Damit Fischotter nicht unter die Räder kommen...

Fischotterschutz in Thüringen

Der seltene Fischotter breitet sich langsam wieder aus: Seit den sechziger Jahren steht er unter Artenschutz und zahlreiche Naturschutzinitiativen haben seine ursprüngliche Heimat wieder lebenswert gemacht.

Dabei werden leider immer wieder Tiere von Autos überfahren. Die DUH hat in einem Modellprojekt von 2012 bis 2015 bereits 16 Gefahrenpunkte in Thüringen entschärft und die Erfahrungen in einem Handlungsleitfaden zusammengefasst.

Dabei wurde aber auch deutlich: Das Verbreitungsgebiet des Fischotters in Thüringen wächst und wächst. Darum werden in einem dreijährigen Folgeprojekt „Fischotterschutz in Thüringen - Lebensräume verbinden, Lösungen aufzeigen, Akzeptanz fördern“ seit September 2016 Brücken in neun weiteren Landkreisen kontrolliert und bei Bedarf fischotterfreundlich umgebaut. Bildungsangebote des Erfurter DUH Teams flankieren das Projekt.

Der Fischotter (Lutra lutra) gehört zu den Mardern und bewohnt fischreiche Flüsse und Bäche. Die Tiere sind bekannt als verspielte Schwimmer und talentierte Taucher. Vor Nässe und Kälte schützt sie ein dichtes Haarkleid mit 50.000 Haaren pro Quadratzentimeter – 500 mal mehr als der Mensch auf dem Kopf hat.

© flussbuero-erfurt.de

Schon immer war der Mensch die größte Gefahr für den Fischotter: Die Jagd und die Zerstörung seines Lebensraumes – auch nach dem 1968 verhängten Jagdverbot – überlebten nur kleine Restpopulationen von rund 700 Tieren. Weil Umweltschützer dafür eintraten, Umweltgifte zu verbieten, Lebensräume unter Schutz zu stellen und Fließgewässer zu renaturieren, wächst die Anzahl der heimischen Tiere langsam wieder an.

Auf der Suche nach neuen Revieren wandern die Fischotter wieder in ihre angestammten Lebensräume ein. Es ist keine Seltenheit, dass sie in einer Nacht 20 Kilometer zurücklegen. Der Weg am Flussufer entlang ist leider alles andere als sicher: Besonders an Brücken, wo Straßen das Gewässer kreuzen, sterben viele Fischotter im Straßenverkehr.

Zählen lassen sich die scheuen und sehr mobilen Fischotter in freier Wildbahn nicht. Man kann ihr Vorkommen aber anhand der Fährte, des Kots oder – im Unglücksfall – durch einen Totfund nachweisen. Unter Brücken werden die „Beweise“ nicht vom Regen weggespült. Systematische Brückenkontrollen sind deshalb eine recht zuverlässige Nachweismethode, auch, um Aussagen über die Entwicklung des Vorkommens zu treffen.

Fischotterlosung unter einer Brücke.© M. Schmalz
Trittsiegel eines Fischotters.© M. Schmalz
© flussbuero-erfurt.de

Ab Mitte der 1970er Jahre war der Fischotter in Thüringen nicht mehr anzutreffen. Erst mit einer Verbesserung der Wasserqualität unserer Flüsse konnte sich der Otter wieder ausbreiten. Dabei ist er noch immer so selten, dass der Fischotter weiterhin in der Roten Liste der gefährdeten aufgeführt wird. Deutschlandweit gilt er als gefährdet (Kategorie 3), in Thüringen sogar als stark gefährdet (Kategorie 2).

Darum ist es besonders erfreulich, dass der Fischotter heute an allen großen Flusseinzugsgebieten Thüringens wieder vorkommt. Der Schwerpunkt liegt an der Weißen Elster und der Pleiße. Aber auch im Einzugsgebiet der Unstrut, der Saale und der Werra scheint er wieder heimisch werden zu wollen.

Das aktuelle Verbreitungsgebiet des Fischotters in Thüringen auf MTB-Basis (grün) und Gebiete, in denen mittelfristig mit dem Vorkommen zu rechnen ist (rot).© Grafik M. Schmalz, Karte multibaseCS3

Doch der Straßenverkehr ist für den Otter eine tödliche Gefahr. 14 Todfunde wurden bislang in Thüringen gezählt (Stand Januar 2017), die Hälfte davon an Brücken. Unterbrechen diese das Ufer, ohne einen natürlichen oder künstlichen Uferstreifen bereitzustellen, unterbricht auch der Otter hier seine Wanderung: Er verlässt den Fluss und umgeht das Hindernis, läuft also über die Straße. Die wichtigste Maßnahme im Fischotterschutz ist deshalb, Brücken so zu gestalten, dass die Fischotter sie unterqueren können und nicht mehr zum Verkehrsopfer werden.

