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Palmöl, aber richtig!

Montag, 24.04.2017

Das in tropischen Ländern rund um die Welt angebaute Palmöl ist aus unserem Alltag kaum wegzudenken. In Kosmetikprodukten, unserem Essen, sogar im Tank unseres Autos finden wir es. Das liegt vor allem daran, dass Palmöl als billiger Rohstoff viele nützliche Eigenschaften vereint. Doch der steigende Bedarf bedeutet die Abholzung von vielen Millionen Hektar Regenwald. Im Interview dazu Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH.

© Heidi Scherm

Palmöl-Plantagen werden auch „grüne Wüsten“ genannt. Warum?

Mit der Palmölgewinnung gehen großflächig angelegte Plantagen und die Zerstörung großer Tropenwaldflächen einher. Neben der Vernichtung wichtiger Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten, gehen durch die Entwaldung wichtige Funktionen der Sauerstoffproduktion und CO2-Bindung verloren. Oft werden neue Anbauflächen durch Brandrodung gewonnen oder es werden ökologisch besonders wertvolle Torfmoore zerstört. Dabei werden Klimagase wie CO2 und Methan freigesetzt. Die wachsende Nachfrage in den Industrieländern nach Palmöl ist zudem Auslöser enormer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Konflikte.

Die Einhaltung international anerkannter Umwelt- und Sozialstandards ist für einen zukunftsfähigen Palmölanbau essentiell. Palmölimporte in die EU müssen an diese verbindlichen Standards gekoppelt werden. Mit der Unterzeichnung der „Amsterdamer Erklärung“ im Dezember 2015 will Deutschland neben weiteren EU-Mitgliedsstaaten das Ziel einer nachhaltigen Palmöllieferkette bis 2020 unterstützen.

Wie groß ist das Ausmaß der Palmöl-Plantagen weltweit tatsächlich?

Nach jetzigem Stand wird davon ausgegangen, dass sich die Nachfrage nach Palmöl bis zum Jahr 2050 verdoppeln wird. Das heißt, dass jährlich 300.000 Hektar für neue Plantagen benötigt werden. Lesen Sie mehr über die Belastungsgrenzen unseres Planeten. Angebaut wird größtenteils in den südostasiatischen Ländern, insbesondere Indonesien und Malaysia, jedoch zunehmend auch in Afrika und Lateinamerika. Ein großer Teil davon wird exportiert. Die Importe nach Deutschland betragen allein etwa eine Million Tonnen pro Jahr. Palmöl ist in weit mehr Produkten verarbeitet, als auf den ersten Blick ersichtlich. Neben vielen Lebensmitteln enthalten auch Reinigungsmittel, Kosmetik, Pflegeprodukte, Futtermittel und Kraftstoffe das vergleichsweise preiswerte Palmöl, Palmkernöl oder dessen Abspaltungsprodukte.

Sind Palmöl-Plantagen nicht die Lebensgrundlage vieler tausend Menschen?

Die Wahrheit ist, neue Plantagen entstehen oft ohne Genehmigung einer zuständigen Verwaltung. Somit werden auch die Landrechte der Bevölkerung und die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen von den Palmöl-Unternehmen nicht beachtet. Das bedeutet: unterbezahlte Arbeit, unkontrollierter Umgang mit giftigen Pestiziden, Atemwegsprobleme durch Brandrodungen und auch Kinderarbeit. Das alles kann nur durch die Umsetzung von Umwelt- und Sozialstandards vor Ort verändert werden.

Was unterscheidet nachhaltig angebautes Palmöl von konventionellem?

Eine Zertifizierung bedeutet vor allem die Einhaltung der erwähnten Standards beim Anbau, bei der Verarbeitung und Verwendung von Palmöl. Je nach Ambitionsgrad der Zertifizierung sind die Kriterien keine Rodung von Primärwald, kein großflächiger Anbau von Monokulturen, keine Nutzung von Torfböden sowie der Erhalt von Lebensräumen. Hinzu kommen faire Arbeitsbedingungen, der Respekt vor Landnutzungsrechten indigener Völker und der Schutz der Arbeiter und Arbeiterinnen vor gesundheitsgefährdenden Stoffen. Dies alles sollte beim Import von Palmöl und seinen Nebenprodukten zu 100 Prozent transparent und nachvollziehbar sein.

