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Wildnis in Deutschland

Montag, 03.07.2017 Dateien: 1

Wildnis - das sind weitläufige Gebiete, in denen die natürlichen Prozesse unbeirrt ihren Lauf nehmen können. Wildnisgebiete sind jedoch nicht nur die sattgrünen tropischen Regenwälder Südamerikas und die weiten Savannen Afrikas. Auch in Deutschland gibt es noch Wildnis. Und wir setzen uns für ihren Schutz ein.

© MARTIN DEMMEL/ Fotolia

Wälder, Gebirge, Küsten- oder Flusslandschaften, Moorgebiete oder eine Kombination aus mehreren. Als Wildnis gilt, was mindestens 1.000 oder in bestimmten Fällen mindestens 500 Hektar groß, unzerschnitten und nutzungsfrei ist. Die Gestaltung solcher Räume übernehmen natürliche Prozesse, Wetterereignisse und in den Gebieten lebende Arten – vom Kleinstinsekt bis zum Großsäuger. Wildnisgebiete sind unersetzlich für seltene Tier- und Pflanzenarten, die auf Rückzugsräume und Wanderkorridore angewiesen sind und gewinnen in Zeiten des Klimawandels noch zusätzlich an Bedeutung. Aber auch für den Menschen sind es faszinierende Orte des Naturerlebens und der Umweltbildung.  

2 Prozent Wildnisfläche in Deutschland sollen es werden

Selten wird der Begriff der Wildnis in Verbindung mit Deutschland gebracht. Kernzonen von Großschutzgebieten, wie der Nationalpark Bayerischer Wald, sind aber schon heute großflächig aus der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen und durch ihren Status vor neuen Infrastrukturen, Siedlungsbau und verschiedenen Wirtschaftsformen geschützt. Diese Schutzgebiete von heute können die Wildnisgebiete Deutschlands von morgen sein.

Die von der Bundesregierung aufgesetzte Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt und auch verschiedenste Verbände und Stiftungen setzen das Ziel einer Ausweisung von großräumigen Wildnisgebieten von 2 Prozent der Landesfläche bis 2020. Bisher wurden jedoch nur 0,6 Prozent ausgewiesen. Denn in einem dichtbesiedelten Land wie Deutschland ist es schwer, große unzerschnittene Flächen von der Nutzung auszuschließen. Mit wachsender Bevölkerung und wachsender Wirtschaft erhöht sich auch der Nutzungsdruck auf die Flächen, denn Land- und Forstwirtschaft, Energie, Verkehr und Siedlungsbau beanspruchen jeweils eigene Flächen für sich.

Aus Braunkohletagebau wird Wildnisgebiet

Für die Ausweisung neuer Wildnisgebiete bieten somit insbesondere Flächen Potenziale, deren Landschaft durch vergangene Nutzung geprägt wurde. Beispiele hierfür sind ehemalige Truppenübungsplätze oder Braunkohlefolgelandschaften. 15.000 Hektar Bergbaufolgeflächen in der Lausitz eignen sich für eine Wildnisentwicklung. Dies hat ein von der DUH erarbeitetes Gutachten gezeigt. Dabei handelt es sich um aus Sicherheitsgründen gesperrte Flächen ehemaliger Braunkohletagebaue. Sie bilden bereits ein vielfältiges Landschaftsmosaik, das schon heute Kranich und Wolf, Wiedehopf und Wechselkröte eine Heimat bietet. Lässt man dort der Natur ihren freien Lauf, spart man unmittelbar Sanierungsmittel für die Nutzbarmachung der Flächen. Diesen Vorteil haben jetzt auch das Bundesumweltministerium und das Bundesfinanzministerium erkannt. Auf Grund der Einigung  mit den Braunkohleländern wird die Festsetzung von Wildnisentwicklungsflächen ermöglicht werden.  Die DUH wird die politische Diskussion weiter begleiten und sich für Wildnisentwicklung in Verbindung mit Naturtourismus und nachhaltiger Regionalentwicklung einsetzen.

Am Stettiner Haff an der Ostseeküste zwischen Polen und Deutschland, ist eine wildnisähnliche Landschaft vielerorts vorhanden. Im dortigen Oder-Delta treffen vielfältige Lebensräume aufeinander: Buchenwälder auf Steilküsten, riesige Flussdeltas, Auwälder, ausgedehnte Moore, trockene Heidelandschaften und großflächige Wälder mit Seen reihen sich rings um die Wasserflächen des Haffs und werden schon heute in Teilen nicht mehr land- oder forstwirtschaftlich genutzt. Als Partner in der Initiative "Rewilding Europe Oder Delta" setzen wir uns erfolgreich für eine verzahnte Entwicklung von Wildnis und halboffenen Landschaften ein.

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