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Studie zu Smartphones und Co.: eine Branche ohne Nachhaltigkeit?

Montag, 22.01.2018 Dateien: 1

Kalender, Nachrichten, Musik: die digitalen Alltagsbegleiter wie Smartphone und Co. sind für viele Menschen mittlerweile unersetzlich geworden. Zumindest wenn es um die Daten geht, die wir auf ihnen speichern. Das Gerät selbst allerdings wird nach immer kürzeren Nutzungszyklen schnell gegen ein neues ausgetauscht. Das produziert jedes Jahr Tonnen von Elektroschrott und kostet wertvolle Ressourcen. Ein Problem, dem sich auch die Branche selbst stellen muss. Wir haben genauer hingeschaut.

© LIGHTFIELD STUDIOS/Fotolia

Etwa 1,7 Millionen Tonnen neue Elektrogeräte und mehr als 24 Millionen Smartphones werden pro Jahr in Deutschland verkauft. Mit einem Anteil von jährlich 250.000 Tonnen ist die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) mitverantwortlich für immer kürzere Nutzungszyklen, größere Schrottberge und steigende Ressourcenverbräuche. Um zu beurteilen, wie nachhaltig die IKT-Industrie ist, haben wir 25 Gerätehersteller, Telefonie- und Internetanbieter am Beispiel von Smartphones, Festnetztelefonen und Routern untersucht.

Abb.1.: Untersuchte Unternehmen© DUH


Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit werden kaum umgesetzt

Im Fokus der einjährigen Studie standen das Produktdesign, das Vertragsangebot, die Geräteunterstützung, Entsorgungslösungen sowie Marketingstrategien. Die Ergebnisse zeigen, dass Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit in der IKT-Branche bislang kaum umgesetzt werden. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Erhebliches Verbesserungspotenzial besteht im Bereich Reparatur. Hersteller von Smartphones und anderen IKT-Geräten müssen viel stärker als bisher in die Pflicht genommen werden, Originalersatzteile zu verhältnismäßigen Kosten anzubieten. Kostenlose Reparaturanleitungen und Software-Updates müssen für die erwartete Lebensdauer der IKT-Geräte zur Verfügung gestellt werden. Unternehmen wie Asus, Fairphone, Shift oder Zyxel zeigen, wie es gehen kann. Sie machen originale Ersatzteile für unabhängige Reparaturbetriebe und Endnutzer verfügbar und ermöglichen somit überhaupt erst eine Reparatur. Andere Unternehmen erschweren hingegen diesen Prozess, indem sie Ersatzteile lediglich zu hohen Kosten und langen Lieferzeiten bereitstellen oder erst gar keine anbieten.

Abb.2.: Verfügbarkeit originaler Ersatzteile© DUH

Wie ein verbraucherfreundliches Ökodesign umgesetzt werden kann, zeigt das Fairphone 2, das besonders modular und reparierbar aufgebaut ist. Apple und Samsung verwenden für erste Geräte bereits Recyclingkunststoff. Die iPhone-Modelle 7 und 7plus zeigen, dass sich ein Schutz gegen Feuchteschäden mit einer akzeptablen Reparierbarkeit verbinden lässt.

Leihen statt besitzen: Router mieten geht auch

Leasingmodelle, die im Sinne von Nutzen statt Besitzen die Dienstleistung und nicht das Gerät in den Vordergrund stellen, sind in der IKT-Branche die Ausnahme. Dabei geht es auch anders. Die Unternehmen 1&1 (United Internet), O2 (Telefónica), Telekom, Unitymedia und Vodafone bieten das Leasing von Routern an. Allein bei der Telekom nutzten im Jahr 2016 8,7 Millionen Kunden den Mietservice für Router und Mediareceiver. Nach eigenen Angaben entwickelt Fairphone derzeit das Angebot eines Leasingmodells für Smartphones. Leasingmodelle können dazu beitragen, hohe Sammelquoten zu erreichen und besonders langlebige Geräte zu fördern.

Damit ausgediente Geräte für eine erneute Nutzung aufbereitet oder recycelt werden können, ist es notwendig, dass sie getrennt gesammelt werden. Viele der untersuchten Unternehmen nehmen zwar eigene Geräte zurück, setzen sich aber nicht aktiv für die Sammlung ausgedienter IKT-Geräte ein. Deshalb schlummern in deutschen Schubladen noch rund 120 Millionen Handys. Hier setzen die Handysammlungen von Telefónica, Telekom und Vodafone an, die zurückgenommene Geräte zum Teil reparieren und wiederverwenden. Wegweisend ist der Ansatz des Smartphone-Herstellers Shift, der als einziges IKT-Unternehmen ein Pfand in Höhe von 22 Euro erhebt.

Gebraucht ist umweltfreundlich

Für den Schutz von Umwelt und Ressourcen empfehlen wir, gebrauchte Geräte zu kaufen, sie möglichst lange zu nutzen und Schäden, zum Beispiel durch Schutzhüllen oder Displayfolien, vorzubeugen. Defekte Geräte sollten nach Möglichkeit repariert und andernfalls bei Händlern oder Wertstoffhöfen abgegeben werden. Umweltzeichen wie der „Blaue Engel“ und Produktbewertungen von Prüforganisationen wie Stiftung Warentest oder Öko-Test helfen, besonders umweltfreundliche Geräte zu erkennen.

Um immer kürzer werdende Produktzyklen zu stoppen, muss auch die Politik die Rahmenbedingungen verändern. Dienstleistungen zum Erhalt von IKT-Geräten müssen im Vergleich zum Ressourcenverbrauch durch neue Produkte steuerlich begünstigt und Standards zum Ökodesign festgelegt werden. Auch besonders umweltfreundliche Geräte, wie zum Beispiel gebrauchte Smartphones, sollten durch finanzielle Anreize für Verbraucher interessanter gemacht werden.

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