Projekt des Monats März 2008

Artenreiche Natur auf Friedhöfen – Deutsche Umwelthilfe zeichnet das EMAS-zertifizierte Friedhofswesen in Tübingen aus

Tübingen bietet Tieren und Pflanzen durch naturnahes  Friedhofs-Management einen Rückzugsraum und schafft einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz

Fluss der Zeit (Bild: Stadt Tübingen)
Blickpunkt Schloss Hohentübingen (Bild: Stadt Tübingen)
Garten der Zeit (Bild: Stadt Tübingen)

Tübingen hat 2006 die Friedhöfe im Stadtgebiet zum zweiten Mal durch die europäische Umweltrichtlinie EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) zertifizieren lassen. Damit verpflichten sich die Stadtbaubetriebe als einzige in Deutschland, durch gezielte Maßnahmen mehr Natur in die Friedhöfe einziehen zu lassen. Möglich war dies nur dank des großen Engagements der Mitarbeiter und einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit.

Friedhöfe sind wertvolle Naturflächen in Städten. Je intensiver die Grab- und Flächenpflege jedoch betrieben wird, desto eingeschränkter sind die Lebensraumbedingungen für Pflanzen und Tiere. Die Tübinger Stadtbaubetriebe bemühen sich bereits seit Jahren erfolgreich um mehr Artenreichtum und Natur auf den Friedhöfen und haben sich 2002 zum ersten Mal nach den EMAS-Richtlinien zertifizieren lassen. Seitdem hat die Stadt weitere Renaturierungsvorhaben umgesetzt: Zahlreiche Wege wurden entsiegelt, so dass Regenwasser wieder in den Boden sickern kann.  Die Pflege der ungenutzten Grünflächen wurde extensiviert und Nist- und Brutplätze für Höhlenbrüter geschaffen. Mit Erfolg: Auf dem Stadtfriedhof hat sich eine Dohlenkolonie angesiedelt, in abgestorbenen Bäumen - dem für Artenreichtum wertvollen Totholz - nisten Spechte und Käuzchen. Insgesamt hat Tübingen 13 Friedhöfe mit einer Fläche von 27 Hektar in die Renaturierung einbezogen.

Die Umstellung auf das neue Pflegekonzept bedurfte von Anfang an einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit, um die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger zu finden und sie für die Umsetzung der ökologischen Ziele zu gewinnen. Nur mit ihrer Hilfe konnte schließlich der Düngemittelverbrauch reduziert und eine naturnahe Friedhofsbegrünung umgesetzt werden. Die Stadt hat mit Informationsblättern zum Beispiel dafür geworben, den Anteil der Dauerbepflanzungen gegenüber Wechselbepflanzungen zu erhöhen und das Grabsteinrecycling auf dem historischen Stadtfriedhof zu nutzen. Zudem wurde die Urnengemeinschaftsgrabstätte „Fluss der Zeit“ als eine natürlich gestaltete Anlage mit heimischen Pflanzen und Naturmaterialien verwirklicht, statt wie üblich als graue Wand aus Beton. Ziele des Gesamtkonzepts stellt die Stadt den Bürgerinnen und Bürgern außerdem in einer Umwelterklärung dar und vermittelt sie über das Internet und die Presse.

Unter Angabe der Quelle (Stadt Tübingen) können alle Fotos frei verwendet werden.

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