Wie kommt Palmöl in den Tank?

In der EU gelangen etwa 40 bis 45 Prozent der gesamten Palmöl-Importe als Beimischung in Biosprit. Die Grundlage dafür ist die EU-Biokraftstoffquote: Sie verpflichtet die Mineralölkonzerne, dem Sprit Pflanzenöl-Anteile beizumischen. An der Tankstelle zapft man also oft auch Palmöl, ohne es zu wissen.
Die DUH macht sich bei den Gesetzgebern auf bundesdeutscher und europäischer Ebene dafür stark, dass Palmöl nicht mehr als Energieträger genutzt wird. Die derzeitige Novellierung der Erneuerbare Energien-Richtlinie der EU bietet aus Sicht der DUH einen günstigen Zeitpunkt, das Beimischen von Palmöl zu Dieseltreibstoff zu beenden. Wir starten 2017 eine Kampagne und wenden uns an Politiker und große europäische Mineralölunternehmen.

Woran erkenne ich Produkte aus nachhaltigem Palmöl zum Beispiel im Supermarkt und wie kann ich Palmöl im Alltag umgehen?

Es gibt kein eigenes Gütezeichen für palmölfreie oder zertifizierte Produkte und auch wir möchten keines einführen. Vielmehr möchten wir bestehende Standards verbessern. Die am häufigsten von der Branche genutzten Kriterien des RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil) stellen nur einen schwachen Mindeststandard dar. Siegel, wie der Blaue Engel, führen bereits Kriterien zur Verwendung von zertifiziertem Palmöl auf. In der Fülle der Gütesiegel erkennt der Verbraucher jedoch oft nicht, ob und wie ambitioniert die Kriterien sind. Es muss also einerseits bei den Standards nachgebessert werden aber auch eine verbesserte Verbraucherinformation stattfinden. Auf Internetseiten wie siegelklarheit.de werden die verschiedenen Gütesiegel nach Produktgruppen geordnet, einzeln bewertet und somit vergleichbar.

Die beste Alternative bieten Produkte aus ökologischem Anbau. Bio-Palmöl wird umweltschonend angebaut und verarbeitet.

An welchem Ziel arbeitet die Deutsche Umwelthilfe?

Wir möchten Kunden informieren, sodass sie sich bewusst für Produkte mit (bio-)zertifiziertem Palmöl entscheiden können. Das bedeutet zunächst einmal das Bewusstsein für diese Produktgruppen und mögliche Alternativen zu stärken. Dafür müssen die Produkte bestimmten Standards unterliegen, die auch für den Verbraucher anhand von Gütesiegeln und Produktinformationen sichtbar gemacht werden. In einem Projekt zusammen mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) wollen wir auch speziell die öffentliche Verwaltung in die Pflicht nehmen. Die Marktmacht der öffentlichen Hand bietet ein großes Potenzial, da sie mit Ausgaben von über 350 Milliarden Euro jährlich den größten Einkäufer Deutschlands darstellt. Im Vergaberecht auf Bund, Länder-, und Kommunalebene sollen Standards in Bezug auf Palmöl eingeführt werden. Wenn die Nachfrage nach zertifizierten Palmöl steigt, hat das auch Auswirkungen auf die Unternehmen, Zulieferer und Produzenten.

Absolut widersinnig ist allerdings die Verwendung von Palmöl in Kraftstoffen auf Grundlage der gesetzlich vorgeschriebenen Beimischungsquote von erneuerbaren Energien. Zusammen mit dem WWF untersuchen wir die Möglichkeit, diese Beimischung gesetzlich zu verbieten.

Vielen Dank Herr Müller-Kraenner.

Die Fragen stellte Laura Holzäpfel, Redaktion DUH.

Kein Palmöl in den Tank!

Nur gemeinsam können wir durchsetzen, dass kein Regenwald mehr in Europas Autotanks landet. Bitte unterstützen Sie unsere Initiative mit einer Spende oder Fördermitgliedschaft. Vielen Dank!

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