Häufige Fragen

I Fragen zur Herstellung und Entsorgung von Einwegbechern

Die meisten Einwegpappbecher sind auf der Innenseite mit dem Kunststoff Polyethylen beschichtet. Das führt dazu, dass die Becher in der Natur nur langsam abgebaut werden. Die übrig bleibenden Kunststoffteilchen zerfallen in Mikroplastik und gelangen in den Boden, das Wasser und sogar in die Nahrungskette.

Einwegpappbecher werden zwar aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz produziert, allerdings führt dessen Verarbeitung zu Papier zu erheblichen Umweltauswirkungen. Dabei wird viel Wasser und Energie verbraucht, sowie Chemikalien eingesetzt. Allein für die Herstellung des Papiers für einen 0,3 l Coffee to go-Becher wird mehr als ein halber Liter Wasser benötigt.

Werden beschichtete Pappbecher über die gelbe Tonne entsorgt, dann werden sie in der Regel in die Papierfraktion einsortiert und landen, genauso wie die in der Papiertonne entsorgten Becher, in Papierrecyclinganlagen. Weil sich die Papierfasern nur sehr schwer von der Kunststoffinnenbeschichtung lösen, werden sie beim Recyclingprozess häufig als sogenannte „Spuckstoffe“ abgesondert und verbrannt. 

Einwegpappbecher sind nur eingeschränkt recyclingfähig. Die Papierfasern lassen sich beim Recyclingprozess kaum von der Kunststoffinnenschicht lösen und werden überwiegend als Reststoffe verbrannt.

Einwegpappbecher bestehen in der Regeln nicht nur aus Papier, sondern auch aus erdölbasiertem Kunststoff. Sie enthalten einen durchschnittlichen Anteil von 95 Prozent Papierfasern und 5 Prozent des Kunststoffes Polyethylen. Wäre der Becher aus reiner Pappe, dann würde er nach dem Befüllen schnell aufweichen und undicht werden.

II Fragen zur ökologischen Bewertung von Einwegbechern

Recycling ist gut, aber keine Lösung für das Problem zu vieler Coffee to go-Becher. Denn auch für den Transport, die Aufbereitung und Neuherstellung von Pappbechern aus Recyclingfasern werden viele Ressourcen und Energie verbraucht. Zudem ändert sich nichts am massenhaften und unreflektierten Verbrauch der Einwegbecher sowie deren unsachgemäßer Entsorgung in der Umwelt.

Seit einigen Jahren ist bekannt, dass Lebensmittelverpackungen aus recyceltem Papier hohe Gehalte an Mineralölkomponenten enthalten können, die durch bedrucktes Zeitungspapier oder durch mineralölhaltige Druckfarben in den Recyclingprozess gelangen. Kurzkettige gesättigte Kohlenwasserstoffe werden vom Körper leicht aufgenommen und können in bestimmten Organen angereichert werden. Aus diesem Grund werden Coffee to go-Becher aus Papierfasern in der Regel aus Neumaterial hergestellt.

Bei der Verwendung des Biokunststoffes Polymilchsäure (PLA) zur Becherherstellung wird Rohöl eingespart, jedoch verursacht der Anbau von Energiepflanzen zur Rohstoffherstellung ganz erhebliche Umweltbelastungen durch den Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden, Herbiziden, Wasser und Landmaschinen. Eine Kompensation der Umweltauswirkungen von Coffee to go-Bechern durch den Einsatz von Biokunststoffen findet nicht statt. Zudem entsteht der größte Teil der Umweltauswirkungen durch die Produktion des Papieranteils.


Weil Coffee to go-Becher unterwegs konsumiert werden, landen sie überwiegend in öffentlichen Papierkörben oder auf der Straße und nicht in der Biotonne. Landet ein abbaubarer Becher tatsächlich in der Biotonne, so wird er in der Regel in der Behandlungsanlage als Fremdstoff aussortiert, weil er von seinen nicht abbaubaren Pendants nicht unterschieden werden kann. Die Verweilzeit in Kompostierungsanlagen reicht zudem häufig nicht aus, um kompostierbare Verpackungen komplett verrotten zu lassen.

III Fragen zur ökologischen Bewertung von Mehrwegbechern

Durch die vielfache Wiederverwendung von Mehrwegbechern oder Tassen werden aktiv Abfälle vermieden und Ressourcen geschont. Jede Wiederbefüllung eines Mehrwegbechers ersetzt die Neuproduktion und den Anfall eines neuen Einwegbechers als Abfall. Dadurch werden weniger Ressourcen verbraucht und Klimagase ausgestoßen. Durch die Wiederbefüllung eines Mehrwegbechers werden im Vergleich zur Neuherstellung eines Einwegbechers 430 ml Wasser und 0,1 kWh Energie eingespart sowie 21 g CO2 vermieden.

Weil ein Mehrwegbecher bis zu 1.000 Mal - oder mehr - wieder verwendet werden kann, sind die Umweltauswirkungen seiner Herstellung über die gesamte Produktlebensdauer vergleichsweise gering. Entscheidend für die ökologische Bewertung ist der Vergleich der Herstellung eines Einwegbechers mit der Reinigung eines Mehrwegbechers. Durch die Wiederbefüllung eines Mehrwegbechers werden im Vergleich zur Neuherstellung eines Einwegbechers 430 ml Wasser und 0,1 kWh Energie eingespart sowie 21 g CO2 vermieden.