Gemeinsam mit dem Flussbüro Erfurt und der Thüringer Fischotterexpertin Maria Schmalz untersuchte die DUH über 600 Brücken in Thüringen. 16 Brücken wurden fischottergerecht umgebaut. Auch andere Tiere, wie z. B. der Biber, profitieren von diesen Wanderwegen und der Ausweitung des blauen Biotopverbundes.

Die Erfahrungen wurden in einem Handlungsleitfaden zusammengefasst. Dieses Wissen wird innerhalb des Projektes „Fischotterschutz in Thüringen ? Lebensräume verbinden, Lösungen aufzeigen, Akzeptanz fördern“ in andere Landkreise übertragen und erweitert. Zudem stehen die Maßnahmen in Thüringen auch für andere Regionen Modell. Mit der Kampagne "Fischotter und Schreiadler willkommen" überträgt die DUH die Erfahrungen aus Thüringen in andere Bundesländer, um überall dort, wo der Fischotter gerade erst wieder einwandert, die nötigen Schutzmaßnahmen zu initiieren.

Toter Fischotter am Strassenrand© (c) Pitopia / Michael Weirauch, 2011

Die Rückkehr des Fischotters nach Thüringen macht Hoffnung. Allerdings steigt auch die Zahl der Tiere, die durch den Straßenverkehr getötet werden. Besonders an Brücken, wo Straßen Flüsse kreuzen, ist die Gefahr groß. Denn Fischotter können zwar gut schwimmen. Trotzdem nehmen dort, wo unter der Brücke kein Uferstreifen vorhanden ist, lieber den trockenen und gefährlichen Umweg über die Straße. Ein künstlicher Uferstreifen, eine so genannte Berme, kann an solchen Brücken schnell und kostengünstig Abhilfe schaffen. Ideal sind natürlich breite, natürliche Ufer, aber auch aufgeschüttete oder gemauerte Bermen oder auch einfache Stege aus Holz oder Beton nimmt der Fischotter als Querungshilfen an. Alternativ haben sich auch Trockentunnel zur Unterquerung der Straße als praktikabel erwiesen. Eine enge Abstimmung mit den zuständigen Behörden sichert die hydraulische Leistungsfähigkeit der Brückenbauwerke auch über den Umbau hinaus.

Der Einbau von Bermen ist ein bewährtes Konzept. Die Ausführung lässt sich gut an die örtlichen Gegebenheiten anpassen. Die ideale, bei jedem Neubau zu bevorzugende Lösung ist jedoch breite Brücke, die zu beiden Seiten des Gewässers einen natürlichen Uferstreifen überspannt. Auch für viele andere Arten sind die neugeschaffenen Wege nutzbar.

DUH-Mitarbeiter Ercan Ayboga bei der Kartierung von Brückenbauwerken
Ottergefährdende Brücke
Idealfall: Brücke mit breitem Uferstreifen
Uferstreifen aus geschütteten Wasserbausteinen
Bermen aus Beton werden nachweislich vom Fischotter genutzt

Das Projekt wird vom Freistaat Thüringen mit Mitteln des europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE-OP 2014 bis 2020) und des Freistaates Thüringen gefördert.

Downloads & Dokumente

DUHwelt 3/2016

Artikel "Mit Leidenschaft im Einsatz für lebendige Flüsse"

Schutz des Fischotters vor Straßenverkehr

Vortrag von Dipl.-Ing. Stephan Gunkel

Handlungsleitfaden Brückenumbau

Ausmalbogen Fischotter 7-10 Jahre

Ausmalbogen Fischotter 4-7 Jahre

DUHwelt 4/2013

Wisent / European bison / Bison bonasus

DUHwelt 4/2012

Flyer Fischotter-Projekt 2012

Kontakt

Copyright: Steffen Holzmann

Sabrina Schulz
Projektmanagerin Naturschutz
E-Mail: Mail schreiben

Copyright:

Sabine Stolzenberg
Projektmanagerin Fischotterschutz
Tel.: 0361 3025 4911
Tel.: 0170 5641322
E-Mail: Mail schreiben

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