Lebendige Wälder für die Haselmaus

Die kleine und scheue Haselmaus ist auf naturnahe und strukturreiche Wälder mit einem ausreichenden Nahrungsangebot aus Blüten und Früchten angewiesen. Im heutigen „aufgeräumten“ Wirtschaftwald kämpft sie um Ihre Existenz. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL), Landesbüro Sachsen, schafft deshalb gemeinsam mit seinen Partnern durch waldbauliche Maßnahmen Strukturen sowie Verbindungskorridore und verbessert damit die Lebensraumsituation der Haselmaus in der Oberlausitz.

Die Haselmaus ist etwa daumengroß. Sie ist damit unsere kleinste heimische Schlafmaus (Fotos: Sven Büchner)

Die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) ist nur etwa daumengroß (6 - 9 Zentimeter), ihr dichtes Fell ist gelb- bis leicht rötlichbraun. Auffällig sind ihre großen, schwarzen Knopfaugen, die relativ großen rundlichen Ohren und ihr langer behaarter Schwanz. Sie ist gar keine Maus – sie gehört zur Familie der Schlafmäuse bzw. Bilche, zu denen auch Sieben-, Garten- und Baumschläfer zählen.
Die zierliche Art hat mit einer existenziellen Bedrohung zu kämpfen – dem Verlust ihres Lebensraums. Die Verbreitungsgebiete der Haselmaus sind in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen, da naturnahe Wälder selten geworden sind. Heute ist die Art streng geschützt (FFH-Richtlinie Anhang IV) und steht durch ihr Zurückgehen auf der Vorwarnliste der Roten Liste Deutschlands.

Sieger des Haselmaus-Malwettbewerbs 2011

Im Haselmaus-Malwettbewerb wollten wir wissen, wie die Haselmaus aussieht und wo sie lebt. Die besten drei Bilder zeigen wir hier. Um die Bilder zu vergrößern, fahren Sie mit der Maus auf ein Bild und klicken Sie ...

Wanderwege für die Haselmaus

Die Haselmaus benötigt arten- und strukturreiche Waldränder und Wälder mit ausgeprägter Strauchschicht. Dort findet die Haselmaus ein ausreichendes Nahrungsangebot aus Blüten und Früchten sowie geeignete Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten in Baumhöhlen und dichtem Unterwuchs.
In der Abenddämmerung klettert und turnt das nachtaktive Tier auf der Futtersuche durchs Geäst. Dabei begibt sie sich nur selten auf den Erdboden, denn dort wäre sie vollkommen ungeschützt vor ihren Feinden wie Eulen und Mardern. An besonders geschützten Stellen im Gestrüpp oder in Baumkronen legt sie ihre Brut- und Schlafnester an.
 

Die Haselmaus ist streng an Gehölze gebunden. Den Großteil ihrer Aktivitäten verbringt sie in Sträuchern und in den Kronen der Bäume (Foto: Sven Büchner)© Sven Büchner)

Sehr wichtig für die Haselmaus ist eine große Pflanzenvielfalt mit einem ausreichenden Angebot an Blüten, Beeren und Früchten als Nahrungsgrundlage. Mit der namensgebenden fettreichen Haselnuss frisst sich die Haselmaus im Herbst den nötigen Speck für ihren sieben Monate dauernden Winterschlaf an.

Haselnüsse und die Früchte der Eibe gehören zur Lieblingsnahrung der Haselmaus (Fotos: Sven Büchner)

Der DVL möchte die Lebensraumsituation der Haselmaus gemeinsam mit seinen Partnern (Büchner & Scholz Büro für ökologische Studien und LPV Zittauer Gebirge e.V. Büro für Projektmanagement Andy Paul) langfristig verbessern. Im sächsischen Artenschutzprojekt am Rotstein in der Oberlausitz soll durch geeignete Habitatverbesserungen die vorhandene Haselmauspopulation gesichert und die Neubesiedlung angrenzender Wälder ermöglicht werden. Im Vordergrund der praktischen Arbeiten stehen drei Maßnahmenkategorien:

1. Waldbauliche Maßnahmen: Schaffung lichter Bereiche im Wald zur Förderung einer dichten Strauchschicht und Anregung der Naturverjüngung vorhandener Sträucher durch Zurückschneiden.

2. Waldrandgestaltung: Pflege und Gestaltung vielschichtiger, artenreicher Waldränder mit fruchttragenden Sträuchern wie Hasel und Holunder.

3. Schaffung von Biotopverbünden: Verbindungsstrukturen wie z. B. Heckenpflanzungen dienen der Haselmaus in der Agrarlandschaft als Wanderwege zwischen Waldinseln.

Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensraumsituation für die Haselmaus

Nieder- (links) und Mittelwald (rechts) (historische Nutzungsformen) sind ideale Lebensräume für die Haselmaus (Fotos: Sven Büchner)

Um Aussagen über die beste Methode der waldbaulichen Maßnahmen treffen zu können, werden drei verschiedene Pflegevarianten angewendet, die sich darin unterscheiden, wie viele der Haselsträucher entnommen oder auf den Stock gesetzt werden. Der Vergleich der verschiedenen Bewirtschaftungsformen mit vorher durchgeführten Erhebungen zum Bewuchs erlaubt anschließend Aussagen bezüglich der Eignung der verschiedenen Pflegeansätze.

Zur Erfolgskontrolle wird ein begleitendes Monitoring durchgeführt. Durch gezielte Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit soll zudem die Bedeutung artenreicher Wälder stärker ins Bewusstsein von Waldbewirtschaftern und Bevölkerung gerückt werden. Denn wo die Haselmaus als „Zeigerart“ und Sympathieträger geeignete Lebensräume findet bzw. wo diese Lebensräume geschaffen werden, verbessert sich insgesamt der ökologische Wert der Wälder für eine Vielzahl seltener Arten.

Pressemitteilung: Naturschutzfonds unterstützt „Lebendige Wälder“ für selten gewordene Haselmaus in Oberlausitz
Deutsche Umwelthilfe und Telekom Deutschland unterstützen im sächsischen Naturschutzgebiet Rotstein Artenschutzprojekt des Deutschen Verbands für Landschaftspflege für artenreiche Waldstruktur und neue Lebensräume für die streng geschützte Haselmaus, vom 12.11.2010

Links

DVL-Landesbüro Sachsen

Haselmausprojekt in der Oberlausitz

Flyer "Lebendige Wälder für die Haselmaus"

Große Nußjagd in Sachsen - Auf den Spuren der Haselmaus

 

Wir danken für die Förderung:

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Die Telekom Deutschland veröffentlichte die Gewinner auch in ihrem telekom_life-Magazin 3/2011

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Ulrich Stöcker
Leiter Naturschutz
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