Mehrwegbecher sparen trotz des Spülprozesses bei jeder Wiederverwendung 430 ml Wasser im Vergleich zur Herstellung eines Pappbechers ein. Für die Produktion von nur einem Pappbecher wird ein halber Liter Wasser benötigt. Dabei ist nicht nur die Menge des verbrauchten Wassers entscheidend, sondern auch die Energie für dessen Bereitstellung und die daraus resultierenden Umweltbelastungen. Die Spülung eines Mehrwegbechers ist also eine umweltfreundliche und saubere Sache.

Die im Auftrag des Einweg-Industrieverbands „Benelux Disposables Foundation“ durchgeführte TNO-Studie geht beim Vergleich von Einweg- und Mehrwegbechern von realitätsfremden und verzerrenden Annahmen zu Gunsten der Wegwerfartikel aus. Deshalb sind die Studienergebnisse Ergebnisse tendenziös und nicht aussagekräftig. So ist die gewählte Füllgröße des Einwegbechers zu klein, sein angenommenes Gewicht zu leicht und die CO2-Emissionen zu gering. Für Mehrwegbecher wurden dagegen veraltete und deutlich zu hohe Energiewerte für die Warmwasserbereitstellung bzw. die automatische Spülung angenommen.

IV Praktische Fragen zum Verwendung von Mehrwegbechern

Mehrwegbecher können mit Einwegbechern problemlos mithalten. Für den Kaffee auf die Hand gibt es sie in allen Größen, Formen und Designs sowie aus unterschiedlichen Materialien (Stahl, Kunststoff, Porzellan oder Bambus). Hochwertige Produkte sind problemlos wiederverschließbar, lassen keinen Tropfen Inhalt nach Außen und isolieren das Getränk in hervorragender Weise. Vorteile die Einwegbecher nicht bieten können. 

Mehrwegbecher in der Standardfüllgröße 0,3 l sind problemlos verstaubar und leicht zu tragen, weil sie in der Regel nicht mehr als 200 g wiegen.

Die Lebensmittelhygieneverordnung verbietet die Wiederbefüllung mitgebrachter Mehrwegbecher nicht. Lebensmittel müssen jedoch so in Verkehr gebracht werden, dass sie bei Beachtung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt der Gefahr einer nachteiligen Beeinflussung nicht ausgesetzt sind. Bei einer Befüllung hinter dem Tresen sollte eine Sichtkontrolle des Bechers durch Mitarbeiter durchgeführt, Handschuhe getragen (ist beim Umgang mit Lebensmitteln in Bäckereien ohnehin vorgeschrieben) und eine Abfüllung ohne Berührung des Abfüllstutzens vorgenommen werden. Bei professionellen Kaffeemaschinen ist die Höhe des Abfüllstutzens problemlos verstellbar. Sofern diese Dinge - neben der täglichen Reinigung der Maschinen - eingehalten werden, sollte eine Befüllung mitgebrachter Mehrwegbecher unproblematisch sein. In Kantinen, Mensen und an Tankstellen sind Kaffeeautomaten zur Selbstbedienung vor den Verkaufstresen inzwischen Standard. Kunden können sich dort ihre Mehrwegbecher selbst befüllen. Das Angebot einheitlicher Pfand-Mehrwegbecher bei Kaffeehausketten, die nach ihrer Nutzung zurückgebracht und gespült werden, ist ebenfalls völlig unproblematisch. Wer seinen Mehrwegbecher zu Hause mit Kaffee befüllt und unterwegs trinkt, spart auch Einwegbecher ein – ohne vermeintliche hygienische Bedenken.  

Bislang sind der Deutschen Umwelthilfe in Gesprächen mit Kaffeehausketten und Hygieneämtern keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen von Verbrauchern durch das Abfüllen von Kaffee in Mehrwegbechern bekannt geworden. Zudem haben Tests in der Praxis gezeigt, dass das Personal in den Verkaufsstellen vor dem Befüllen eines Mehrwegbechers eine Sichtprüfung durchführt, um erkennbare Verunreinigungen auszuschließen. Zudem sind die Mitarbeiter geschult eine Abfüllung ohne Berührung des Abfüllstutzens vorzunehmen. Bei professionellen Kaffeemaschinen ist die Höhe des Abfüllstutzens problemlos verstellbar.

V Fragen zur Abgabe auf Einwegbecher

Erfahrungen mit der Einführung einer Abgabe auf Plastiktüten in Irland haben gezeigt, dass deren Verbrauch von 328 Stück pro Kopf und Jahr auf heute nur noch 16 Stück gesunken ist. Mit einer ähnlichen Wirkung ist auch bei einer Abgabe auf Coffee to go-Becher zu rechnen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag der DUH sind 75 Prozent der Berliner dafür, dass Wegwerfbecher etwas kosten sollen.

Eine Verbrauchssteuer auf Coffee to go-Becher muss nicht zwangsläufig vom Kunden gezahlt werden. Durch die Nutzung eines Mehrweg to go-Bechers (in den USA ist das bereits Gang und Gäbe) hat jeder Verbraucher die Möglichkeit der Steuer aus dem Weg zu gehen und diese nicht zahlen zu müssen. Oder man trinkt seinen Kaffee aus einer Tasse im Bistro oder Steh-Café. Noch interessanter wird es, wenn Kaffee-Ketten für die Nutzung von Mehrwegbechern Preisnachlässe gewähren.

Kontakt

Copyright: Heidi Scherm

Thomas Fischer
Leiter Kreislaufwirtschaft
Tel.: 030 2400867-43
E-Mail: fischer@duh.de

Teilen auf: