Blick in die Zukunft

Wasserkraftwerke sind nicht nur klimafreundliche Energieproduzenten, sondern gleichzeitig Bauwerke, die die Gewässerökologie empfindlich stören können. Das gemeinsame Ziel von Wasserkraftbetreibern und Naturschutzverbänden muss es deshalb sein, die Potentiale der Wasserkraft für eine nachhaltige Energiegewinnung zu nutzen und zu erschließen, dies aber unter der Prämisse eines ökologischen Fließgewässerschutzes.

Viele Beispiele zeigen, dass ökologische Verbesserungen durchaus möglich sind. Die technischen Voraussetzungen sind gegeben. Grundsätzlich ist der Modernisierung einer Anlage immer Vorrang vor einem Neubau zu geben. Ein Neubau sollte nur dann genehmigt werden, wenn damit gewässerökologische Verbesserungen einhergehen. An den wenigen noch naturnahen Fließgewässern Deutschlands sollte ein Neubau generell ausgeschlossen werden.

Notwendig scheint die Erarbeitung von umfassenden Strategien, die sich jeweils an einzelnen Flusseinzugsgebieten oder Teileinzugsgebieten orientieren. Um im bestehenden Spannungsfeld sowohl den Zustand von Flüssen und Bächen zu verbessern als auch zu einer Erhöhung der klimaschonenden Erzeugung von Strom aus Wasserkraft beizutragen, sind gemeinsame Anstrengungen in folgenden Aktionsfeldern notwendig: 

  • Definition von Vorranggewässern für Wasserkraft bzw. Naturschutz innerhalb von Einzugsgebieten oder Teilwassereinzugsgebieten.  Ein mögliches Szenario wäre hier die Zustimmung der Betreiber kleiner Wasserkraftanlagen zum Rückbau von Wasserkraftanlagen in ökologisch besonders hochwertigen Fließgewässer-Einzugsgebieten, in denen es nur wenige Durchgängigkeitshindernisse gibt. Auf der anderen Seite müssten die Naturschutzverbände dem Bau von neuen Wasserkraftanlagen an bereits stark durch Wasserkraft oder andere Nutzungen verbauten Flussabschnitten zustimmen. Auf diesem Wege könnte man die erzeugte Wasserkraftstrommenge erhöhen und gleichzeitig Fortschritte in der Gewässerökologie erreichen.

  • Förderung der Nutzung der Kleinen Wasserkraft an künstlichen Gewässern (z.B. Kläranlagen-Ausleitungen).

  • Förderung und Umsetzung technologischer Fortschritte („fischfreundliche Turbine“, funktionierende Auf- und Abstiege, durchgängige Wehranlagen, Gravitationswasserkraftwerk etc.).

  • Investitionsbündelung. Da viele gewässerökologische Verbesserungsmaßnahmen aus dem 2 Cent Ökobonus alleine nicht zu finanzieren sind, wäre zwischen Gewässerökologen und Kleinwasserkraftbetreibern eine Allianz zu schmieden, wie man ökologische Verbesserungen durch die Kombination des Ökobonus mit z. B. Fördertöpfen auf Landes-, Bundes- oder EU-Ebene kombinieren könnte, um konkrete Fortschritte zu erzielen.

  • Allgemeine ökologische Verbesserungsmaßnahmen. Es sollte geprüft werden, ob Fließgewässerabschnitte insgesamt aufgewertet werden können. Dabei sollte man sich nicht allein auf Maßnahmen an den wasserbaulichen Anlagen der Kleinwasserkraftanlagen beschränken, sondern darüber hinaus Renaturierungs- und andere Lebensraum schaffende Maßnahmen durch die Kleinwasserkraftbetreiber durchführen lassen. Durch diese Maßnahmen sollten auf jeden Fall die Habitat-Verbesserungen für Flora und Fauna optimiert werden. Insbesondere könnte auf diesem Weg der Kontakt zwischen Fischern, Naturschützern und Wasserkraftbetreibern verbessert werden.

Insgesamt gilt: Der Konflikt zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Betreiber von kleinen Wasserkraftanlagen und dem Umweltziel ökologisch intakter Fließgewässer kann nur gelöst werden, wenn ein offener Dialog der Beteiligten erreicht wird. Ein Schritt aufeinander zu ist unumgänglich, um die unter den gegebenen Umständen optimale Lösung zu erzielen.

Neue Denkansätze sowohl für den Naturschutz als auch für die kleine Wasserkraft sind unabdingbar. Eine gute Kommunikation positiver Beispiele und Lösungsansätze kann ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.

Kontakt

Copyright: Steffen Holzmann

Ulrich Stöcker
Leiter Naturschutz
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