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Deutschland bleibt Europameister beim Verpackungsabfall

Donnerstag, 13.04.2017

Ein Schokohase im Abfallkleid – nicht nur, aber besonders an Ostern nimmt die Verpackungsflut in Supermärkten, Discountern und Drogerien absurde Züge an. Unnötige Verpackungen und ineffiziente Produkte sind das Ergebnis verfehlter Abfallpolitik, die Ressourcensparen nicht unterstützt. Dabei ist das Votum der Kunden klar: Sie wollen keine Müllberge im Einkaufskorb.

© Sascha Krautz

Mit mehr als 218 Kilogramm Verpackungsabfall pro Kopf und Jahr bleibt Deutschland weiterhin trauriger europäischer Spitzenreiter bei Verpackungsabfällen. Würden alle so leben wie die Deutschen, dann bräuchten wir sogar drei Erden. Als rohstoffarmes Land sollte Deutschland sparsam mit begrenzt vorhandenen Ressourcen umgehen. In Nachbarstaaten wie Italien, Frankreich und Dänemark fällt deutlich weniger Abfall an.

In Deutschland läuft etwas gewaltig schief, denn Kunden werden in Supermärkten und Drogerien nicht nur zu Ostern mit Rekordmengen unnötiger Verpackungen zugemüllt. Dabei ergibt eine repräsentative Umfrage der Aris Umfrageforschung GmbH im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH), dass für mehr als drei Viertel der Befragten eine möglichst rohstoffschonende Herstellung von Produkten und die sparsame Verwendung von Verpackungsmaterialien eine sehr große Bedeutung haben. Deshalb fordert die DUH von Supermärkten, Discountern und Drogerien konkrete Maßnahmen, wie die Festlegung unternehmensweiter Strategien zu Ressourceneinsparungen, verbindliche Ziele und die Auslistung besonders ressourcenverschwendender Produkte.

„Zu Ostern werden Produkte um bis zu 20 Prozent mehr verpackt. Diese Müllflut ist völlig unnötig und zeigt, dass Supermärkte und Drogerien ihrer Verantwortung bei der Auswahl ressourcenschonender und abfallarmer Produkte nicht nachkommen. Dieses Problem geht weit über Ostern hinaus, denn Einwegplastikflaschen, Bananen in Plastikfolie und Kaffeekapseln werden das ganze Jahr über angeboten“, kritisiert der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Nur Lippenbekenntnisse aus dem Umweltministerium

Der Verbrauch von Ressourcen muss deutlich verringert werden, worauf Bundesumweltministerin Barbara Hendricks kurz vor dem Bundestagsbeschluss zum neuen Verpackungsgesetz am 30. März 2017 ausdrücklich hinwies.  Doch das im Bundestag beschlossene Verpackungsgesetz wird nicht zu weniger Verpackungsmüll führen, weil es sich in erster Linie auf das Recycling von Abfällen konzentriert, anstatt diese zuallererst zu vermeiden. So wollte die Ministerin bis zuletzt die Zielquote für abfallarme Mehrweggetränkeverpackungen ersatzlos streichen und nahm sie nur aufgrund starken politischen Drucks in allerletzter Minute wieder ins Gesetz auf.

Ein sparsamer Umgang mit Ressourcen gilt für Supermärkte und Drogerien in besonderer Weise, weil ihnen eine wichtige Rolle zukommt. Durch die Auswahl und das Angebot von Produkten haben sie einen erheblichen Einfluss auf deren Gestaltung und Verpackung. Das Problem: Das Herstellen und Inverkehrbringen von Verpackungen ist in Deutschland viel zu günstig. Aus diesem Grund müssen entweder die Lizenzentgelte für das Inverkehrbringen von Verpackungen deutlich ansteigen oder es muss eine Ressourcensteuer eingeführt werden. Am Ende sollten Hersteller, die besonders viele Verpackungen produzieren, auch besonders viel dafür bezahlen müssen.

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