor allem in den Instrumenten der Städteplanung und Städtebauförderung sieht Minister Jost wichtige Bausteine für die Erreichung von mehr Umweltgerechtigkeit. Denn Lärm, schlechte Luftqualität, bioklimatische Belastung und starker Verkehr in besiedelten Räumen führen in der Regel in ohnehin weniger beliebten Wohngegenden zu niedriger Lebensqualität und zu reduzierten Lebenserwartungen der Betroffenen. Gesundheitsschädliche Auswirkungen der Lärm- und Luftbelastung und negative raumklimatische Bedingungen aufgrund maroder Bausubstanz tragen dazu bei, dass immer mehr betroffene Anwohner, sofern es ihnen wirtschaftlich möglich ist, aus hoch belasteten Vierteln in weniger umweltbelastete oder baulich besser abgeschirmte Gebiete ziehen. Folge für die städtischen Problemzentren ist der Wegfall an zahlungskräftigen Mietern, höheres Verkehrsaufkommen und eine weitere Verschlechterung der Gebäudequalität. Die Probleme potenzieren sich.

Jost: „Um solchen Problemen zu begegnen, müssen wir gesundheitliche und sozioökologische Parameter verbindlich in die städtebauliche Planung einbinden. Für die Zukunft muss zudem das Kriterium Umweltgerechtigkeit in den rechtlichen Vorgaben der Städtebauförderung verankert werden, damit für entsprechende Projekte der Zugang zu Fördermitteln einfacher wird. Derzeit bestimmt der soziale Status noch mit darüber, ob und in welchem Umfang Kinder, Jugendliche und Erwachsene durch schädliche Umwelteinwirkungen belastet oder von positiven Umwelteinflüssen ausgeschlossen sind. Das müssen wir ändern.“

DUH-Pressestelle:

Daniel Hufeisen | Ann-Kathrin Marggraf | Laura Holzäpfel
030 2400867-20 | presse@duh.de 

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