Investitionsrisiko Kohlekraftwerk

Emissionhandel macht Kohlekraftwerke zu einem unkalkulierbaren Risiko

Die Europäische Union hat beschlossen, dass die Kraftwerksbetreiber ab 2013 die Rechte zum Ausstoß von Klimagasen zu 100% ersteigern müssen. Bislang bekommen sie diese zu über 90% geschenkt. Europa will, dass sich Investitionen in Klima freundliche Techniken wie Kraft-Wärme gekoppelte Gaskraftwerke lohnen. Das heißt, dass der Betreiber eines neuen Steinkohlekraftwerkes (bei gleicher Strommenge) weit mehr als doppelt so hohe Kosten durch den Emissionshandel haben wird, wie der Betreiber eines Gaskraftwerks mit Kraft-Wärme-Kopplung. Der bisherige Preisvorteil des Brennstoffs Kohle gegenüber Gas wird so durch den Emissionshandel aufgehoben. Die Klimaziele werden den Preis bestimmen. Wer auf niedrige CO2-Preise setzt, spekuliert darauf, dass Europa in den nächsten Jahrzehnten keine anspruchsvolle Klimapolitik betreibt und der Klimawandel „schon nicht so schlimm“ wird.

Kohle verbrennt Geld (Bild: Rilke/pixelio)© Copyright 2007

Wind wird Kohlestrom zunehmend im Netz verdrängen

Installation einer Windkraftanlage (Bild: Petersen/pixelio)

Strom aus erneuerbaren Energien und aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen hat im Netz einen gesetzlich gesicherten Vorrang. Schon heute beträgt der Anteil der Erneuerbaren über 15 Prozent, die Bundesregierung und alle im Bundestag vertretenen Oppositionsparteien wollen ihn bis 2020 mindestens verdoppeln - auf dann mehr als 30 Prozent. Dies soll in Zukunft auch durch große Windkraftanlagen in der Nord- und Ostsee geschehen. Der Wind weht auf See viel häufiger, stärker und vor allem stetiger als an Land. Schon heute decken die Erneuerbaren bei guten Wind- und Sonnenverhältnissen bis zu drei Viertel der deutschen Stromnachfrage. In diesen Zeiten geraten Kohle- und Atomkraftwerke stark unter wirtschaftlichen Druck. Sie müssen ihre Stromproduktion drosseln oder – wie zunehmend an der Börse zu beobachten – sogar dafür bezahlen, dass ihr Strom abgenommen wird. Denn die mangelnde Flexibilität des übrigen Kraftwerksparks führt schon heute immer häufiger zu negativen Strompreisen. Diese Tendenz verstärkt sich rasant.

Auf mittlere Sicht erzwingt der massive Ausbau der Erneuerbaren Energien in ganz Deutschland eine tiefgreifende Veränderung der hergebrachten Kraftwerksstruktur. Denn wachsende Mengen von Wind- und Solarstrom erfordern unausweichlich eine Flexibilisierung des übrigen Kraftwerkparks. Kohlekraftwerke sind für diese Aufgabe ungeeignet. Sie müssen wegen der hohen Investitionskosten „rund um die Uhr“ und möglichst das ganze Jahr über laufen, sonst fahren sie Verluste ein. Sollten die Kohlekraftwerke nicht auf die wirtschaftlich notwendige Zahl an so genannten Volllaststunden kommen, laufen sie Gefahr die finanziellen Altlasten und Stranded Investments von morgen zu werden.

Als Übergangstechnologie brauchen wir daher flexible Gaskraftwerke. Mehr Gaskraftwerke bedeuten nicht automatisch die Verbrennung von mehr Gas, denn mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien müssen sie tendenziell immer seltener einspringen. Mehrere Studien unterschiedlich positionierter Institute bestätigen, dass unsere Abhängigkeit von Gasimporten in diesem Szenario per Saldo eher ab- als zunimmt.

Kontakt

Copyright: DUH / Heidi Scherm

Dr. Peter Ahmels
Leiter Energie und Klimaschutz
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