Atomenergie

- Bild: Atomkraft hat die Bundesrepublik 40 Jahre gespalten - Bild: Jakob Huber
Vierzig lange Jahre hat die Atomenergie die alte Bundesrepublik wie fast kein anderes Thema gespalten und zwanzig Jahre die neue. Fukushima hat den Gegnern dieser Hochrisikotechnologie erneut Recht gegeben wie zuvor schon die Kernschmelze von Harrisburg (USA, 1979) und die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (UdSSR, 1986). Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat sich dennoch im Jahr 2010 wie kaum eine zuvor in den Dienst der Atomkraftwerksbetreiber gestellt und gegen alle Widerstände für ihre 17 Reaktoren verlängerte Laufzeiten von nominell acht bis 14 Jahre durchgesetzt. Nach dem Desaster in Fernost vollzog dieselbe Regierung Merkel nur Monate nach dem Beschluss über die Laufzeitverlängerung einen der spektakulärsten Politikwechsel der Nachkriegszeit.

- Wendepunkt: Die zerstörten Reaktoren in Fukushima führten zu einem Umdenken in der Energiepolitik - Bild: NPP
Acht der siebzehn Reaktoren sind wohl endgültig abgeschaltet, über Nacht reduzierte sich das latente atomare Katastrophenrisiko im Inland um rund die Hälfte. Das ist ein nationaler Fortschritt, der ohne die während der Laufzeitdebatte wiedergewonnene Stärke der Anti-AKW-Bewegung und der Umweltverbände nicht denkbar gewesen wäre. Die Deutsche Umwelthilfe hat über viele Jahre ihren Teil dazu beigetragen, dass Deutschland als erstes großes Industrieland bis 2022 vollständig aus der kommerziellen Nutzung der Atomenergie aussteigen will. Sie wird nun ebenso intensiv weiter dafür arbeiten, dass die angestrebte Energiewende ein Erfolg wird. Denn wir sind überzeugt, dass die Frage, ob sich andere Industrienationen und aufstrebende Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien oder Südafrika den deutschen Weg in das regenerative Zeitalter zu eigen machen, in Deutschland entschieden wird. Aus der globalen Perspektive ist nicht das Datum des endgültigen Ausstiegs entscheidend, sondern sein Gelingen und der Erfolg der Energiewende in der viertgrößten Wirtschaftsnation der Welt.

- Acht Altmeiler, darunter Biblis A und B wurden abgeschaltet - Bild: H.G.Oed/BMU
Dennoch bleibt auf dem Feld der Atomenergie mehr als genug zu tun. Der geplante Ausstieg ist nach Überzeugung der DUH nicht der von Kanzlerin Angela Merkel versprochene schnellstmögliche. „Natürlich geht es schneller“, lautete die Kernaussage von DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake am 8. Juni 2011 vor dem Umweltausschuss des Bundestags. 2017 als Enddatum und gleiche Reaktorlaufzeiten für alle Altmeiler – das war die Forderung der DUH. So ist es nicht gekommen, weil die Rücksichten der Regierung auf die Interessen und Befindlichkeiten der deutschen Traditionswirtschaft immer noch zu groß sind. Deshalb wird die DUH nun alles versuchen, damit die verbleibenden neun Reaktoren – die sämtlich auch schon deutlich über zwanzig Jahre alt sind – technisch an modernste Sicherheitsstandards angepasst werden. Wo dies nicht möglich ist oder den Betreibern zu teuer, müssen sie schon vor Ablauf ihres im neuen Atomgesetz vorgesehenen Abschaltdatums stillgelegt werden. Wer den Atomkonflikt in Deutschland wirklich beenden will, muss außerdem bei der Frage der Atommüll-Endlagerung einen gesellschaftlichen Konsens herstellen, der auch bei künftigen Regierungswechseln nicht mehr aufgeschnürt wird. Dies ist nur möglich mit der Gesellschaft, aber nicht gegen sie. Aus geologischen, technischen und politischen Gründen wird man den Salzstock von Gorleben als Endlagerstätte aufgeben und sich auf die Suche nach dem wirklich besten Standort machen.
Schließlich würde von Deutschland ein falsches Signal in das Ausland gesandt, wenn das Land selbst aus der Atomenergienutzung aussteigt, die Welt aber weiter mit Brennelementen oder angereichertem Uran aus Gronau versorgt. Oder, wie derzeit geplant, sogar den Export von Reaktortechnik „Made in Germany“ mit staatlichen Kreditbürgschaften absichert.
Die Wahrscheinlichkeit, dass zwischen dem Jahr 2011 und dem Jahr 2022 – dem geplanten Abschalttermin der letzten drei Reaktoren – die Debatte über den Atomausstieg noch einmal mit dem Ziel eines Wiedereinstiegs aufgenommen wird, ist hoch.
Die DUH wird sich in die Atomdebatte immer wieder einmischen, bis der Ausstieg endgültig ist. In den Pressemitteilungen finden Sie Informationen über die laufenden Aktivitäten der DUH, weitergehende Hintergründe und andere Informationen finden Sie auch in unserem Publikationenarchiv.
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